Welpe aus Rumänien aufgetaucht Illegaler Welpenhandel erfasst Delmenhorst

Von Merlin Hinkelmann

Ein Hundebesitzer wollte in Delmenhorst die gefälschten Papiere seines Maltesers umschreiben lassen. Die Masche flog auf. Symbolfoto: Roland Weihrauch/dpaEin Hundebesitzer wollte in Delmenhorst die gefälschten Papiere seines Maltesers umschreiben lassen. Die Masche flog auf. Symbolfoto: Roland Weihrauch/dpa

Delmenhorst. Gefälschte Papiere, weder geimpft noch entwurmt: In Delmenhorst ist ein rumänischer Hund aufgetaucht, der wohl aus einem illegalen Welpenhandel stammt. Offenbar nicht der erste Fall.

Das Alter? Fehlt. Der Züchter? Fehlt. Und die nötige Tollwut-Impfung? Fehlt auch. Als Dr. Angelika Hoffmann die Papiere des rumänischen Welpen checkt, wird sie stutzig. Etwas stimmt hier nicht. Ihre Vermutung soll sich schon bald bewahrheiten. Vor einigen Wochen ist in ihrer Tierarztpraxis ein Hund mit gefälschten Papieren aufgetaucht. Nicht der erste Fall.

Gefälschte Papiere

Dieses Mal stand ihr jedoch kein ahnungsloser Hundekäufer gegenüber, der auf Schmuggler hereingefallen war. Nein, vielmehr war es offenbar der Schmuggler höchstpersönlich, der die manipulierten rumänischen Papiere seines Maltesers umschreiben lassen wollte. Im Klartext: Er wollte deutsche Papiere für den Hund bekommen – um ihn dann höchstwahrscheinlich weiterzuverkaufen. So die Theorie von Hoffmann. Doch die Masche flog auf. Am Ende rückte die Polizei an und beschlagnahmte das Tier.

Hund hätte nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen

Das Phänomen illegaler Welpenhandel ist nicht neu: Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes sind allein im ersten Halbjahr 2016 mehr als 350 Welpen bei Kontrollen entdeckt und an Tierheime übergeben worden. „Beim Anblick des jungen Hundes haben sofort meine Alarmglocken geläutet“, berichtet Hoffmann. Der kleine Malteser habe kränklich gewirkt, sei extrem scheu gewesen und habe seinen eigenen Kot gefressen. Dazu die großen Lücken in den Papieren. Für Hoffmann eindeutige Signale, sie kopierte den Tierausweis. Dem Mann kündigte sie eine Anzeige an. „Der war allerdings so von seinem Verhalten überzeugt, dass er selbst die Polizei rief“, sagt Hoffmann. So wurde der Hund beschlagnahmt. Melissa Oltmanns, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, teilt auf Anfrage mit: „Er hätte wegen der fehlenden Impfungen überhaupt nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen.“

Tollwut-Impfung ist Voraussetzung

Doch was sind die genauen Voraussetzungen? „Zum einen muss ein Welpe über den EU-Heimtierausweis verfügen“, erläutert Dr. Nicolin Niebuhr, Amtstierärztin bei der Stadt Delmenhorst. Ferner sollte der Hund mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein. Auch ein amtliches Gesundheitszertifikat aus dem Herkunftsland sollte vorliegen – genauso wie der Nachweis über eine Tollwut-Impfung. „Hundewelpen dürfen erst ab einem Alter von 15 Wochen nach Deutschland gebracht werden“, weiß Niebuhr. Der Grund: In der Regel werden die Hunde erst im Alter von 12 Wochen gegen Tollwut geimpft. Danach dauert es 21 Tage, bis der Impfschutz eintritt.

Gefahr: Welpen können Krankheiten einschleppen

Der etwa sechs Wochen alte Welpe aus Rumänien erfüllte diese Bedingungen nicht. Schlimmer noch: Stempel und Einträge in den Begleitpapieren entpuppten sich als Fälschung. „Als wir den angegebenen Tierarzt, der den Hund in Rumänien behandelt haben soll, gegoogelt haben, fanden wir nichts. Keinen Eintrag“, zeigt sich die Tierärztin entsetzt. Inzwischen ist der betroffene Hund im Tierheim Bergedorf in Ganderkesee, steht dort unter Quarantäne. Die Gefahr: „Keiner weiß, welche Krankheiten diese Hunde einschleppen“, betont Hoffmann und erklärt die skrupellose Vorgehensweise der Schmuggler: „Für den Verkauf werden die Tiere viel zu früh vom Muttertier getrennt. Sie wachsen ohne menschliche Nähe auf, sind nie draußen, leben häufig im Keller. Dass diese Hunde Verhaltensprobleme entwickeln, ist kein Wunder.“ Für den Transport pumpen die Schmuggler die Hunde mit Antibiotika voll, damit sie die Fahrt überleben. „Dann kommen sie in Deutschland komplett dehydriert und halb tot an.“

Hundekäufer sollten Muttertier sehen

Hoffman hat einen Tipp für Hundekäufer: „Wer sich einen Welpen zulegen will, sollte sich vor dem Kauf das Muttertier zeigen lassen. Ganz wichtig, die Mutter sollte ein Gesäuge haben.“ Gerade in der Weihnachtszeit fielen immer wieder Kunden auf die Masche der Betrüger herein. Auch der Tierschutzverein Delmenhorst warnt vor dubiosen Angeboten. „Der Begriff Tierschutz ist nicht geschützt. Das macht es schwer, zwischen Betrügern und echten Tierschützern zu unterscheiden“, macht Nadine Wessollek, Tierheimleiterin am Schillbrok, deutlich. Sie rät deshalb von Angeboten auf Kleinanzeigenmärkten im Internet ab. „Stutzig sollte man werden, wenn Rassehunde zu Schnäppchenpreisen angeboten werden. Oder wenn der Züchter mehrere Rassen anbietet.“ Die beste Möglichkeit sei es, sich bei den örtlichen Tierheimen nach einem Hund umzusehen. „Dort gibt es viele liebe Tiere, die sehnlichst auf ein neues Zuhause warten.“