Moustafa Zein eröffnet seine zweite Nachhilfeschule Delmenhorst: 19 Jahre alt und schon Chef

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Moustafa Zein (19) eröffnet in Delmenhorst seine zweite Nachhilfeschule. Seitdem er 16 ist, bietet der Ganderkeseer Nachhilfeunterricht an. Mit 18 meldete er ein Gewerbe an. Heute führt er zwölf Mitarbeiter. Foto: Frederik GrabbeMoustafa Zein (19) eröffnet in Delmenhorst seine zweite Nachhilfeschule. Seitdem er 16 ist, bietet der Ganderkeseer Nachhilfeunterricht an. Mit 18 meldete er ein Gewerbe an. Heute führt er zwölf Mitarbeiter. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst/ Ganderkesee. Er ist erst 19 Jahre alt und führt schon zwölf Mitarbeiter. Am 10. März will Moustafa Zein seine zweite Nachhilfeschule in Delmenhorst eröffnen.

Am Anfang stand eine Kleinanzeige. Moustafa Zein, damals 16 Jahre alt, wollte eigentlich Gutes tun und bot ehrenamtlich Nachhilfestunden bei Ebay an. Geld verlangte er dafür nicht. Drei Monate stand die Anzeige im Netz, ohne dass Zein eine Antwort erhielt. Dann änderte er leicht den Anzeigentext – und verlangte 10 Euro die Stunde für Nachhilfeunterricht. Nach einigen Tagen kam die erste Anfrage rein. Zein unterrichtete zuhause in seinem Kinderzimmer und an einer 30 Zentimeter langen Ecke seines Schreibtisches und verdiente so 20 Euro die Woche. Heute ist Moustafa Zein 19, beschäftigt in seiner Ganderkeseer Nachhilfe-Schule „eazy learning“ 12 Mitarbeiter und wagt im März den Sprung nach Delmenhorst.

Der Traum, selbstständig zu sein

„Eigentlich wollte ich immer Ingenieur werden und später selbstständig sein“, erzählt Zein, als er in dem einzigen Raum der Delmenhorster Niederlassung am Hartriegelweg sitzt, der bisher vorzeigbar ist. Die Streicharbeiten sind so gut wie abgeschlossen, Farbflecken bedecken hier und da den Boden, die Möbel fehlen noch größtenteils. Irgendwann kam für ihn die Erkenntnis, dass der Wunsch, selbstständig – und somit unabhängig zu sein – überwiegt. Da hatte Zeins erster Schüler ihn längst weiterempfohlen. Die Zahl seiner Klienten wuchs, er baute sein Zimmer zum Arbeitsplatz um, führte Kundengespräche mit den Eltern seiner Schüler darin. Warum sich also nicht mit der Nachhilfe selbstständig machen? „Ich habe damals allen erzählt, dass ich eine Schule eröffnen werde. So wollte ich mich selbst unter Zugzwang setzen“, sagt Zein. Er besuchte einen Kurs für Existenzgründer. Im April 2016 meldete er ein Gewerbe an und verlagerte die Nachhilfe in den Keller seines Elternhauses. Bald wurde es dort zu eng, der junge Mann mietete im September 2016 im Ganderkeseer Ortskern neue Räume an. Am 10. März will er mit einer großen Feier die Schule in Delmenhorst eröffnen.

Ohne Studium und ohne Ausbildung in die Arbeitswelt

„Eigentlich war meine komplette Familie dagegen, dass ich mich selbstständig mache“, sagt Moustafa Zein. „Meine Eltern stammen aus dem Libanon. Dort ist Bildung ein wichtiges Thema. Es gibt Familien, die ihre Grundstücke verkaufen, um ihrem Kind ein Studium finanzieren zu können.“ Ohne Studium und ohne Ausbildung in die Arbeitswelt? Das war ein schwer zu ertragender Gedanke für seine Familie, schildert Moustafa Zein. „Aber warum sollte ich etwas wegwerfen, was gut läuft?“, fragte er sich damals. Am Ende setzte Zein sich durch, auch wenn es ein langer Prozess war, wie er sagt.

Bio-Nachhilfe – ohne aber Kenntnisse zu haben

Wenn man so will, hatte er darin schon zuvor Übung: Zein hatte damit angefangen, Nachhilfe in Mathe zu geben. Als er gefragt wurde, ob er auch Nachhilfe in Biologie anbiete, sagte er zu – „dabei kannte ich das Thema gar nicht“, sagt er. „Manchmal habe ich eine Aufgabe zwei Stunden lang vorbereiten müssen, um eine Stunde Nachhilfe zu geben.“ Solche „Schwierigkeiten“ habe es einige Male gegeben. Und doch sagt Moustafa Zein: „Durch die Nachhilfe habe ich mehr gelernt, als durch die Schule.“

Qualifikation ist Nebensache

Der Erfolg gibt ihm recht. „Qualität bei der Nachhilfe kommt nicht durch eine hohe Qualifikation. Erfolg in der Schule stellt sich ein, wenn man mit Spaß lernt. Wenn ich sehe, dass Abiturienten oder Studenten dies besser vermitteln können als Bewerber mit Doktortitel, stelle ich lieber sie ein“, sagt der 19-Jährige, der selbst ein Mathe-Studium geschmissen hat. Zudem setzt Zein vermehrt auf Einzelunterricht. Und wo geht es nach Delmenhorst hin? „Nach Hude“, sagt er selbstbewusst. „Da gibt noch nicht so viele Nachhilfeschulen.“

Ehrenamt: Der Kreis schließt sich

Übrigens: Die Sache mit der ehrenamtlichen Nachhilfe hat jetzt, rund drei Jahre nach Schaltung der Anzeige, ein gutes Ende gefunden. Immer freitags gibt Moustafa zwei Stunden lang im Jugendzentrum Nachhilfe für Schüler ab der vierten Klasse. Kostenfrei natürlich. „Das Ehrenamt hat mir die Tür zur Selbstständigkeit geöffnet. Ich finde, es ist meine Aufgabe, etwas zurückzugeben.“


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