Metallbauer in Vicenza Von Delmenhorst zum Praktikum nach Italien

Von Merlin Hinkelmann

„Das war die beste Erfahrung meines Lebens.“ Auszubildender Christian Thon will seine Zeit in Italien nicht missen. Foto: Merlin Hinkelmann„Das war die beste Erfahrung meines Lebens.“ Auszubildender Christian Thon will seine Zeit in Italien nicht missen. Foto: Merlin Hinkelmann

Delmenhorst. Einmal in einem fremden Land leben, eine fremde Kultur sehen, neue Perspektiven sammeln: Christian Thon hat genau das gemacht. Vier Wochen war der Auszubildende im italienischen Vicenza – zum Auslandspraktikum.

„35 Grad waren es, als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, das hat mich erstmal umgehauen. Es war laut auf den Straßen, die Menschen haben gefeiert, getrunken, gegessen. Einfach überwältigend.“ Die Sätze, die ganzen Eindrücke sprudeln nur so aus Christian Thon heraus. Der 19-Jährige ist Auszubildender bei Metallbau Kruse in Delmenhorst, viertes Lehrjahr. Von September bis Oktober war er für vier Wochen in Vicenza in Italien. Nicht etwa, um in der Sonne zu liegen. Nein, der angehende Metallbauer hat die Zeit für ein Auslandspraktikum genutzt.

EU fördert den Auslandsaufenthalt

Die Idee dazu kam von seinem Chef Jörg Kruse, der auch Obermeister der Metallinnung ist. „Ein solches Praktikum ist eine tolle Chance für die Azubis, sich persönlich weiterzuentwickeln und selbstständiger zu werden“, erklärt der Geschäftsführer. „Und die Kosten halten sich im Rahmen.“ Denn: Die Handwerkskammer Oldenburg vermittelt den Auszubildenden einen passenden Praktikumsbetrieb und kümmert sich um die Unterkunft vor Ort. „Sindbad“ ruft sich das Programm, das vom EU-Förderprogramm Erasmus-Plus mit finanziert wird.

Eine Woche lang Italienisch gelernt

Warum hat sich Thon ausgerechnet für Italien entschieden? „Das Land hat mich schon immer gereizt, ich war aber noch nie vorher dort.“ Also machte sich der Auszubildende auf den Weg in den Süden. Ohne, je zuvor auch nur ein Wort Italienisch gesprochen zu haben. Deshalb besuchte er vor seinem Praktikum einen Sprachkurs in Italien. Eine Woche lang. Hilfe bekam er von dem italienischen Gastgeber, bei dem er wohnte. „Er hat mir alles gezeigt, war sehr hilfsbereit“, berichtet Thon. Überhaupt sei er schlicht beeindruckt gewesen von der Herzlichkeit, „mit der die Menschen mich empfangen haben“.

„Eine große Herausforderung“

Die Arbeit im Betrieb, einem italienischen Metallverarbeitungs-Unternehmen mit 40 Mitarbeitern, sei sehr spannend gewesen. „Ich durfte schnell selbstständig arbeiten“, sagt Thon stolz. Hauptsächlich habe er mit einer „vollautomatischen Fräse“ gearbeitet. So etwas habe er vorher nie bedient. „Eine große Herausforderung. Industrie ist dann doch was Anderes als Handwerk.“ Ob er einen Unterschied zur Arbeitskultur in Deutschland bemerkt hat? Thon lacht. „Viel ruhiger, viel gelassener. Die Italiener nehmen alles entspannter als wir.“

Sightseeing-Touren durch das Land

Wenn der Metallbauer nicht gerade an der Fräse stand „und die Busse mal pünktlich waren“, erkundete er den Ort. „Vicenza ist eine wunderschöne Stadt, besonders die Architektur der Häuser hat mich beeindruckt.“ Auch nach Verona, Venedig und an den Gardasee zog es den 19-Jährigen. Bei seinen Erkundungstouren, die die Praktikumsagentur häufig organisierte, traf er viele Gleichgesinnte. Junge Menschen, die Land und Leute kennenlernen wollten. So wie er. Deutsche, Holländer, Österreicher: Mit vielen hält Thon noch Kontakt. In den letzten zwei Wochen seiner Praktikumszeit klappte es auch mit der Sprache besser.

Kulturell und sprachlich bereichernd

Jetzt ist Thon schon seit mehr als einem Monat zurück in der Heimat – und trotzdem noch voll im Italien-Fieber. „Es war die beste Erfahrung in meinem Leben.“ Wo der nächste Urlaub hingehen soll? Was für eine Frage: „Ich konnte wahnsinnig viel mitnehmen von der Reise, kulturell und sprachlich. Ich kann mir vorstellen, später einmal für eine längere Zeit im Ausland zu arbeiten.“ Sein italienischer Gastgeber hat ihm für das nächste Mal jedenfalls schon einen Schlafplatz angeboten. Und einen Italienisch-Sprachkurs an der Volkshochschule will Thon auch noch besuchen.

Neue Sichtweisen

Jörg Kruse schätzt die Begeisterung seines Mitarbeiters. „Interkultureller Austausch ist wichtig. Wir dürfen die EU nicht nur als Binnenmarkt verstehen.“ Sondern? „Auch als einen Ort, wo die Menschen ihre Lebensweisen austauschen, voneinander lernen.“ Kruse war selbst vor 30 Jahren für ein Praktikum in Frankreich, erzählt er. „So etwas eröffnet ganz neue Sichtweisen.“ Der Unternehmer will auch andere junge Menschen dazu ermutigen, diesen Schritt zu gehen. „Viele wissen gar nicht von der Chance, ins Ausland zu gehen.“ Christian Thon hat sie genutzt – und dabei ganz zufällig etwas gefunden. Seine italienische Ader.


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