Premiere für Niederdeutsches Theater Schwerenöter in Not

Von Jan Eric Fiedler

Keine einfache Beziehung: Klaus (Markus Weise) und Hinnerk (Heiko Petershagen) stehen auf Kriegsfuß. Foto: Melanie HohmannKeine einfache Beziehung: Klaus (Markus Weise) und Hinnerk (Heiko Petershagen) stehen auf Kriegsfuß. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Eine in der ersten Hälfte teils langatmige Premiere von „Bett un Fröhstück“ des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst wandelte sich nach der Pause zu einem vergnüglichen Theaterabend.

„Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frauen.“ Die erste Zeile des Heinz-Rühmann-Schlagers, zu denen sich bei der Premiere des neuen Stücks „Bett un Fröhstöck“ des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst der Vorhang öffnete, gab den Zuschauern im Kleinen Haus gleich einen Blick in das Innenleben der Hauptperson.

Beziehungschaos in der Frühstückspension

Hinnerk Untiet (Heiko Petershagen) ist ein Schwerenöter, auch wenn er das vielleicht selbst nicht so wahrhaben will. Gegenüber seinen Töchtern Rieke (Pia Korona) und Dörte (Jana Oetjen), die ihm in seiner neuen Frühstückspension zur Hand gehen, gibt er nämlich den moralischen und standfesten Vater. Dabei hat er eine Affäre mit Elke (Elga Eilers), der Frau seines besten Freundes Werner (Tammo Albers).

Bald quartieren sich die ersten Gäste ein: der Generalvertreter Klaus (Markus Weise) und der Künstler Holger (Niklas Müller). Diese sind dem wachsamen Vater ein Dorn im Auge, entwickeln seine Töchter angesichts der jungen Männer doch eine eigenwillige Interpretation der Gastfreundlichkeit. Was Hinnerk nicht weiß: Die beiden Männer sind seinen Töchtern durchaus bekannt. Als dann auch noch eine zweite Liebschaft Hinnerks, die Partnervermittlerin Kitty (Dagmar Albers) auftaucht, ist das Chaos komplett.

Hervorragende Schauspieler

Getragen wurde das Stück aus der Feder von Konrad Hansen in der Inszenierung des NTD-Gastregisseurs René Schack vor allem durch die schauspielerische Leistung des Ensembles. Immer wieder blitzte in einzelnen Szenen die Klasse der Darsteller auf, beispielsweise als Markus Weise als betrunkener Klaus zunächst ein Slapstick-Feuerwerk abfeuert und schließlich in bester Freddie-Frinton-Manier, Helene Fischers „Atemlos“ intonierend die Bühne verlässt. Ein deutlich stillerer Höhepunkt wurde durch Jana Oetjen gesetzt: Nach einem Streit mit Hinnerk räumt sie wortlos und voller Verachtung den Tisch ab, was vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht wurde.

Mehr Wortwitz nach der Pause

Grenzen setzte dem Vergnügen in der ersten Hälfte der etwas langatmige Aufbau der Vorlage. Erst nach der Pause gewann das Stück spürbar an Schwung und versprühte auch deutlich mehr Wortwitz. Dies lag mitunter auch am Auftreten von Dagmar Albers, die mit der Rolle der resoluten Kitty ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum beim NTD feiert. Die Skepsis, die noch in der Pause deutlich beim Publikum zu spüren war, wandelte sich so in Zufriedenheit über eine gelungene Komödie mit teils hervorragenden schauspielerischen Leistungen.

Tickets im dk-Kundencenter

Weitere Vorstellungen sind am 24., 25., 30. und 31. März sowie am 1., 7., 8., 21. und 22. April um 20 Uhr im Kleinen Haus. Am 9. April gibt es eine Nachmittagsvorstellung um 15.30 Uhr. Karten gibt es im dk-Kundencenter, Lange Straße 122.


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