Keine Nachsorge nach Notfall Kleinkind bei Delmenhorster Augenärzten abgewiesen

Für Facharzttermine muss man auch längere Anfahrtswege und Wartezeiten in Kauf nehmen, wie eine Delmenhorster Familie auf Augenarztsuche erfuhr. Symbolfoto: dpaFür Facharzttermine muss man auch längere Anfahrtswege und Wartezeiten in Kauf nehmen, wie eine Delmenhorster Familie auf Augenarztsuche erfuhr. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Auf dem Papier ist Delmenhorst mit Augenärzten überversorgt. Doch für ein Kleinkind mit augenärztlichem Notfall Hilfe zu finden, gestaltete sich für eine Hasberger Familie schwierig.

Fahrbereitschaft und Nervenstärke kann ein augenärztlicher Notfall Delmenhorstern abverlangen. Diese Erfahrung hat Stephanie Lehmkuhl am Freitagabend gemacht, als es aus den vorher nur leicht entzündeten Augen ihres einjährigen Sohnes plötzlich eiterte. Bis nach Wilhelmshaven hätte sie mit dem Kleinkind fahren sollen, fand aber schließlich in Oldenburg Hilfe. Und die Suche nach einem Augenarzt für die Nachkontrolle Anfang dieser Woche gestaltete sich nicht einfacher.

Für den augenärztlichen Notdienst bis Wilhelmshaven fahren

Zwar hatte sich Lehmkuhl, als ihre Rundfahrt am Freitagabend begann, ordnungsgemäß an den ärztlichen Notdienst in Delmenhorst gewandt, doch dieser verwies an den augenärztlichen Notdienst – und der war an diesem Abend in Wilhelmshaven. „Da unsere Region von Delmenhorst bis Wilhelmshaven reicht, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass ein Patient von einem Ende zum anderen fahren muss“, erklärt Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) . Anders sei der fachärztliche Notdienst nicht zu organisieren, ohne die einzelnen Ärzte zu sehr zu belasten.

Glück für Stephanie Lehmkuhl, dass sie aus dem Auto auf dem Weg nach Wilhelmshaven noch die Augenklinik am Oldenburger Pius-Hospital erreichte und ihr Kleinkind dort vorstellen durfte. Krankenhäuser müssen ambulante Patienten laut Scherbeitz zwar nicht aufnehmen, dürfen es aber –nur bedeute dies häufig längere Wartezeiten. So auch für Familie Lehmkuhl, die ihren Sohn Erik erst um Mitternacht einer Augenärztin vorstellen konnte.

Kein Kontrolltermin in Delmenhorster oder Ganderkeseer Praxen möglich

Montags ab 8 Uhr hing Stephanie Lehmkuhl dann wieder am Telefon, um eine Nachkontrolle der Bindehautentzündung zu vereinbaren, wie die Augenärztin dringend empfohlen hatte – erfolglos. „Zwei der vier Augenärzte in Delmenhorst hatten Urlaub, einer behandelt keine Kleinkinder und auch die letzte verbleibende Praxis hat meinen Sohn abgelehnt“, berichtet Stephanie Lehmkuhl. Ebenso erging es ihr in der einzigen Ganderkeseer Augenarztpraxis, obwohl sie selbst dort schon länger behandelt wird. „Grundsätzlich nehmen wir Patienten, die aus der Klinik zur Nachsorge geschickt werden, zeitnah auf“, bedauert Dr. Nils Kadelbach, der nicht genau rekonstruieren kann, warum das in diesem Fall nicht klappte. Er sagt aber auch: „Bei normalen Vorsorgeterminen haben wir bis zu einem halben Jahr Vorlauf.“

Bedarfsplanung rechnet mit längeren Anfahrtswegen und Wartezeiten

Der einjährige Erik und seine genervte Mutter landeten schließlich wieder im Pius-Hospital Oldenburg, „samt Vortrag, dass wir eigentlich zum niedergelassenen Augenarzt müssten“. Für die nächste Nachkontrolle wurde die Familie aus Hasbergen an eine neu eröffnete Augenarztpraxis am anderen Ende von Oldenburg verwiesen – 43 Kilometer ein Fahrtweg, für wenige Minuten im Behandlungszimmer. Wege wie nach Bremen oder Oldenburg sowie längere Wartezeiten auf Facharzttermine sind aber laut Scherbeitz nicht zu vermeiden, schließlich seien Einsparungen das Ziel der gesetzlich vorgeschriebenen Bedarfsplanung der KVN. „Der Landkreis Oldenburg und die Stadt Delmenhorst sind für Augenärzte sogar gesperrt, die Messzahlen weisen eine Überversorgung aus“, sagt der Oldenburger KVN-Geschäftsführer. Eine Befragung der hiesigen Augenärzte habe soeben ergeben, dass sie die Kapazitäten haben, um Notfälle zeitnah zu behandeln. Nur Eriks Verlaufskontrolle –die war eben kein Notfall mehr.


1 Kommentar