Neil-Simon-Komödie im Kleinen Haus Amüsante Kapriolen eines Möchtegern-Liebhabers

„Der letzte der feurigen Liebhaber“: Biedermann Barney (Martin Lindow) will endlich einmal etwas Aufregendes erleben, aber die forsche Elaine (Sabine Kaack) geht ihm dann doch etwas zu stürmisch zu Werke. Foto: Rolf Tobis„Der letzte der feurigen Liebhaber“: Biedermann Barney (Martin Lindow) will endlich einmal etwas Aufregendes erleben, aber die forsche Elaine (Sabine Kaack) geht ihm dann doch etwas zu stürmisch zu Werke. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der Seitensprung kann sich als eine höchst komplexe Angelegenheit erweisen – Barney Cashman jedenfalls scheitert grandios an der amourösen Herausforderung. Die Hauptfigur der Neil-Simon-Komödie „Der letzte der feurigen Liebhaber“, die am Donnerstag im Kleinen Haus aufgeführt wurde, versucht es gleich dreimal, jedes Mal vergeblich.

Denn bei dem von Fernsehstar Martin Lindow („Der Fahnder“, „Polizeiruf 110“) herrlich linkisch angelegten Protagonisten liegt die Betonung mehr auf „letzter“ als auf „feurig“. Sabine Kaack, die einst mit den „Drombuschs“ ihren großen Durchbruch feierte, und Marie Anna Suttner komplettierten vor nahezu ausverkauftem Haus das kleine Ensemble in einem intelligenten, von einem Dauerfeuerwerk spitzzüngiger Dialoge getragenen Stück aus der Feder des amerikanischen Komödien-Großmeisters.

Unglückliche Wahl der Liebespartnerinnen

Er kann einem fast leidtun, dieser Barney: 47 Jahre alt, seit 23 Jahren mit seiner Highschool-Liebe glücklich verheiratet, treu sorgender Familienvater, Besitzer eines New Yorker Fischrestaurants – doch um ihn herum tobt die sexuelle Revolution der 60er Jahre. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, nagt an dem sympathisch-biederen Gewohnheitsmenschen. Er will es noch einmal wissen – nur: Bei der Wahl seiner Liebespartnerinnen in spe greift der Möchtegern-Casanova kräftig daneben.

Mal zu forsch, mal zu verklemmt

Beim Date mit der neurotischen jungen Schauspielerin Bobbi (Maria Anna Suttner) bleibt es lediglich bei einem gemeinsamen Joint. Sabine Kaack durfte in zwei Rollen ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen: Als Vamp Elaine erweist sie sich für Barney als zu forsch, als depressive Jeanette als zu verklemmt.

Eher verhaltener Applaus für gelungene Inszenierung

Der Seitensprung ist in Zeiten der wechselnden Lebensabschnitts-Gefährten keine große Sache mehr. Die 1969 uraufgeführte Komödie hat sicherlich ihre volle Wirkung unter dem Eindruck der großen gesellschaftlichen Veränderungen in ihrer Entstehungszeit entfaltet. Vielleicht erklärt sich daraus, dass der Funke nicht so recht überspringen wollte und das Publikum die sehenswerte Inszenierung mit eher verhaltenem Applaus quittierte.


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