Autorenlesung im Haus Berger Delmenhorster Autor erzählt aus dem Leben von Russenkindern

Von Lennart Bonk

Winfried Behlau liest am 6. April im Haus Berger aus dem Buch „Distelblüten“ vor.Foto: Lennart BonkWinfried Behlau liest am 6. April im Haus Berger aus dem Buch „Distelblüten“ vor.Foto: Lennart Bonk

Delmenhorst. „Distelblüten“ heißt das Buch, aus dem der Autor und Herausgeber Winfried Behlau im Haus Berger vorlesen wird. Es beschreibt die Lebensgeschichten deutscher Besatzungskinder.

Lange Zeit wurden die Sünden der Sieger totgeschwiegen und tabuisiert. Geschädigte verloren nur selten Worte über die Gräueltaten, die sie während des Krieges von den siegreichen Soldaten über sich ergehen lassen mussten.

Vorlesung am 6. April

Dieses Schweigen hat der Delmenhorster Autor Winfried Behlau vor einigen Jahren gemeinsam mit weiteren Besatzungskindern gebrochen. Sie haben ihre Lebensgeschichten niedergeschrieben und veröffentlicht. Aus dem Buch mit dem Titel „Distelblüten – Russenkinder in Deutschland“ wird Behlau auf Einladung des hiesigen Kulturkreises am Donnerstag, 6. April, um 19.30 Uhr im Haus Berger vorlesen. Der Eintritt dazu ist frei.

15 Besatzungskinder berichten im Buch aus ihrem Leben

Insgesamt 15 Besatzungskinder haben ihre Biografien aufgeschrieben. Behlau hat diese oft emotionalen Geschichten gesammelt und 2015 erstmals herausgegeben. Darin berichten die Nachkommen, die teilweise aus Liebesbeziehungen aber auch aus Vergewaltigungen durch russische Soldaten entstanden sind, aus ihrem Leben. „Den Kindern erging es unterschiedlich. Einige wurden gemobbt. Die Vergewaltigungskinder sind meist in der Versenkung verschwunden“, erklärte Behlau.

Mit 13 Jahren von seinem biologischen Vater erfahren

Dass er selbst ein Russenkind ist, erfuhr er einen Tag nach seinem 13. Geburtstag. Seine Mutter eröffnete ihm damals, dass sein Vater ein russischer Soldat gewesen ist, der sich im Sommer 1945 an ihr vergangen hat. Vor fünf Jahren hätte Behlau, der im April 1946 in Ostpreußen geboren wurde, nicht öffentlich dazu gestanden, ein Vergewaltigungskind zu sein.

Jakobsweg brach Behlaus Schweigen

Sein jahrelanges Schweigen brach er erstmals auf dem Jakobsweg, wo er mit Menschen mit ähnlichen Biografien über dieses Thema ins Gespräch kam. „Ich kam befreit zurück“, erinnert sich Behlau. Mehr Bewegung in die Sache brachte ein Leserbrief, der über Umwege den Kontakt zu weiteren Russenkindern brachte.

Symbolkräftiger Buchtitel

Ihr Gemeinschaftswerk trägt den symbolkräftigen Titel „Distelblüten“. Er geht auf Leo Tolstois Geschichte „Die Tatarendistel“ zurück. Dort wird die Pflanze als „nicht kaputt zu kriegen“ beschrieben. Eine Eigenschaft, die auch auf die Besatzungskinder zutreffe. „Russenkinder können viel ab“, weiß Behlau aus eigener Erfahrung. Im Haus Berger wird er am Donnerstag aus dem Leben einiger Russenkinder erzählen.


Mit dem 132 Seiten starken Buch, das mittlerweile in der dritten und erweiterten Auflage erschienen ist, war Winfried Behlau bereits in mehreren TV Talkshows zu Gast. Ebenso berichteten überregionale Zeitschriften über das Buch und die bedrückenden Geschichten der Besatzungskinder. Aktuell wird das Buch ins Englische übersetzt. Eine eBook Ausgabe auf Englisch soll im Sommer in den Vertrieb gehen.

Das Buch kostet 9,90 Euro und ist im Buchhandel sowie unter www.russenkinder-distelblueten.de erhältlich.