19-Jähriger vor Gericht Partynacht eskaliert: Delmenhorster verübt Messerangriff

Alkohol getrunken, Drogen eingeworfen – und dann eine Messerattacke verübt? Ein 19 Jahre alter Delmenhorster steht vor dem Oldenburger Landgericht, weil der vor einem Jahr im Rausch einen 26-jährigen Bremer mit einem Messer schwer verletzt haben soll. Symbolfoto: Michael GründelAlkohol getrunken, Drogen eingeworfen – und dann eine Messerattacke verübt? Ein 19 Jahre alter Delmenhorster steht vor dem Oldenburger Landgericht, weil der vor einem Jahr im Rausch einen 26-jährigen Bremer mit einem Messer schwer verletzt haben soll. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst. Sie tranken Wodka und schmissen sich Drogen ein – dann eskalierte die Partynacht in einem Exzess der Gewalt: Im Sommer des vergangenen Jahres trieb es eine Gruppe junger Menschen in Bremen deutlich zu weit. Am Mittwoch stand nun ein heute 19-jähriger Delmenhorster vor dem Landgericht Oldenburg. Vor einem Jahr soll er einem jungen Mann mit dem Messer schwere Stichwunden zugefügt haben.

Leicht hatte es das Gericht nicht, an Informationen zu dem besagten Abend im Sommer 2015 zu gelangen. Zu vernebelt, zu lückenhaft waren die Erinnerungen des Angeklagten und der Zeugen. Zu bestimmten Punkten wollten sie gar nicht erst aussagen. Letzten Endes setzte sich vor Gericht folgender Ablauf zusammen: Am Abend des Tages im Juni trafen sich die vier jungen Menschen in der Wohnung des Angeklagten. Am frühen Abend tranken sie Wodka gemischt mit Energie-Drinks, später konsumierten sie nach übereinstimmenden Aussagen Ecstasy, Speed und Kokain. Mit diesem Alkohol- und Drogengemisch im Körper brach die Gruppe auf, um zu feiern.

Gericht erkennt keinen versuchten Mord

Im Laufe des Abends wurde der Mitbewohnerin des 19-Jährigen zunächst in einer Disco bei einer „Reiberei“, wie sie sagte, die Nase zweifach gebrochen. Den vermeintlichen Täter will einer aus der Gruppe, wie er später bei der Polizei aussagte, im Anschluss vor einer weiteren Disco in der Dechanatstraße wiederkannt haben. Beim anschließenden Streit soll der Angeklagte dem Opfer, ein heute 26-jähriger Mechatroniker, ein Messer in den Oberschenkel und in den Unterbauch gerammt haben. Kurios: Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft noch einen versuchten Mord erkannt, der 19-Jährige habe sich gegenüber dem Opfer als „Herr über Leben und Tod“ gerieren wollen, aus diesem Grund seien „niedere Beweggründe“ zu erkennen. Das Gericht konnte dem nicht folgen und minderte den Tatvorwurf auf schwere Körperverletzung ab.

Messerangriff mündet in Verfolgungsjagd

Was an dem Abend folgte, war die Flucht des Verletzten und die eines Freundes vor der Gruppe. Zwei Begleiter des Angeklagten „jagten“ im wahrsten Sinne des Wortes die jungen Männer und malträtierten sie mit Tritten und Schlägen, diese konnten sich verletzt und in Unterzahl nur schwerlich wehren. An einem Taxistand schließlich griff die Polizei ein. Wurden die Zeugen für diese Tat bereits zuvor in Bremen wegen Körperverletzung verurteilt, konnte sich der Angeklagte an den Messerangriff nicht erinnern. Und das, obwohl er akribisch genau die Mengen an Alkohol und Drogen, die die Gruppe konsumiert hatte, zu nennen wusste. Auch waren ihm die Geldmengen für ihren Erwerb im Gedächtnis geblieben. Ein Widerspruch, den das Gericht sehr wohl bemerkte.

Angeklagter brach zuvor Mitbewohnerin die Nase

Was die Verhandlung so interessant machte, war die Art und Weise, wie Richter Dirk Reuter den Verlauf des Abends aus den Zeugen herauskitzelte. So stellte sich etwa bei der Vernehmung der Mitbewohnerin des Angeklagten, eine 27-jährige Altenpflegerin, heraus, dass nicht ein unbekannter Dritter ihr die Nase gebrochen hatte, sondern der 19-Jährige selbst. Dieser konnte sich wegen des Alkohol-Drogen-Konsums aber nicht erinnern. Der Delmenhorster sei normalerweise „ein lieber Mensch und sehr sensibel“, sagte sie, bloß nicht, wenn er Wodka und Drogen zu sich genommen habe.

Opfer hat den Angriff verarbeitet

Wie dem auch sei: Für den Angeklagten spricht, dass sich selbst gestellt hatte. Zudem gab er die Tat zwar nicht zu, entschuldigte sich aber beim Opfer. Er habe erkannt, dass er sein Leben ändern müsse und will nach der Haft eine Ausbildung zum Straßenbauer anstreben. Das Opfer übrigens sagte aus, dass es den Angriff heute verarbeitet habe und psychisch dadurch nicht beeinträchtigt sei. Der Prozess wird am 26. Oktober fortgesetzt.


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