Groß angelegte Veranstaltungsreihe Delmenhorst will Zeichen gegen Armut setzen

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Starten bald Veranstaltungsreihe gegen Armut: (v. li.) Oberbürgermeister Axel Jahnz, Christina Körner (Delmenhorster Jugendhilfestiftung), Petra Quade (Koordinierungsstelle Kinderschutz), Ruth Steffens (KPR), Regina Hewer (terre des hommes), Sabina Conrady (Familien- und Kinderservicebüro) und die Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann. Foto: Frederik GrabbeStarten bald Veranstaltungsreihe gegen Armut: (v. li.) Oberbürgermeister Axel Jahnz, Christina Körner (Delmenhorster Jugendhilfestiftung), Petra Quade (Koordinierungsstelle Kinderschutz), Ruth Steffens (KPR), Regina Hewer (terre des hommes), Sabina Conrady (Familien- und Kinderservicebüro) und die Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Improtheater, Ausstellungen, Filmabende: In einer neuen Projektreihe widmet sich das „Aktionsbündnis im Austausch“ (Akima) in den kommenden Monaten dem Thema Armut. Schirmherr ist Oberbürgermeister Axel Jahnz. Die Reihe mit dem Titel „Mein Stück vom Kuchen. Sind wird arm? Sind wir reich?“ soll zur Auseinandersetzung über Armut anregen.

Armut hatte viele Facetten. Am deutlichsten dürfte in den Köpfen der Delmenhorster die Kinderarmut nachklingen. Als im vergangenen Jahr die Bertelsmann-Stiftung eine Studie hierzu herausgab und aufzeigte, dass in der Delmestadt mehr als 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien mit Hartz-IV-Bezug leben – im Bundesschnitt sind es rund 14,7 Prozent – war die Erschütterung groß. So groß, dass der Kinderschutzbund in einem offenen Brief an den Rat der Stadt appellierte , mehr für soziale Gerechtigkeit zu tun.

Jahnz: Arme nicht zur Randgruppe werden lassen

Dieser Brief und die Diskussion dazu war mit ein Grund, die aktuelle Reihe anzuschieben, schildert Petra Borrmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Aber dies sei nicht der einzige Armuts-Aspekt. „Wir leben in einem reichen Land. Aber wer hat was vom Kuchen?“, sagt Schirmherr Jahnz. „Es gibt ältere Delmenhorster, gerade Frauen, die sich schämen, zum Sozialamt zu gehen, und darum bei der Tafel um Essen bitten. Viele Familien können sich Klassenfahrten nicht leisten. Väter wie Mütter müssen arbeiten gehen, weil sonst das Geld nicht reicht.“ Jahnz appelliert: „Wir dürfen diese Menschen nicht zur Randgruppe werden lassen.“

Breit angelegtes Programm

Ein Schritt dorthin soll die Veranstaltungsreihe zur Armut zwischen März und Juni sein.

  • So wird die Gleichstellungsbeauftragte im März eine Plakatausstellung im Jutecenter, ein Improtheater zum internationalen Frauentag (11. März, 11 Uhr) in der Markthalle oder ein Überraschungsfilm im Maxx organisieren. Ihre Themen sind Armut unter alleinerziehende Müttern, die laut Borrmann 90 Prozent aller Alleinerziehenden in der Stadt ausmachen, und unter älteren Frauen.
  • Christina Körner von der Jugendhilfestiftung ist in der Sozialarbeit an Schulen tätig und plant unter anderem im Jutecenter eine Hartz-IV-Warenkorb-Ausstellung im April. „Wir möchten darstellen, was Eltern vom Regelsatz für ihre Kinder eigentlich leisten können“, sagt Körner. Zudem nennt sie einen Tauschflohmarkt (14. Mai) auf dem Marktplatz. Dieser soll von Kindern und Jugendlichen organisiert werden.
  • Ruth Steffens vom Kriminalpräventiven Rat kündigt eine Fachtagung (12. Mai, 9 bis 14 Uhr) in der Markthalle an. Darin beleuchten Fachreferenten die Phänomene Altersarmut sowie Kinderarmut und -gesundheit. „Zudem möchten wir würdigen, was die Stadt alles gegen Armut tut. Ob Übernahme von Elternbeiträgen bei Klassenfahrten oder das Bildungs- und Teilhabepaket: Die Stadt leistet viel.“
  • Petra Quade von der Koordinierungsstelle Kinderschutz plant im April und im Mai beispielsweise einen Schreibwettbewerb zum Thema „Mein Stück vom Kuchen“. Teilnehmen können junge Menschen zwischen acht und 21 Jahren.
  • Das Kinderhilfswerk terre des hommes will auf Kinderleid in Ländern des Südens hinweisen. „Kinderarbeit, -soldaten, -prostitution oder -handel ist für uns in Deutschland nur ein Randthema. Wir möchten über den Tellerrand sehen“, sagt Regina Hewer vom Hilfswerk und weist unter anderem auf eine Schulaktionswoche dazu im Juni hin.
  • Die Reihe wird abgeschlossen von der Delmenhorster Kaffeetafel (29. Juni, 15 Uhr) auf dem Marktplatz, sagt Sabine Conrady aus dem Kinderservicebüro. Dort soll jeder ein Stück vom Kuchen erhalten – egal ob reich oder arm.

Alle Veranstaltungen sollen bald auf einem Flyer gesammelt veröffentlicht werden. Auf jedes Projekt wird über die Medien nochmals hingewiesen werden. Der Eintritt soll immer frei sein.


Das Programm der Veranstaltungsreihe „Mein Stück vom Kuchen. Sind wird arm? Sind wir reich?“

8.-31. März: Ausstellung „Mir.Fehlt.Was. Frauenarmut auf einen Blick“, Jutecenter

11. März: Improtheater Bremen zum Internationalen Frauentag, Frauenarmut, 11 Uhr, Markthalle

26. März: Film zum Thema Frauenarmut, 11 Uhr, Maxx

ab 1. April: Leseecke „Kinderwelten – Kinder der Welt, Stadtbücherei

1. April-21. Mai: Schreibwettbewerb „Mein Stück vom Kuchen. Was macht dich arm? Was macht dich reich?“

3.-30. April: Ausstellung Hartz-IV-Warenkorb, Jutecenter

23. April: Film „Zirkus is nich!“, über Kinderarmut, 11 Uhr, Maxx

2.-31. Mai: Fotoausstellung „Kinderwelten“, Jutecenter

14. Mai: Tauschflohmarkt für Kinder und Jugendliche, 11-14 Uhr, Marktplatz

12. Mai: Fachkonferenz „Reichlich arm“, 9-14 Uhr, Markthalle

11. Juni: Film „La Yuma“, 11 Uhr, Maxx

12. Juni: Theaterstück „Alle satt?!“, 13 Uhr, Markthalle

12.-16. Juni: Aktionswoche an Schulen „Kinderarmut – Kinderarmut“

15. Juni: Märchenabend für Erwachsene, Internationale Märchen, 19 Uhr, Ort wird noch bekannt gegeben

1.-30. Juni: Ausstellung „Kind sein ist kein Kinderspiel“, Jutecenter

29. Juni: Delmenhorster Kaffeetafel, 15 Uhr, Marktplatz

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