Ausfall in Rechnung stellen? Nicht eingehaltene Termine belasten Dienstleister

Nicht eingehaltene Termine belasten Friseure und andere Dienstleister in Delmenhorst stark. Einige stellen die Ausfälle mittlerweile in Rechnung. Symbolfoto: dpaNicht eingehaltene Termine belasten Friseure und andere Dienstleister in Delmenhorst stark. Einige stellen die Ausfälle mittlerweile in Rechnung. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Eine Anzahlung für Reservierungen in Restaurants? Diese Idee sorgte bei vielen dk-Lesern Anfang der Woche für Diskussionsstoff. Es wird deutlich: Nicht nur Gastronomen, auch viele andere Dienstleister haben ein Problem mit nicht eingehaltenen Terminen.

Termine abmachen – und diese dann nicht einhalten: Ein Problem, das viele Dienstleister betrifft. Einige Gastronomen erwägen mittlerweile, gerade bei Reservierungen für größere Gruppen, eine Anzahlung zu erheben , die mit der Gesamtrechnung verrechnet wird. „Das ist das große Leid der Dienstleistungsbranche“, sagt Farina Rieck, Inhaberin des Friseursalons „Kappers“ an der Annenheider Straße. Für sie ist es ein großes Ärgernis, wenn Kunden einen Termin ausmachen und dann ohne Absage nicht erscheinen. „Die Lampen sind trotzdem an, das Personal ist trotzdem da. Das muss ich bezahlen“, sagt Rieck und erklärt, dass es bereits Phasen gab, in denen das häufige Fernbleiben von Kunden trotz Termins geschäftsschädigende Ausmaße annahm.

50 Prozent Ausfall-Entschädigung beim nächsten Besuch

Die Friseurmeisterin entschied sich daraufhin zu einem drastischen Schritt. Seit einiger Zeit ist in ihrem Kassenbereich ein Aushang angebracht. Darauf ist zu lesen, dass Kunden, die ohne vorherige Absage nicht erscheinen, beim nächsten Besuch draufzahlen müssen. Dabei berechnet sie 50 Prozent der ursprünglich ausgemachten Dienstleistung beim nicht wahrgenommenen Termin. Eine Art Entschädigung für die ausgefallene Einnahme. Bei Kosmetikstudios sei dies laut Rieck gängige Praxis. „Jeder kann mal einen Termin vergessen und höhere Gewalt ist auch nicht das Problem“, sagt sie. Bei Kunden, die sonst zuverlässig waren, drücke man auch gern ein Auge zu. Es sei auch unproblematisch, wenn ein Termin rechtzeitig abgesagt wird.

„Erziehungsmaßnahme“ fruchtet

Schwierig sei es hingegen mit Kunden, die erst ein oder zwei Mal da waren. „Wir machen dann einen Vermerk in der Kundendatenbank. Kommt es wiederholt zu ausgelassenen Terminen ohne Absage, werden wir zukünftig keine Termine mehr vergeben.“ Die Leute würden nicht darüber nachdenken, was ihr Nichterscheinen für den Dienstleister für finanzielle Auswirkungen hat, kritisiert Rieck. Ihr Vorgehen sei daher eine Art „kleine Erziehungsmaßnahme“, die Früchte trage. „Seit wir den Aushang bei uns haben, ist die Zahl der nicht eingehaltenen Termine deutlich zurückgegangen“, sagt die Meisterin. Man habe auch erst einmal einer Kundin die 50 Prozent Ausfallentschädigung aufgelegt. „Sie war damit einverstanden und ist unsere Kundin geblieben“, sagt Rieck.

Innungs-Obermeister kennt das Problem

Der Salon „Kappers“ nimmt damit in Delmenhorst eine Vorreiterrolle ein. Manfred Seidl, Obermeister der Friseur-Innung, kennt sonst keine Kollegen, die sich Ausfälle bezahlen lassen. Das Problem kennt er aber natürlich auch: „Bei einer Absage kann man den Termin anderweitig vergeben. Aber wenn jemand einfach nicht kommt, kann man die Lücke meist nicht spontan ausfüllen und hat Umsatzeinbußen.“ Die meisten Friseure würden das beim ersten Mal so hinnehmen und nur diskret auf den versäumten Termin hinweisen. Aber wenn die Unzuverlässigkeit zur Gewohnheit wird, bekomme derjenige auch in seinem Salon am Hasporter Damm eben künftig keine Termine mehr.

Verständis für das Vorgehen

„Gerade für uns Kleindienstleister sind diese Ausfälle sehr ärgerlich und ein echtes Problem“, bekräftigt Kosmetikerin Anne Suhr. Sie betreibt „Das Kosmetikstudio“ an der Bahnhofstraße und nimmt sich für eine Kundin in der Regel eineinhalb Stunden Zeit – verschenkte Zeit, wenn jemand einfach nicht kommt. „Manche machen sich einfach keine Gedanken“, sagt sie, „es ist auch für andere Kunden ärgerlich, denen man dafür vielleicht abgesagt hat.“ Bisher stelle sie den Verdienstausfall nicht in Rechnung. „Aber verstehen kann ich das gut“, sagt Suhr.

„Hätte mir von dem Geld locker ein Auto kaufen können“

Im Fußpflege-Studio von Anke Könken an der Düsternortstraße machen ausgelassene Termine im Monat einen Verlust zwischen 200 und 400 Euro aus. „Das Phänomen gab es schon immer, aber in den vergangenen Jahren ist das deutlich schlimmer geworden“, schildert sie. Seit elf Jahren führt sie das Studio mittlerweile. „Von dem Geld, was mir in dieser Zeit durch geplatzte Termine ausgeblieben ist, hätte ich mir locker ein Auto kaufen können“, sagt Könken. Auch sie hat mittlerweile einen Aushang an der Kasse. Werden Termine ohne Absage nicht wahrgenommen, werden pauschal zehn Euro Gebühr fällig. „Ich kann mir für die Zukunft aber auch vorstellen, das auf 50 oder sogar 100 Prozent der ausgemachten Dienstleistung anzuheben“, sagt sie leicht verärgert. „Die Kunden verfügen über meine Zeit und mein Geld. Das ist vielen von ihnen gar nicht bewusst.“


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