Neues Konzept soll Gäste locken Delmenhorster Disco „Retro“ startet Rettungsversuch

Von Eyke Swarovsky

Bei der Eröffnung der Retro am 1. Oktober 2010 war es gut gefüllt. Mittlerweile bleiben die Gäste aus. Mit einer Neuausrichtung soll sich das wieder ändern. Archivfoto: Andreas NistlerBei der Eröffnung der Retro am 1. Oktober 2010 war es gut gefüllt. Mittlerweile bleiben die Gäste aus. Mit einer Neuausrichtung soll sich das wieder ändern. Archivfoto: Andreas Nistler

Delmenhorst. Die Delmenhorster Discothek „Retro“ an der Weberstraße ist in Schieflage geraten. Die Gäste bleiben aus. Mit einem neuen Konzept will die Disco nun zurück in die Erfolgsspur finden. Sonst bleiben die Türen bald zu.

Die Betriebsleiterin und Personalchefin des Retro nimmt im Gespräch mit dem dk kein Blatt vor den Mund, wenn sie von der aktuellen Situation im Retro spricht: „Uns fehlen die Gäste, die Nebenkosten steigen immer weiter – am Monatsende steht ein dickes Minus“, sagt Jasmin Bozic.

Man sei mittlerweile mit der Gesamtsituation nicht mehr zufrieden. Das betreffe die Verantwortlichen genauso wie die Besucher. „Wir sind eine Disco, die auf ihre Besucher zukommt“, sagt Bozic. Leider hätten bislang alle kleinen Maßnahmen nicht gefruchtet.

Erklärung an Besucher auf Facebook

Auf Facebook veröffentlichten die Verantwortlichen des Retro am Dienstag ein langes Statement zur aktuellen Situation und zur geplanten Zukunft. Unter dem Titel „Retro 2.0“ heißt es dort: „Die Retro, wie Ihr sie seit nunmehr sechs Jahren kennt, wird nie wieder so sein, wie sie einmal war. Und wenn wir alle ehrlich zueinander sind, ist sie das auch schon länger nicht mehr.“ Ohne freien Eintritt und Freigetränke sei es kaum noch einer Discothek möglich, die Tanzfläche zu füllen. „Wenn wir nicht wieder mehr Gäste zu uns locken können, müssen wir schließen“, bringt Bozic die Lage auf den Punkt.

Türpolitik soll lockerer werden

Bozic betont, dass es den Betreibern der Disco wichtig sei, die Besucher zu hören und das Lokal nach deren Interessen auszurichten. Nach mehreren Umfragen ließ das Feedback auf die Nachricht der Neuausrichtung nicht lange auf sich warten. Von vielen Besuchern erwähnt und kritisiert: die Türpolitik des Sicherheitspersonals – Menschen mit Migrationshintergrund würden zu oft willkürlich abgewiesen. „Ja, wir haben eine strenge Türpolitik“, gibt Bozic zu. Diese wolle man in Zukunft lockern. Das habe man in internen Gesprächen beschlossen. „Man kann aber auch nicht von der Hand weisen, dass es im gesamten Bahnhofsumfeld deutlich ruhiger geworden ist, seit unsere Türsteher so streng sind“, fügt sie an. Die Sicherheit der Besucher werde weiter an erster Stelle stehen. Auch bei zukünftigen Mottopartys und anderen Aktionen sollen die Besucher mit ins Boot geholt werden.

Tanzbereiche werden thematisch getauscht

„Retro 2.0“, dahinter verbirgt sich vor allem eine Umstrukturierung der beiden Tanzbereiche. Es soll weniger Techno und House, dafür aber mehr Black Music geben. Im großen Hauptbereich werde es an Freitagen nur noch um das Thema Black Music und Hip Hop gehen. Der kleine Tanzbereich widmet sich freitags der Partymusik. An Samstagen werden die Bereiche getauscht: Große Party im Hauptbereich und Black Music im kleinen Abteil. Die DJs sollen von den Betreibern angewiesen werden, mehr Musikwünsche der Besucher zu erfüllen. Auch dieser Punkt wurde mehrfach von Gästen bemängelt.

Keine Umbauten

„Wir hoffen, dass wir mit dieser thematischen Änderung wieder mehr Publikum anziehen können“, sagt Bozic. Große Umbauten werde es nicht geben. „Dafür fehlt gerade auch schlichtweg das Geld“, gibt sie zu. An der Optik der Disco habe es vonseiten der Gäste auch kaum Kritik gegeben.

Grundsätzlich wünscht sich die Betriebsleiterin, den Altersdurchschnitt in der Retro zukünftig etwas anzuheben. „Wir wollen auch das Ü30-Publikum zu uns holen, das sich zur Zeit lieber in Kneipen oder vor dem Fernseher herumtummelt“, sagt Bozic. Aus diesem Grund gebe es bereits seit dem vergangenen Jahr grundsätzlich freien Eintritt für Gäste über 30.

„Wir wollen als Delmenhorsts größte Diskothek gern vor Ort erhalten bleiben. Es liegt in der Hand der Delmenhorster. Wenn sie eine Disco in der Stadt haben wollen, müssen sie sie auch besuchen – sonst sterben wir aus“, sagt Bozic.

Am Freitag, 4. November, soll das neue Konzept erstmals zum Tragen kommen.


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