Kinderschutzbund Gemeinsames Handeln gegen Kindesarmut in Delmenhorst

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Symbolfoto: Christian Charisius/dpaSymbolfoto: Christian Charisius/dpa

Delmenhorst. Mit einem offenen Brief an die Fraktionen des neugewählten Stadtrates macht der hiesige Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes aus aktuellem Anlass auf den Themenkomplex „Kinderarmut/ Soziale Gerechtigkeit für Kinder“ aufmerksam und regt an, die Kräfte in Delmenhorst zu bündeln und so viel Kompetenz wie möglich an einen Tisch zu bekommen, um sich des Themas Kinderarmut in Delmenhorst anzunehmen. Ein Vorbild für die Organisation könne der Kriminalpräventive Rat sein (KPR).

Für den Vorstand des Delmenhorster Kinderschutzbundes schreiben Jörg Bernhardt Helga Kattinger: „Die Bertelsmann Stiftung hat kürzlich eine Studie zur Kinderarmut in Deutschland veröffentlicht. Demnach wuchsen im Jahr 2015 trotz guter Wirtschaftslage bundesweit 14,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien auf, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II („Hartz IV“) bezogen. Niedersachsen lag mit 14,6 Prozent im Bundesdurchschnitt, das direkt benachbarte Umland von Delmenhorst lag mit etwa 10 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Für die Stadt Delmenhorst sind die Zahlen für 2015 – und daran dürfte sich kaum etwas geändert haben – dagegen dramatisch: Hier lebten insgesamt 30,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien mit Hartz-IV-Bezug. Bei Kindern unter sechs Jahren sind es sogar rund 35 Prozent.“

Verheerende Auswirkungen

Die Auswirkungen für die betroffenen Kinder seien verheerend, heißt es in dem Brief. Soziale Isolation, gesundheitliche Beeinträchtigungen und materielle Unterversorgung seien häufig die Folgen. „Und je länger ein Kind unter diesen Umständen aufwächst, desto schwerwiegender die negativen Auswirkungen und desto ungünstiger die Zukunftsperspektiven. Einen Weg aus dieser Falle zu finden, ist nur sehr schwer zu erreichen“, teilt der Kinderschutzbund mit.

Kinderarmut sei ein Thema, das die Gesellschaft nicht erst seit der Bertelsmann-Studie beschäftige. „Warum sollte es uns insbesondere in Delmenhorst nun mehr berühren und zum Handeln bewegen als andere Themen? Wir als Kinderschutzbund sind der Überzeugung, dass die Zukunft unserer Stadt sehr stark von Wohlbefinden, Bildung und positiven Perspektiven für unsere Kinder und Jugendlichen abhängt. Möchten wir in einer Stadt leben, die 30,3 Prozent ihrer Kinder und Jugendlichen der Armut und Perspektivlosigkeit überlässt? Oder möchten wir in einer Stadt leben, die ihren Kindern neue Möglichkeiten aufzeigt, die gesellschaftliches Engagement und die Erfahrung eines lebenswerten, weltoffenen und mitfühlenden Miteinanders ermöglicht? Letzteres sollte uns alle antreiben, hinzusehen und zu handeln. Viele Kinder in unserer Stadt brauchen die Hilfe von vielen Menschen unserer Stadt“, führt der Kinderschutzbund aus.

Ideen gefragt

Es seien jetzt für die Stadt Ideen gefragt, „die mit wenig oder sogar ohne Geld das freiwillige soziale Engagement und die Solidarität der Menschen unserer Stadt beleben und festigen“. Der Beginn der neuen Legislaturperiode sei ein sehr guter Zeitpunkt, hinter die Zahlen „einer äußerst beunruhigenden Studie zu sehen und sich den bedrohlichen Auswirkungen über alle Parteigrenzen hinaus zu stellen“. Nur durch gemeinsames Handeln könne die Bekämpfung der Kinderarmut in Delmenhorst gelingen.

„Geben Sie unseren Delmenhorster Kindern heute Zukunftsperspektiven, indem Sie dafür in Ihrer politischen Arbeit an einem Strang ziehen und sich der Kinderarmut in unserer Stadt intensiv zuwenden. Schaffen Sie so den Rahmen zur Verwirklichung der notwendigen Maßnahmen. Ermutigen Sie die Menschen unserer Stadt zur Hilfe für die Kinder in allen relevanten Bereichen“, schrfeibt der Schutzbund den Ratsmitgliedern ins Stammbuch.


Der Deutsche Kinderschutzbund e. V. (DKSB) setzt sich seit seiner Gründung 1953 für die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen ein. Der Schutz vor Ausgrenzung und Diskriminierung, soziale Gerechtigkeit für Kinder, Jugendliche und deren Familien, und die Förderung der geistigen, psychischen, sozialen und körperlichen Entwicklung der Kinder unter Berücksichtigung jeweils nach Lebensalter und Geschlecht unterschiedlicher Lebenssituationen sind die Hauptanliegen des DKSB. Er verfolgt seine Ziele unter anderem durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und das Ansprechen der relevanten Akteure in Politik, Verwaltung, in der Gesellschaft insgesamt. Diesen Zielen des Bundesverbands fühlt sich der Ortsverband Delmenhorst verpflichtet.

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