Serie „dk auf Spurensuche“ Kaum Chancen für Delespa-Gelände in Delmenhorst

Von Dirk Hamm


Delmenhorst. Es könnte ein Filetstück urbaner Wohnbebauung in Delmenhorst sein: Rund 24500 Quadratmeter groß ist das weitläufige Grundstück, das von der Delme und der Tennisanlage des DTC, von den Straßen Am Pförtnerhaus und An der Wolle sowie den Gebäuden an der Ecke Nordenhamer Straße/Am Friesenpark eingegrenzt wird.

Ein Wohnviertel mit Reihen- und Einfamilienhäusern, viel Grün und in zentraler Lage, das stellten sich die Stadtplaner Ende der 90er Jahre für diesen von der chemischen Abteilung der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei („Nordwolle“) und der Seifen- und Parfümeriefabrik Delespa einst industriell geprägten Bereich vor.

Doch die Realität sieht trist aus. Ein Gitterzaun hindert den Passanten, auf das brachliegende Gelände zu gelangen. Mit Sträuchern bewachsene Erd- und Bauschuttwälle vermitteln einen trostlosen Eindruck. Ganz anders die unmittelbar daneben an der Nordenhamer Straße gelegenen Backsteingebäude, die von Gastronomiebetrieben, Firmenbüros, der Musikschule Strings, einem Fitnessstudio und einer Kampfsportschule mit Leben erfüllt werden. Sie dienten bis zur Schließung zum Jahresende 1966 als Kartonlager und als Verwaltungsgebäude der Delespa.

Nach dem Wollfett Lanolin folgten Feinseifen und Parfüme

Die Nordwolle hatte von Anfang an das Ziel verfolgt, die Abfallprodukte, die beim Waschen der Rohwolle anfielen, weiterzuverarbeiten. Dazu wurde 1905 die Bremer Feinseifen- und Parfümeriefabrik Hoepner & Sohn übernommen, zwei Jahre später entstanden die Werksanlagen an der heutigen Nordenhamer Straße. Zunächst stellte die Fabrik hauptsächlich das Wollfett Lanolin her, bald auch Feinseifen und Parfümeriewaren und ab den 20er Jahren auch Seifenflocken – Produkte, die ihren Absatz in der ganzen Welt fanden. Den Namen Delespa für „Delmenhorster Seifen- und Parfümfabrik“ trug das Werk seit 1925.

Es sind die Altlasten aus dieser industriellen Vergangenheit, die eine Entwicklung des Geländes heute so erschweren. Denn durch die Rückstände der früheren Seifenproduktion sind weite Teile des Geländes stark kontaminiert. Heute ist das Grundstück, auf dem keine Gebäude mehr existieren, im Besitz der Deutschen Immobilien Holding AG (DIH), der vormaligen Steucon, die wiederum aus der 1981 stillgelegten Nordwolle hervorgegangen war. „Es wäre ein Jammer, wenn es nicht gelingt, dieses Grundstück zu erschließen“, sagt der DIH-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Uhde.

Sanierung des Grundstücks würde 2,3 Millionen Euro kosten

Immerhin, auf der Grundlage des 1998 aufgestellten Bebauungsplans „Expo-Gelände“ ist vor acht Jahren ein städtebaulicher Entwurf für ein Wohnquartier Delespa erstellt worden. Doch als das entscheidende Hindernis für die Verwirklichung erweisen sich die laut Uhde von Gutachtern ermittelten 2,3 Millionen Euro, die eine Sanierung des kontaminierten Grundstücks erfordern würde. Ein Antrag auf Zuschüsse des Landes Niedersachsen für die Sanierung macht aus Sicht Uhdes wenig Sinn, da die zu erzielende Wertsteigerung gegengerechnet werde.

Dies sei bei der öffentlichen Hand als Antragsteller nicht der Fall. Uhde: „Es muss über die Möglichkeit nachgedacht werden, das Grundstück an die Stadt zu übertragen, die sich dann selbst um die Entsorgung der Altlasten kümmert.“ Mit der Stadt solle noch einmal das Gespräch über die Entwicklungsmöglichkeiten des Grundstücks oder auch von weniger stark belasteten Teilflächen gesprochen werden. Der Ausgang ist ungewiss, lässt Uhde durchblicken: „Im Moment bin ich etwas ratlos.“