Als Friseur Geflüchteter findet Berufung in Delmenhorst

Von Merlin Hinkelmann

Seit mehr als einem Jahr arbeitet Mohammad Hashemi nun im Friseursalon von Britta Häusler. Im August wird er seine Ausbildung beginnen. Foto: Merlin HinkelmannSeit mehr als einem Jahr arbeitet Mohammad Hashemi nun im Friseursalon von Britta Häusler. Im August wird er seine Ausbildung beginnen. Foto: Merlin Hinkelmann

Delmenhorst. Mohammad Hashemi arbeitet am liebsten mit den Händen. Vor zwei Jahren ist er aus Afghanistan geflüchtet. Heute hilft er im Salon von Britta Häusler aus. Ein feinfühliger Mensch, der seine Passion gefunden hat.

Etwa 5000 Kilometer liegen zwischen Behsud, Afghanistan und Delmenhorst. Luftlinie. Im September 2015 ist Mohammad Hashemi aus seiner Heimat geflohen. Vor Krieg. Vor Terror. Heute hat der 18-Jährige neue Hoffnung gefunden. Zu verdanken hat er das Britta Häusler, die einen Friseursalon an der Cramerstraße betreibt. Einer Kundin hatte sie erzählt, sie suche dringend einen Lehrling. Wie es der Zufall wollte, ist eben diese Kundin Sozialarbeiterin. Kümmert sich um minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge. Sie erzählte Häusler von Mohammad, von seinen geschickten Händen. So kam der Stein ins Rollen.

Stets ein Strahlen im Gesicht

Seit Sommer vergangenen Jahres hilft Mohammad nun in Häuslers Salon aus. „Er ist so ein fleißiger, toller Kerl. Eine super Hilfe. Immer hat er ein Strahlen im Gesicht.“ Wenn Britta Häusler über ihren Schützling redet, kommt sie aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Alle lieben ihn, er nimmt die Kunden an die Hand, schenkt ihnen sein Herz, es ist fantastisch“, fährt sie fort. Mohammad war noch keinen Tag in ihrem Salon, da hatte er die Kunst mit der Schere schon raus. Denn der 18-Jährige, der seine Kindheit im Iran verbracht hat, ist kein Ungeübter. „Ich habe meinen Freunden immer die Haare geschnitten“, erzählt er. „Da habe ich eine Menge gelernt.“

Besucht die Berufsschule

Im Iran, so erklärt er, gingen Männer und Frauen stets getrennt zum Friseur. Auch sonst hat er mit der Zeit einige Unterschiede erkannt. „Afghanische und iranische Männer tönen sich die Haare nicht, die Deutschen tun das.“ Was ihn am Friseurberuf fasziniert, kann er nicht genau sagen. „Einfach alles.“ Grinsen. „Alles, was mit Haaren zu tun hat.“ Mittlerweile besucht Mohammad die Berufsschule, lernt Deutsch, Englisch, Politik. Vier Tage die Woche, einen Tag arbeitet er im Salon. „Es war sehr schwer, für ihn einen Platz in einer Sprachlernklasse zu bekommen. Wegen der Flüchtlingswelle“, weiß Martin Haß von der Jungen- und Männer-Kriseninterventionsstelle Oldenburg.

Zum ersten Mal in den Urlaub gefahren

Er betreut Mohammad, hilft ihm bei der Alltagsgestaltung. Auch er sagt: „Mohammad ist ein sehr feinfühliger Mensch. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so zuvorkommend ist, der seine eigenen Interessen so sehr zurückstellt.“ Haß bringt es auf den Punkt: „Er will – und das merkt man.“ Wie viele Flüchtlinge habe er eine schwere Geschichte hinter sich. Umso beeindruckender, mit welcher Motivation und Freude Mohammad an die Arbeit geht. Mit zwei Geflüchteten lebt Mohammad in einer betreuten Wohnung in Delmenhorst. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen ist er bereits in den Urlaub gefahren. Mecklenburgische Seenplatte, der erste Ausflug in seinem Leben.

Im Herbst geht es in die Ausbildung

„Seine ersten deutschen Worte waren Kaffee, Wasser und Tee“, erinnert sich Britta Häusler. Ich versuche immer, mit ihm zu üben. „Einmal hat er für uns Kabuli, ein afghanisches Traditionsessen gekocht. Super lecker.“ Im August wird Mohammad im Salon Häusler seine Ausbildung zum Friseur beginnen. Seine Kunden jedenfalls hätten Mohammad längst ins Herz geschlossen, sagt Häusler. Immer, wenn er ihnen auf der Straße begegnet, grüßt er sie. Und tut das, was er so häufig tut. Er lächelt.


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