Delmenhorster Chefarzt im Gespräch Austrocknung ist beim Noro-Virus die größte Gefahr

Von Jan Eric Fiedler

Gibt Tipps für das richtige Handeln bei Magen-Darm-Infektionen: Dr. Frank Neumann, Chefarzt am Josef-Hospital Delmenhorst. Foto: Josef-Hospital DelmenhorstGibt Tipps für das richtige Handeln bei Magen-Darm-Infektionen: Dr. Frank Neumann, Chefarzt am Josef-Hospital Delmenhorst. Foto: Josef-Hospital Delmenhorst

Delmenhorst. Derzeit erkranken viele Menschen in Delmenhorst und umzu an Magen-Darm-Infektionen wie dem Noro-Virus. Das dk hat mit Dr. Frank Neumann, Chefarzt am Josef-Hospital-Delmenhorst, über die Erkrankungen gesprochen.

Herr Dr. Neumann, was ist der Unterschied zwischen einer Magen-Darm-Grippe und dem Noro-Virus, von dem man derzeit so viel hört?

Dr. Frank Neumann: Eine Magen-Darm-Grippe ist die Bezeichnung im Volksmund: Es gibt diverse Viren, die Durchfall, Erbrechen und Übelkeit verursachen können. Einer davon ist das Noro-Virus. Von einer Noro-Virus-Infektion spricht man nur, wenn man den Erreger auch nachgewiesen hat.

Wann sollte man bei einem Magen-Darm-Infekt einen Arzt aufsuchen?

Das hängt von der Schwere der Symptome ab. Die größte Gefahr besteht durch das Austrocknen, weil man nicht genügend Flüssigkeit zu sich nimmt und über den Durchfall sehr viel Flüssigkeit verliert. Der normale, gesunde Mensch kompensiert das in der Regel problemlos, auch einmal ein bis zwei Tage. Aber für Kinder oder ältere Patienten kann das auch schnell problematisch werden. Wenn die Patienten zu stark austrocknen, vielleicht sogar Kreislaufprobleme bekommen, und nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen können, sollte man den Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn Fieber auftritt oder nach mehreren Tagen noch keine Besserung eintritt. Es hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Leichtere Fälle – und das ist die Mehrheit – kann man auch Zuhause in den Griff bekommen.

Was kann und sollte man bei einem solchen Infekt essen oder trinken?

Grundsätzlich ist es ja so, dass einem der Körper bei einer solchen Krankheit signalisiert, dass er gar nichts essen möchte. Trotzdem kann man versuchen, Zwieback oder ähnliches zu sich zu nehmen. Entscheidend ist aber in erster Linie, dass man für die Dauer der Erkrankung genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Am besten ist Kräutertee mit etwas Zucker oder klare Brühe. Es gibt auch Elektrolytlösungen, die man in Apotheken kaufen kann.

Was kann man zu sich nehmen, um sich langsam wieder an das Essen zu gewöhnen?

Am besten leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Weißbrot oder Zwieback – je nach Verträglichkeit. Sehr gut ist auch eine klare Hühnerbrühe und geriebener Apfel, um den Magen-Darm-Trakt langsam wieder zu belasten.

Was sollte man vermeiden?

Kaffee, Milch und unverdünnte Fruchtsäfte. Das macht man aber in der Regel ja von selbst, wenn es einem schlecht geht. Das gilt aber auch für Geräuchertes, Gebratenes und Hülsenfrüchte: Alles, was schwer verdaulich ist für den Magen-Darm-Trakt.

Was kann man machen, um Familienmitglieder vor einer Ansteckung zu schützen?

Wichtig ist eine ausgeprägte Händehygiene, also nach jedem Toilettengang und möglichst auch zwischendurch die Hände waschen oder desinfizieren. Falls vorhanden, getrennte Toiletten benutzen. Grundsätzlich besteht während der Erkrankung sowie zwei Tage darüber hinaus eine Ansteckungsgefahr.