Naturschützer: Genug Wohnraum vorhanden Delmenhorst: NABU übt Kritik am Wohnungsmarktbericht

Weniger Bauland ausschreiben, Flächen schützen: Yvonne Ingenbleek und Gerd Turowski vom NABU Delmenhorst haben im Slattery’s ein Papier vorgelegt, das aufzeigen soll, wie Wohnraum in der Stadt entstehen kann, ohne neue Flächen auszuschreiben. Foto: Frederik GrabbeWeniger Bauland ausschreiben, Flächen schützen: Yvonne Ingenbleek und Gerd Turowski vom NABU Delmenhorst haben im Slattery’s ein Papier vorgelegt, das aufzeigen soll, wie Wohnraum in der Stadt entstehen kann, ohne neue Flächen auszuschreiben. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Ungewohnt deutlich hat der Naturschutzbund (NABU) Delmenhorst zur Wohnungsmarktpolitik der Stadt Delmenhorst kritisiert. Zudem legte er jetzt vor der Presse im Slattery‘s ein Konzept vor, dass zum Ziel hat, Flächenfraß zu vermeiden, und Wohnbedarf in den Innenbereichen der Stadt zu decken.

In der Diskussion um den Delmenhorster Wohnungsmarkt laufe es immer auf eine Schlussfolgerung heraus: „Die Stadt braucht mehr Bauland und – und will dafür auch den Außenbereich verwenden“, schildert Yvonne Ingenbleek, Referentin für Nachhaltige Stadtentwicklung beim NABU mit Blick auf den vor Kurzem herausgebrachten Delmenhorster Wohnungsmarktbericht 2016 . Demnach bestehe derzeit ein Neubaubedarf von 200 Wohnungen im Jahr, davon 100 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Doch die Naturschützerin kritisiert die dafür verwendete Datenlage, die zu falschen Schlussfolgerungen führe.

  • Angaben für das Potenzial von Bestandsflächen seien mangelhaft. Baulücken, Brachflächen oder sanierungsbedürftige Wohnungen würden so nicht in die Analyse einfließen. Das treffe auch auf Reserveflächen in ausgewiesenen Neubaugebieten zu.
  • In punkto Abwanderung werde häufig auf junge Familien verwiesen, die in der Stadt keinen Bauplatz fänden. Dabei zögen insbesondere Senioren oder angehende Studenten/ Auszubildende aus der Stadt fort. Beides sei keine Klientel für Neubauten.
  • Die Stadt argumentiere, sie brauche aufgrund vieler Zuzüge mehr Wohnraum. Doch gerade Flüchtlinge dürften weniger zum Kreis der Immobilienerwerber gezählt werden, sagt Ingenbleek.

(Weiterlesen: 400 Bauwillige warten auf Bauland in Delmenhorst)

Dies sind nur einige Argumente, die die Naturschützer zusammengetragen haben. Aus diesen Überlegungen heraus hat Gerd Turowski, Referent für Bauordnung und Regionalplanung beim NABU, Empfehlungen für die Stadt entwickelt, die zum Ziel haben Außenbereiche geschont und Wohnraum in den Innenbereichen geschaffen werden kann.

  • Baulandreserven sollten besser aktiviert werden, indem Baulücken, Leerstände und Brachen effektiver erfasst und verwertet werden. Das treffe auch auf Wohnraum von älteren Delmenhorstern zu, der in den kommenden Jahren frei werde.
  • Das Baulückenkataster sollte besser gepflegt und Grundstücke, auch aus privater Hand, aktiv durch die Stadt vermarktet werden. Laut Turowski gibt es in der Stadt 750 Grundstücke in Baulücken. „In anderen Städten läuft die Vermarktung deutlich besser.“
  • Bauprogramme anderer Städte, wie das Sanierungsprogramm „Jung kauft Alt“, sollten genutzt werden. Auch der Dachausbau oder die Dachaufstockung sollte besser unterstützt werden.

Generell verweist Turowski auf ein „Übermaß an Wohnraum“ in Delmenhorst. Zwischen 2001 und 2013 seien 2400 neue Wohngebäude in der Stadt gebaut worden, wohingegen die Einwohnerzahl um 7000 gesunken sein. Mit anderen Worten: Der Wohnraum pro Kopf ist angestiegen, laut Turowski bewohnt jeder Delmenhorster 46 Quadratmeter „Es ist Wohnraum da, wir sind bloß unfähig, die Bestände zu verteilen.“ Ingenbleek sagte mit Blick auf die Vorschläge: „Wir wollen Diskussion in Gang bringen, bevor politische Beschlüsse gefasst werden.“Dementsprechend sind die NABU-Papiere Stadt und Politik übergeben.


Das vollständige Material des NABU zu der Sache ist unter www.nabu-delmenhorst.de einzusehen.

Der Delmenhorster Wohnungsmarktbericht 2016 ist hier zu finden.

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