Interview mit Delmenhorster Bundestagsabgeordneter Mittag: „Trump hat das Fass zum Überlaufen gebracht“

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Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) will ihre US-Staatsbürgerschaft ablegen. Foto: Frederik GrabbeBundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) will ihre US-Staatsbürgerschaft ablegen. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) hat beim Neujahrsempfang der SPD-Ganderkesee bekannt gegeben, dass sie ihre US-Staatsbürgerschaft abgeben möchte. Im Kurzinterview erklärt sie, warum.

Mittag wurde in den USA geboren, hat dort aber nur die ersten drei Jahre ihres Lebens mit ihren Eltern verbracht, bevor die Familie wieder nach Deutschland zog.

Delmenhorster Kreisblatt: Frau Mittag, Sie sind in den USA geboren und haben dadurch automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Wie eng fühlen Sie sich dadurch den USA verbunden?

Susanne Mittag: Ich fühle mich den USA im Hinblick auf die Auswanderungsthematik schon enger verbunden als anderen Ländern. Das liegt daran, dass meine Eltern erst nach Kanada, dann in die USA gegangen und nach acht Jahren wieder nach Delmenhorst zurückgekommen sind. Das Thema Auswanderung ist ja auch gerade sehr aktuell.

dk: Was möchten Sie mit dem Ablegen der US-Staatsbürgerschaft erreichen?

Mittag: Das ist eine persönliche Entscheidung, die länger gereift ist. Als Parlamentarier kann ich nur mit meinem amerikanischen Pass in die USA einreisen. Das hat mich beim letzten Mal sehr geärgert. Wenn ich in meiner Funktion als deutsche Parlamentarierin einreise, möchte ich dies auch mit meinem deutschen Pass tun. Die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten war dann nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

dk: Der Präsident der Vereinigten Staaten ist nur auf eine bestimmte Zeit gewählt. Könnte dieser Schritt im Nachhinein übereilt sein?

Mittag: Nein, denn dass ich in die USA auswandere, ist für mich völlig ausgeschlossen. Ich habe ja nur die ersten drei Jahre meines Lebens in den USA verbracht, bin also quasi mein ganzes Leben schon in Deutschland und kann mir nichts anderes vorstellen. Weltweit ist die deutsche Staatsangehörigkeit hoch angesehen. Eine zusätzliche US-Staatsbürgerschaft hat für mich keine Vorteile.

dk: Was wünschen Sie sich von der amerikanischen Bevölkerung mit Blick auf das politische Bewusstsein für die kommenden vier Jahre und danach?

Das Wahlsystem mit den Wahlmännern sehe ich sehr kritisch. Das mag vor 200 Jahren noch sinnvoll gewesen sein, ist aber heute überholt. Die Mehrheit der Bürger wollte Trump nicht, und dabei geht es nicht nur um ein paar wenige Stimmen. Außerdem finde ich das Verhalten des Politikers sehr problematisch. Mit Lügen, Populismus und Beleidigungen wird die politische Kultur dort mit Füßen getreten. Ich hoffe, dass sich die Amerikaner wehren. Den Slogan „America first“ darf nicht zu „America only“ werden. Denn die Bindung nach Europa und den Herkunftsländern der einst eingewanderten Familien ist durchaus vorhanden.


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