Kinderbetreuung in Delmenhorst Stadtelternrat will Probleme in der Betreuung lösen

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Leere Garderoben: Gruppenausfälle wegen Fachkräftemangels kommen laut Stadtelternrat auch in Delmenhorst immer häufiger vor. Foto: Uwe Zucchi/dpaLeere Garderoben: Gruppenausfälle wegen Fachkräftemangels kommen laut Stadtelternrat auch in Delmenhorst immer häufiger vor. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Delmenhorst. Im dk-Interview spricht Melanie Vorbröcker, stellvertretende Elternratsvorsitzende, über die aktuelle Problematik in der Kinderbetreuung, die Sorgen der Eltern, die an dem Stadtelternrat herangetragen werden und mögliche Lösungsansätze.

Der Stadtelternrat für Kindergärten und Krippen befasst sich seit Längerem mit den Themen Betreuungsplatzmangel und Fachkräftemangel in Kitas. Zu diesem Themen lädt das Gremium interessierte Eltern am Mittwoch, 29. März, um 19 Uhr in die Tagespflege Wichtelhausen an der Brauenkamper Straße 31 ein. Gesprochen werden soll über den Mangel an Plätzen in der Krippenbetreuung, fehlende Ganztagsplätze, Fachkräftemangel sowie fehlende Nachmittagsbetreuung für Schüler.

Delmenhorster Kreisblatt: Frau Vorbröcker, im Bereich der Kinderbetreuung ist momentan einiges in Bewegung, trotzdem bestehen noch immer Engpässe. Wo drückt der Schuh am meisten?

Melanie Vorbröcker: Aufgrund des seit dem 1. August 2013 bestehenden Rechtsanspruchs auf Betreuung des Kindes ab dem ersten Geburtstag, ist die Nachfrage nach Betreuungsplätzen natürlich enorm gestiegen. Die derzeit zur Verfügung stehenden Plätze, sowohl im Bereich Krippe/Kindergarten als auch im Bereich offene Ganztagsschule/Hort werden diesem Bedarf nicht gerecht. Durch die fast ausnahmslos als Ganztagsgruppen betriebenen Krippen und die dadurch entstandene Möglichkeit der Eltern wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, erhöht dieses natürlich automatisch den Bedarf an Ganztagsbetreuung im Kindergarten und an Ganztagsschulen. Ein weiterer Punkt, der die Betreuungsproblematik noch verschärft ist, dass es derzeit einfach zu wenig pädagogisches Fachpersonal gibt um die Einrichtungen auch mit Mitarbeitern zu betreiben. Dieses gilt sowohl für Erzieher, Sozialassistenten als auch Lehrkräfte für den Grundschulbereich. Hier ist das Land Niedersachsen gefordert, die Ausbildung als auch die Vergütung attraktiver zu gestalten. Dieses Problem wollen wir in Kooperation mit anderen Stadt- und Kreiselternräten bei der Niedersächsischen Landesregierung vorbringen und hier die Landesregierung zum Handeln bewegen. Gerade die Personalproblematik ist eklatant wichtig, denn auch ohne die oben genannten neu aufgetretenen Probleme wäre es enorm wichtig, gerade im Kindergartenbereich eine dritte pädagogische Fachkraft zu etablieren, um den geänderten Anforderungen der Betreuung gerecht werden zu können und weiter eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten.

Welche Sorgen werden an den Stadtelternrat hineingetragen?

Viele Eltern kommen in letzter Zeit auf den Stadtelternrat zu und berichten uns über den hohen Krankenstand in Ihren Einrichtungen und den damit verbundenen Betreuungsproblemen. Hier versuchen wir als Elternvertreter auf der einen Seite Lösungen für diese Eltern zu finden, wie eine Notbetreuung für erwerbstätige Eltern. Auf der anderen Seite werben wir auch um Verständnis dafür, dass auch Eltern ihre kranken Kinder nicht wieder zu früh in die Einrichtungen bringen um nicht andere Kinder oder die Mitarbeiter dort anzustecken. Dieses wird am Ende ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Gerade in den Erkältungszeiten ist natürlich auch ein Kindergarten nicht von einem hohen Krankenstand verschont und kann nicht immer durch Vertretungskräfte aufgefangen werden. Auch bei Problemen zwischen Eltern und Kindergartenleitung oder der Stadt als Träger der Kindertagespflege versuchen wir als Vermittler tätig zu werden und Probleme zu lösen. Dieses können entweder zwischenmenschliche oder organisatorische Probleme sein, in denen wir immer versuchen eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu finden und es gelingt uns auch in den meisten Fällen.

Sind bestimmte Kitas mehr betroffen, zum Beispiel von Gruppenschließungen durch Krankheit, als andere?

Dies ist ein generelles Problem, welches alle Einrichtungen gleichermaßen betrifft. Jede Einrichtung versucht, die Betreuung der Kinder sicherzustellen. Manchmal ist dies trotz des Einsatzes von Vertretungskräften nicht immer möglich oder pädagogisch nicht sinnvoll.

Wie kommt der Mangel an Hortplätzen Ihrer Meinung nach zustande?

Der Mangel an Hortplätzen beziehungsweise Ganztagsschulen existiert schon eine ganze Zeit. Aufgrund des bereits erwähnten Rechtsanspruchs wurde diese Problematik noch erhöht. Steigende Einschulungszahlen und die Flüchtlingsthematik haben auch hier zu einem erhöhten Bedarf geführt. Weitere Ganztagsschulen sind in Planung, wurden aber aufgrund von mangelnden räumlichen Kapazitäten und auch Personalmangel bisher nicht umgesetzt. Der Stadtelternrat ist auch an diesem Thema intensiv in Gesprächen mit der Stadt als Schulträger, den Schulleitern und den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, um auch hier zeitnah eine Erhöhung der Kapazitäten zu erreichen.

Wo sollten Horte angesiedelt werden? In Kitas? In Grundschulen?

Wir sind der Meinung, dass eine grundsätzliche Betreuung an der Grundschule erfolgen sollte, wie dies ja schon an einigen Ganztagsschulen in Delmenhorst praktiziert wird. Dieses stellt die Eltern nicht vor ein weiteres Transportproblem. Problematisch ist hierbei leider das Konzept der offenen Ganztagsschule. Diese stellt nur eine Betreuung von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 13 bis 16 Uhr sicher. Maßgeblich für die Ausgestaltung, Personalschlüssel und so weiter ist hier das Niedersächsische Schulgesetz. In der Zeit von 16 bis 17 Uhr und Freitag von 13 bis 17 Uhr nennt sich die Nachmittagsbetreuung dann Hort und hier ist das Niedersächsische Kindertagesstättengesetz die geltende Rechtsnorm und diese sieht andere Voraussetzungen für den Betrieb eines Hortes vor als bei der offenen Ganztagsschule. Hier wäre eine Einheitlichkeit wünschenswert.

Der Stadtelternrat bemängelt zudem fehlende Krippenplätze. Können Tagesmütter die Lücke nicht füllen?

Auch in der Tagespflege sind die Kapazitäten mittlerweile erschöpft. Tagesmütter und auch von Tagesmüttern betriebene Großtagespflegen haben bereits Wartelisten und können die Unterdeckung nicht auffangen, sondern nur abmildern.

Es entstehen zur Zeit neue Kitas. Sehen Sie zumindest eine positive Entwicklung?

Die Stadt Delmenhorst versucht dem gestiegenen Bedarf durch Neubauten und Erweiterungen von bestehenden Kindertagesstätten gerecht zu werden, die geplanten Vorhaben werden trotzdem den Bedarf nicht decken können. Gründe für diesen stark gestiegenen Betreuungsbedarf sind die nicht vorhersehbaren Zuzüge aus Südost-Europa, der Zuzug aus Nachbargemeinden und ein nicht vorhersehbarerr Anstieg der Geburtenrate in Delmenhorst. Ein weiterer Ausbau von Betreuungsplätzen ist zwar geplant, fraglich ist, ob auch das benötigte Personal dafür vorhanden ist.

Hat der Stadtelternrat Lösungsansätze für die genannten Probleme?

Natürlich haben wir als Stadtelternrat auch Lösungsansätze. Zu dem Thema Nachmittagsbetreuung haben wir im letzten Jahr zu einem Runden Tisch eingeladen, um dieses Thema voranzutreiben und den Beteiligten die Probleme der Eltern näherzubringen. In Kooperation mit anderen Elternvertretungen auf kommunaler Ebene versuchen wir auch das Thema der Attraktivitätssteigerung des Erzieherberufes zu bearbeiten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.


Melanie Vorbröcker ist seit drei Jahren stellvertretende Vorsitzende im Stadtelternrat für Kindergärten und Krippen. Die 34-Jährige arbeitet seit sechs Jahren in der Tagespflege. Vor knapp zwei Jahren hat die Mutter einer achtjährigen Tochter und eines sechsjährigen Sohnes mit einer Kollegin die Großtagespflege Wichtelhausen ins Leben gerufen.

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