Ulf Kors im Interview Delmenhorster Seniorenbeirat will mehr mitmischen

Von Merlin Hinkelmann

Die Liste mit seinen Plänen ist lang. Dennoch: Ulf Kors ist zuversichtlich, dass der Seniorenbeirat in den nächsten Jahren eine wichtige Stütze für ältere Delmenhorster sein kann. Foto: Merlin HinkelmannDie Liste mit seinen Plänen ist lang. Dennoch: Ulf Kors ist zuversichtlich, dass der Seniorenbeirat in den nächsten Jahren eine wichtige Stütze für ältere Delmenhorster sein kann. Foto: Merlin Hinkelmann

Delmenhorst. Die eigene Arbeit transparenter gestalten, auf die Menschen zugehen, Ansprechpartner bei Problemen sein: Ulf Kors, neu gewählter Vorsitzender des Seniorenbeirats, hat viele Pläne für seine Amtszeit. Was er in den kommenden fünf Jahren alles erreichen will, darüber spricht er im dk-Interview.

Erst seit ein paar Tagen sitzt er auf dem Chefsessel, doch Visionen hat er bereits viele. Ulf Kors ist für die kommenden fünf Jahre der neue Erste Vorsitzende im Seniorenbeirat der Stadt. Erst kürzlich wurde der 68-Jährige einstimmig ins Amt gewählt. Fünf Jahre lang war er im Beirat aktiv – bis vor Kurzem noch als stellvertretender Vorsitzender. Warum die Arbeit des Beirates mit Blick auf den demografischen Wandel immer wichtiger wird und wie er die niedrige Beteiligung bei der letzten Seniorenbeiratswahl bewertet, erklärt Kors im Interview.

Herr Kors, auf der konstituierenden Sitzung des Seniorenbeirats wurden Sie zum neuen Vorsitzenden gewählt. Was war Ihre erste Amtshandlung?

Ich habe den Kollegen meine Ideen vorgestellt. Im Prinzip geht es um alle Ziele, die ich mir für die nächsten Jahre gesetzt habe. Wichtig ist, dass wir uns breiter aufstellen und die Arbeit gleichmäßiger verteilen als bisher. Denn wir haben einiges zu tun.

Bei der letzten Beiratswahl haben von rund 22.000 stimmberechtigten Senioren gerade einmal 24,6 Prozent, also 5420 Menschen, ihr Votum abgegeben. Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Das ist in der Tat ernüchternd. Viele Senioren, das ist meine Vermutung, kannten die Kandidaten gar nicht, die sich zur Wahl gestellt hatten. Ein solches Desinteresse haben wir in der Vergangenheit immer wieder bei unseren Sitzungen und Veranstaltungen beklagt. Ein Großteil nimmt unsere Arbeit nicht wahr. Das muss sich ändern.

Wie wollen Sie das angehen?

Indem wir die Delmenhorster Senioren verstärkt mit einbeziehen und den konstruktiven Dialog forcieren. Dazu müssen wir aktuelle Themen aufgreifen und diese klar definieren. Wir müssen die gesamte Klientel ansprechen, niemand darf sich außen vor fühlen. Sonst kommen wir nicht weiter.

Ihre „Klientel“ wird von Jahr zu Jahr größer – Stichwort: demografischer Wandel. Welche Rolle spielt der Seniorenbeirat in einer immer älter werdenden Gesellschaft?

Eine ganz wesentliche. Wir müssen neue Angebote für die Älteren schaffen. Das heißt: Rausgehen, mit den Seniorengruppen der örtlichen Vereine sprechen und schauen, wo der Schuh drückt. Gleichzeitig möchte ich unser Netzwerk mit dem Bauverein und anderen Organisationen ausbauen, um Kräfte zu bündeln und zum Beispiel mehr Freizeittouren für Senioren anzubieten. Und ich werde den Austausch mit umliegenden Seniorenbeiräten verstärken.

Senioren früher und heute: Haben sich die Aufgaben des Seniorenbeirats über die Jahre gewandelt?

Ja, eindeutig. Die Menschen sind aktiver geworden. Vor 20 Jahren saß man noch im Ohrensessel vor dem Fernseher, ganz platt gesagt. Heute sind die Leute auch im hohen Alter noch aktiv. An dieses neue Bedürfnis müssen wir unsere Arbeit anpassen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie dabei?

Zum einen wollen wir die Barrierefreiheit in der Innenstadt weiter fördern. Da arbeiten wir natürlich eng mit dem Behindertenbeirat zusammen. Auf der anderen Seite besuchen wir soziale Einrichtungen wie Senioren- und Pflegeheime. Mit dem Ziel, die Anliegen der Menschen dort in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die Notfallkarte, der Seniorentag und unsere Seniorenzeitschrift: All das sind Projekte, die wir unbedingt fortführen möchten.

Was planen Sie in puncto Altersarmut? Das ist ein Thema, das nicht nur auf Bundesebene relevant ist. Auch in Delmenhorst steigt die Zahl der Senioren, die von Altersarmut betroffen sind , dramatisch an.

Genauso ist es. Das beschäftigt uns schon lange. Zum Beispiel bieten wir mit dem Regionalen Umweltzentrum Hollen zusammen einen Stromspar-Check für Einkommensschwache an. Wir gehen in die Haushalte und überprüfen alte Elektrogeräte, geben Tipps zum Energiesparen. Das ist natürlich nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Wirklich beeinflussen können wir die Altersarmut nicht. Aber wir können zumindest helfen, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht zu weit auseinandergeht.

Der Seniorenbeirat ist in sämtlichen Fachausschüssen des Stadtrates vertreten. Was wünschen Sie sich von der Politik?

Dass wir so gut zusammenarbeiten wie bisher. Die Arbeit in den Ausschüssen ist extrem bedeutsam für uns, wir sind schließlich auf die Politik angewiesen. Deshalb müssen wir dranbleiben, dass unsere Themen auf die Agenda kommen. Sicher, das Geld ist knapp. Doch wir treten für eine soziale Sache ein, das muss die Politik begreifen.

Ein kleiner Blick in die Zukunft, fünf Jahre weiter gedacht: Wo sehen Sie den Seniorenbeirat im Jahr 2021?

Dann haben wir hoffentlich unser Leitziel erreicht: zufriedene Senioren in Delmenhorst. In diesem Sinne müssen alle an einem Strang ziehen, wir als Seniorenbeirat, aber auch Politik und Verwaltung.


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