Nach Attacken auf Einsatzkräfte Hilfe für die Helfer läuft in Delmenhorst an

Von Thomas Breuer

Martin Manneck, Vorsitzender des Berufsverbandes Feuerwehr Delmenhorst, findet mit seinen Forderungen nach mehr Schutz für die Einsatzkräfte Gehör. Foto: Thomas BreuerMartin Manneck, Vorsitzender des Berufsverbandes Feuerwehr Delmenhorst, findet mit seinen Forderungen nach mehr Schutz für die Einsatzkräfte Gehör. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Rettungs- und Löschkräfte der Berufsfeuerwehr sehen sich im Einsatz mehr als früher mit verbalen oder körperlichen Attacken konfrontiert. Dem trägt die Stadt Delmenhorst als ihr Arbeitgeber mit verschiedenen Maßnahmen jetzt Rechnung – auch auf Druck des Anfang 2016 gegründeten Berufsverbandes Feuerwehr.

Jüngst angelaufen ist die Vermittlung von Kenntnissen der Selbstverteidigung durch die Polizei. Laut Martin Manneck, Vorsitzender des im Februar gegründeten Berufsverbands Feuerwehr Delmenhorst, soll jede Einsatzkraft der Berufsfeuerwehr während des allgemeinen Dienstsports wenigstens eine Unterweisung erhalten. Auf die ersten drei Termine in diesem Jahr sollen 2017 weitere folgen. „Die Kollegen und Dienststellen nehmen das ernst“, sagt der 31-jährige Brandmeister.

Zwei Vorfälle in jüngerer Vergangenheit

Grund genug haben sie. Wenigstens zweimal gab es in den vergangenen Monaten in Delmenhorst Übergriffe auf Retter im Einsatz. In einem Fall erlitt ein Rettungssanitäter Blessuren, als er von einem psychisch labilen Mann attackiert wurde, dessen Wunde er versorgen wollte.

Weitere Schritte geplant

Grundkenntnisse in Selbstverteidigung sollen künftig helfen, Situationen wie diese besser meistern zu können. Dabei weiß der Berufsverband die Führungsebene hinter sich. Feuerwehrchef Thomas Stalinski sagt, dass ein ganzes Maßnahmenpaket angedacht sei. „Es geht auch um Deeskalationstraining“, nennt er ein Beispiel. Zudem sieht er es als eine berechtigte Forderung des Berufsverbandes an, eine umfassende Dokumentation von Vorfällen wie dem geschilderten zu etablieren, um eine Strafverfolgung und einen Anspruch auf Schadensersatz rechtlich einwandfrei zu ermöglichen.

„Die Gesetze müssen angewendet werden“

Gerade bei der Strafverfolgung sieht der Berufsverband in Delmenhorst, der aktuell 50 der gut 70 Bediensteten der Berufsfeuerwehr vertritt, noch erhebliche Defizite und weiß sich dabei auf einer Linie mit Kollegen andernorts. „Die Gesetze gibt es, sie müssen nur angewandt werden“, hofft Manneck auf einen Bewusstseinswandel auch bei den Staatsanwaltschaften.

154 Angriffe landesweit in 2015

Auf dem Weg dorthin hat er inzwischen auch Kontakt zu den hiesigen Bundes- und Landtagsabgeordneten aufgenommen, die sich allesamt an einem weitergehenden Austausch interessiert zeigten. Laut SPD-Bundestagsabgeordeter Susanne Mittag ist die Zahl der zur Anzeige gelangten Übergriffe auf Rettungskräfte im Land Niedersachsen von 100 im Jahr 2011 auf 154 in 2015 angestiegen.

Auch der Gesetzgeber reagiert

In einem Schreiben verweist sie auf bereits auf den Weg gebrachte Verbesserungen für die Einsatzkräfte. So müsse laut Gesetz inzwischen der Dienstherr für durchgesetzte Schmerzensgeldansprüche aufkommen, die ein zahlungsunfähiger Verursacher nicht begleichen kann.


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