Delmenhorster Volksbank-Vorstand im Interview Wolfgang Etrich zu Fusionen und Finanzmärkten

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Wolfgang Etrich ist Vorstandsmitglied der Volksbank Delmenhorst Schierbrok. Foto: Klaus SekulyWolfgang Etrich ist Vorstandsmitglied der Volksbank Delmenhorst Schierbrok. Foto: Klaus Sekuly

Delmenhorst. Wolfgang Etrich (52) ist Vorstandsmitglied der Volksbank Delmenhorst Schierbrok. Gegenwärtig bereitet sich sein Haus, das derzeit Ansprechpartner für 22.700 Kunden ist, auf die für 2018 angestrebte Fusion mit der Volksbank Bassum-Stuhr-Syke-Weyhe vor. Die Zahl der Kunden des neuen Geldinstituts wird bei 64.000 liegen.

Herr Etrich, wie ist der aktuelle Stand Ihrer Fusionsverhandlungen mit der Volksbank Bassum-Stuhr-Syke-Weyhe?

Wir beraten im Moment, wie die neue Bank strukturiert sein soll. Ab Mitte laufenden Jahres wollen wir dann in die Projektarbeit gehen und ab Anfang 2018 in die Vertreterinformation. Der Beschluss zur Fusion ist für April oder Mai 2018 geplant. Wie im Bankensektor üblich, soll die Fusion rückwirkend zum Jahresanfang 2018 erfolgen, die technische Fusion sehen wir im Juni 2018. Über allem steht, dass beide bisherigen Häuser dieselbe Philosophie der Kundennähe haben müssen, und das sehen wir so.

Was hören Sie von Ihrer Kundschaft zum Thema? Möglicherweise die Sorge, dass die Volksbank Delmenhorst Schierbrok Mitte 2018 ihre Selbstbestimmung aufgibt?

95 Prozent unserer Kunden sehen die Entwicklung sehr positiv. Nur ganz vereinzelt hören wir Bedenken wie: Die Bank wird doch größer, wo bleiben wir dann? Wir wissen aber, dass es bereits heute sehr viele Berührungspunkte zwischen den Geschäftsgebieten unserer beiden Häuser gibt. Ich erinnere nur an die vielen Delmenhorster, die täglich nach Stuhr pendeln.

Kurz zusammengefasst: Der Schritt ist notwendig, weil…

...wir sehen müssen, dass wir die Leistungen, die unsere Kunden nachfragen, zu 100 Prozent erbringen. Ein Beispiel: Auch unsere Firmenkunden wachsen, es finden größere Investitionen statt – da ändern sich die Bedürfnisse. Finanzierungssummen werden größer, mancher geht ins Ausland, und bislang ist das Auslandsgeschäft bei uns als ein Nebenzweig angesiedelt, wobei wir hier mit der DZ Bank als unserem Zentralinstitut kooperieren können. Künftig habe ich den Experten, der die perfekte Lösung anbietet, im Haus.

Was wird sich grundsätzlich am Verhältnis von Bank und Kunde verändern?

Künftig wird es wahrscheinlich nicht mehr reichen, dass wir wie heute von 8 bis 18 Uhr erreichbar sind. Dann, wenn der Kunde Zeit hat, müssen wir ihm anbieten, seine Fragen zu klären, und das durch jemanden, der die Region kennt, so wie es unsere Geschäftsphilosophie ist. Eines kann ich aber sagen: Auf 24 Stunden persönliche Erreichbarkeit werden wir voraussichtlich nicht gehen.

Darüber hinaus müssen wir sehen, wie einfachere Anliegen geklärt werden können, ohne dass der Kunde jedes Mal in die Bank kommen muss. Videokonferenzen zum Beispiel sind heute kein Problem mehr, genauso wenig eine Art der Kommunikation, wie sie über WhatsApp läuft. Diese Dinge bedenken wir jetzt intensiv bei Investitionen in die Technik.

Die Aktivitäten Ihres Hauses fallen mit anderen zusammen. Die Landessparkasse zu Oldenburg bündelt bislang eigenständige Regionaldirektionen, für die Oldenburgische Landesbank sucht der Allianz-Konzern einen Käufer. Noch einmal: Erleben wir nicht doch den schleichenden Abschied der am Ort verwurzelten Geldinstitute?

Nein, überhaupt nicht, was die Volksbank angeht. Wir als Genossenschaftsbank werden immer die Bank vor Ort bleiben, werden immer die kleinste Bank sein und immer einen regionalen und Vor-Ort-Bezug haben. Auch wenn wir zunehmend digital kommunizieren werden, wird es immer die Möglichkeit geben, alle Finanzangelegenheiten persönlich hier in Delmenhorst und Ganderkesee zu klären. Wenn uns jemand eine E-Mail schickt, dann wird die nicht aus einem anonymen Callcenter im Ausland beantwortet. Wir sehen uns als eine Art Handwerksbetrieb, überschaubar und berechenbar, der in erster Linie für seine Mitglieder und Kunden da ist.

Muss sich der Kunde auf Veränderungen beim Preisgefüge einstellen?

Zur Zeit ist hier keine Veränderung geplant. Um die Dienstleistungen hier vor Ort dauerhaft anbieten zu können, müssen wir kostendeckend arbeiten und das von der Bankenaufsicht geforderte Eigenkapital vorweisen können. Unsere Preise müssen zu den Leistungen passen. Ich bin überzeugt, dass wir die engagiertesten und kompetentesten Mitarbeiter haben, die man sich vorstellen kann. Unsere Infrastruktur an Bankstellen und die technischen Möglichkeiten sind sicher vorbildlich. In vielen Gesprächen höre ich, dass unsere Mitglieder und Kunden diese Leistungen schätzen und auch bereit sind, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen. Zudem zahlen wir unsere Steuern in Delmenhorst, sodass eine starke Volksbank auch der Stadt guttut.

Wie sind Ihre persönlichen Prognosen für den deutschen Bankensektor und die Zinsentwicklung?

Im Bankensektor wird es eine weitere Konsolidierung geben, die Zahl der Bankstellen wird nach meiner Einschätzung weiter zurückgehen. Und wir werden bis 2018 weiter sehr niedrige Zinsen sehen. Ich habe zur Zeit wenig Fantasie, warum die Zinsen steigen sollten.

Wo wird die neue Volksbank, die 2018 aus der Fusion hervorgehen soll, im Jahre 2025 stehen?

Sie wird die bevorzugte Bank für den Mittelstand in Delmenhorst und Umgebung sein, mit einer hohen Präsenz vor Ort und einer guten Vernetzung mit den hiesigen Betrieben. Alle unsere Kunden, die das wünschen, werden auch 2025 ihren persönlichen Ansprechpartner haben. Jeder Kunde wird mit seinen Anliegen immer auch auf die Führung der Bank zugehen können und ein offenes Ohr finden. Darüber hinaus wird unser Haus ein geschätzter Partner bleiben, wenn es um die Entwicklung in Delmenhorst und den angrenzenden Kommunen im Geschäftsgebiet geht.


Wolfgang Etrich (52) ist seit 1. September 2008 Teil des zweiköpfigen Vorstandes der Volksbank Delmenhorst Schierbrok. Der gebürtige Hesse hat sein gesamtes Berufsleben in genossenschaftlichen Banken und Verbänden verbracht. Er lebt in Ganderkesee, ist verheiratet und hat vier Kinder.

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