Prozessauftakt in Oldenburg Delmenhorster sticht 27 Mal auf Ehefrau ein

Von Ole Rosenbohm

In OIdenburg ist der Prozess gegen einen Delmenhorster gestartet, der versucht haben soll, seine Frau umzubringen. Symbolfoto: dpaIn OIdenburg ist der Prozess gegen einen Delmenhorster gestartet, der versucht haben soll, seine Frau umzubringen. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Ein Delmenhorster soll im Mai versucht haben, seine Frau umzubringen. Dafür muss er sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

Der 33-jährige Angeklagte sagt nichts, auch das Opfer, seine Ehefrau, nichts, und die engsten Zeugen wollen auch nicht aussagen. Was am 12. Mai im Haus an der Friesenstraße geschah, vermittelt allerdings die Aufnahme des Notrufs an die Einsatzleitstelle: „Kommen Sie schnell. Mein Bruder hat seine Frau angegriffen“, ruft die Zeugin ins Telefon. „Sie blutet.“ Im Hintergrund schreit das Opfer vor Entsetzen und Schmerzen, weinen die drei gemeinsamen Kinder.

Angeklagter schleicht mit Messer ins Schlafzimmer

Weil die Ehefrau, Familienangehörige und Nachbarn am Tattag vor sechs Monaten der Polizei gegenüber auskunftsfreudiger waren als am Donnerstag im Oldenburger Landgericht, scheint der Hergang der Tat trotz gemeinsamen Schweigens aber nicht im Dunkeln zu liegen. Nach der Anklageschrift soll der Mann am frühen Morgen um 3.05 Uhr in „heimtückischer“ Absicht in das gemeinsame Schlafzimmer „geschlichen“ und seine „arg- und wehrlose“ Ehefrau mit einem Tomatenmesser, einem mit geriffelter Klinge, angegriffen haben. 27 Mal soll der 33-Jährige auf seine Gattin eingestochen haben. Es gelang ihr dennoch, in den Hausflur zu fliehen. Geschützt von Nachbarn, ließ der mutmaßliche Täter dort von ihr ab.

Täter gilt als unzurechnungsfähig

Bei der am Donnerstag begonnenen Verhandlung wegen versuchten Mordes geht es allerdings nicht um eine Strafe gegen den 33-Jährigen, machte Richter Sebastian Bührmann schon zu Beginn klar. Weil er in der Tatnacht unter massivem Einfluss von Cannabis und Alkohol stand, bei ihm zudem eine Paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde, gilt er für die Tatzeit als unzurechnungsfähig. Das Gefängnis komme daher nicht in Betracht, wohl aber eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Bührmann zum Angeklagten: „Es geht darum, wie mit Ihnen heilbehandlungsmäßig vorzugehen ist.“ Seit der Tat befindet sich der Delmenhorster in der geschlossenen Abteilung der Oldenburger Karl-Jaspers-Klinik.

Ehefrau hat ihrem Mann schon verziehen

Seine 25-jährige Gattin, Hausfrau und seit bald fünf Jahren mit dem Angeklagten verheiratet, will ihn – trotz aller Geschehnisse – ohne Behandlung oder Strafe wieder zu Hause haben, wie sie im August und Oktober in zwei am Donnerstag verlesenen Briefen formulierte: Ihr Ehemann habe das „auf keinen Fall bewusst“ gemacht, er hätte „große Ängste“ gehabt, sie und die Kinder würden nicht ohne ihn auskommen, stand in den fast flehentlich formulierten Schreiben an die Behörden. Nie habe ihr Ehemann zudem die Hand gegen sie erhoben. Das eine Mal im Mai aber hätte fast zu ihrem Tod geführt.

Urteil schon im Dezember erwartet

Der Prozess wird am 8. Dezember fortgesetzt. Schon dann oder am 23. Dezember soll das Urteil gesprochen werden.


0 Kommentare