Gedenktag 9. November Delmenhorster Gedenkfeier droht ein Eklat

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Die Gedenkfeier am Mittwoch wird voraussichtlich anders als sonst ablaufen. Foto: dpaDie Gedenkfeier am Mittwoch wird voraussichtlich anders als sonst ablaufen. Foto: dpa

Delmenhorst. Das für Mittwoch, 9. November, im Delmenhorster Rathaus geplante Gedenken zu Ehren der Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 wird schon im Vorfeld von einer politischen Auseinandersetzung überschattet.

Lothar Mandalka, Vorsitzender der siebenköpfigen AfD-Fraktion im Stadtrat, lastet Oberbürgermeister Axel Jahnz an, indirekt einen Zusammenhang zwischen AfD und NSDAP herzustellen. Er reagiert damit auf eine E-Mail des Stadtoberhaupts an ihn, in der der AfD-Fraktion nahegelegt wird, dem Gedenken „lieber fernzubleiben“. Eine mögliche Teilnahme der Partei, so Jahnz, würden einige Gäste sehr skeptisch sehen, was nach seiner Meinung zu einem Eklat führen könnte. Sprechen werden im Rathaus unter anderem Rabbinerin Alina Treiger und Vorsitzender Pedro Benjamin Becerra als Vertreter der Jüdichen Gemeinde Delmenhorst.

AfD erhebt Vorwürfe gegen Oberbürgermeister

Den Eklat sieht Mandalka bereits jetzt gegeben. Er hat den Mail-Verkehr zwischen Jahnz und sich presseöffentlich gemacht und schreibt an die Adresse des Rathauschefs: „Der AfD indirekt zu unterstellen, sie würde diese Veranstaltung nicht den gebührenden Respekt erweisen und wäre unwürdig, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, zeigt uns einmal wieder, wie verzerrt Ihr Demokratiebild ist.“ Mandalka sieht es an Jahnz, „die Gäste darüber aufzuklären, dass die AfD weder die Nachfolgeorganisation der NSDAP ist noch deren Ziele verfolgt“.

AfD-Fraktionschef Mandalka will teilnehmen

Er selber werde als AfD-Fraktionsvorsitzender an der Gedenkfeier teilnehmen. Ob ihn weitere AfD-Fraktionsmitglieder begleiten, werde in der Fraktionssitzung am Montagabend besprochen – ungeachtet der von Mandalka als Ausladung verstandenen Jahnz-Mail.

Jahnz sieht Zeichen, „wie nervös die AfD ist“

Der Oberbürgermeister sieht in Mandalkas Vorwurf ein Zeichen dafür, „wie nervös die AfD ist“. Er habe nicht anders handeln können, als die AfD um Nichtteilnahme zu bitten, nachdem bereits im Vorfeld mehrere Personen gekündigt hätten, die Veranstaltung zu verlassen, sollte die AfD dort vertreten sein. „Vergleiche und Unterstellungen haben Sie nunmehr gezogen und nicht ich“, schreibt er in einer Erwiderung an Mandalka.

Gedenken gegebenenfalls vor dem Rathaus

Becerra erklärte auf Nachfrage, die Vertreter der Jüdischen Gemeinde würden die Gedenkfeier verlassen, sollten Vertreter der AfD im Ratssaal sein. Man wolle insbesondere in diesem Rahmen nichts mit Rechtspopulisten zu tun haben. „Wir haben die große Chance, klar Position zu beziehen“, sagte Becerra. „Man muss ein Zeichen setzen.“ Er kündigte an, das Gedenken werde gegebenenfalls vor dem Rathaus stattfinden.


Zum öffentlichen Gedenken an die Opfer der Pogrome lädt die Stadt am Mittwoch, 9. November 2016, um 14.30 Uhr in den großen Sitzungssaal des Rathauses ein. Ein Gang zu ehemaligen Synagoge an der Cramerstraße und zum jüdischen Friedhof an der Syker Straße schließt sich an.

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