Kontroverse um Baugrundstücke Delmenhorster Politik uneins über neues Bauland

Von Michael Korn

Erste Entwürfe zeigen die Möglichkeit, neue Bauplätze in Delmenhorst-Heidkrug zu schaffen. Grafik: Stadt DelmenhorstErste Entwürfe zeigen die Möglichkeit, neue Bauplätze in Delmenhorst-Heidkrug zu schaffen. Grafik: Stadt Delmenhorst

Delmenhorst. Es bleibt dabei: Der alte Rat, nach der Kommunalwahl ein Auslaufmodell bis Anfang November, tut sich trotz eklatantem Bauland-Mangel in Delmenhorst schwer mit der Schaffung von Neubaugebieten am Stadtrand. Nur aufgrund einer Abstimmungspanne der Grünen Marianne Huismann gab es im Planungsausschuss ein knappes Votum für bis zu 50 neue Bauplätze im Stadtteil Heidkrug.

Im Delmenhorster Stadtteil Heidkrug sollen bis zu 50 neue Bauplätze entstehen – so weit so gut. Wären da nicht Widerstände von SPD und Grünen, die grundsätzlich eine Bebauung im „Außenbereich“ ablehnen und eine Abstimmungspanne, die dieses Votum pro neuem Bauland im Planungsausschuss am Dienstag erst möglich gemacht hatte. Sonst nämlich hätte es trotz eklatanter Bauland-Knappheit in Delmenhorst keine Mehrheit gegeben für die Entwicklung einer neuen Siedlung mit Einfamilien- und Doppelhäusern im direkten Anschluss an das Reihenhausviertel rund um Blumenthaler und Vegesacker Straße nördlich des Bahnhof Heidkrug.

Versehen von Ratsfrau Huismann

Marianne Huismann von den Grünen war es, die erst gegen das Baugebiet „Neuenbrücker Weg/Großer Tannenweg“ argumentiert hatte, dann aber versehentlich für einen Bebauungsplan stimmte. So gab es eine 5:4-Mehrheit. Wie Huismann sprach sich auch SPD-Ratsherr Gerhard Berger gegen Baugrundstücke „in diesem sensiblen Bereich“ aus. Im Falle der Zustimmung müsste man auch an anderer Stelle in Delmenhorst den Außenbereich antasten. Bemerkenswert an der Abstimmung war ferner, dass Pirat Andreas Neugebauer, der im künftigen neuen Rat eine Gruppe mit der SPD bildet, gegen die Haltung seiner neuen politischen Partner votierte und die Baulandpläne unterstützte – zusammen mit CDU und Unabhängigen. Zwar ist nun ein knapper Grundsatzbeschluss zugunsten des Neubaugebiets gefallen, jedoch steht das Verfahren ganz am Anfang und wird den Stadtrat in noch mehreren Lesungen sowie Beteiligungen vor allem der betroffenen Eigentümer beschäftigen. Von Bedeutung für die Stadtentwicklung der kommenden Jahre ist vor allem, wie sich die neue Konstellation im Stadtrat nach der Kommunalwahl auf die bislang schleppende Baulandpolitik auswirkt.

Baugebiet in zwei Varianten

Die Verwaltung hatte dem Planungsausschuss zwei Varianten für das Gebiet im Übergangsbereich zwischen Heidkrug und Hasbergen vorgestellt. In einem Fall sind 50 Bauplätze möglich, im anderen Fall 35 nach Ausklammerung zweier nicht überzeugter Flächeneigentümer. Nach Angaben der Stadt gibt es bereits seit 1993 Bauwünsche in dem Bereich. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass Delmenhorst „seit einigen Jahren einem hohen Erweiterungsbedarf ihres Wohnungsbestandes“ unterliege. Laut dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept von 2013 solle die Nachverdichtung von Bestandsquartieren zwar vorherrschen, jedoch seien auch nachfragegerechte Wohnangebote in Stadt-Rand-Lage zu schaffen . Durch „das infrastrukturelle Angebot der näheren Umgebung und die Nähe zur Natur steigt die Attraktivität der Fläche für eine Wohnnutzung“. Negative Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet „Bywisch-Hullen-Schohasbergen“ sind zudem nicht zu erwarten.


Städtebauliche Konzepte für den Bebauungsplan Nr. 357 „Neuenbrücker Weg / Großer Tannenweg“ für einen Bereich zwischen dem Neuenbrücker Weg, dem Großen Tannenweg, der Worpsweder Straße, der Ritterhuder Straße und der Vegesacker Straße:

Für die städtebauliche Planung wurden folgende Rahmenbedingungen beachtet:

- Berücksichtigung der Trasse einer 110 kV-Hochspannungsleitung. Einhaltung eines 60 m–Abstands zur Wohnbebauung

- Vermeidung negativer Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet „Bywisch-Hullen-Schohasbergen“

- Optimierung der Anbindung an das Straßennetz

- Keine Grundstückserschließung vom Neuenbrücker Weg

- Fußläufige Erreichbarkeit des vorhandenen Spielplatzes

Aufgrund des Alters der Anträge der Eigentümer wurde vor der Erstellung der städtebaulichen Planung mit allen Eigentümern im Plangebiet Einzelgespräche geführt. Die privaten Bauwünsche und die Bereitschaft zur Überplanung der privaten Grundstücksflächen wurden intensiv erörtert. Die Ergebnisse wurden in der städtebaulichen Planung umgesetzt und zwei Varianten erarbeitet. Diese städtebaulichen Konzepte wurden als Variante A und Variante B benannt.

Die Variante A stellt eine nach heutigem Kenntnistand größtmögliche Ausweisung einer Wohnbaufläche dar. Die Variante B berücksichtigt zwei private Interessen, private Grundstücksfläche nicht zu überplanen. Aus städtebaulicher Sicht ist sowohl die größtmögliche Überplanung der heutigen unbebauten Flächen (Variante A) als auch eine Teilplanung (Variante B) möglich. Es wird empfohlen, mit beiden Varianten in die Öffentlichkeitsbeteiligung und Diskussion mit den Planungsbetroffenen zu gehen.

• Variante A:

Das städtebauliche Konzept der Variante A zeichnet sich durch kleine Erschließungsabschnitte bzw. erweiterte kleine Quartiere aus. Insgesamt sind 49 Baugrundstücke mit einer lockeren Bebauung (Einzel- und Doppelhäuser) vorgesehen. Die verkehrliche Erschließung der Grundstücke erfolgt durch Straßen mit einer Breite von 5 bis 7 m. Wendemöglichkeiten sind durch Wendehammer mit 9 bis 22 m Durchmesser gegeben. Zudem sind die kleinen Quartiere mit dem anliegenden Wohngebiet durch Fuß- und Radwege verbunden. Verkehrliche Anbindungen sind mit der Vegesacker Straße, der Worpsweder Straße und dem Großer Tannenweg gegeben.

• Variante B:

In dem städtebaulichen Konzept der Variante B sind insgesamt 35 Baugrundstücke mit einer lockeren Bebauung (Einzel- und Doppelhäuser) vorgesehen. Wie bei dem städtebaulichen Konzept der Variante A erfolgt die verkehrliche Erschließung der Grundstücke durch Straßen mit einer Breite von 5 bis 7 m. Genauso sind Wendemöglichkeiten durch Wendehammer mit 9 bis 22 m Durchmesser gegeben. Zudem ist eine von den zwei geplanten Straßen mit dem südlichen Wohngebiet und der Blumenthaler Straße durch Fuß- und Radweg verbunden. Verkehrliche Anbindungen sind mit der Vegesacker Straße und dem Großer Tannenweg gegeben.

Eine größere Fläche in beiden städtebaulichen Konzepten befindet sich innerhalb des 60 m-Abstands der Wohnbebauung zu der Trasse einer 110 kV- Hochspannungsleitung. Nach heutigem Planungsstand ist hier eine Wohnnutzung nicht möglich. Es verbleibt zunächst bei der landwirtschaftlichen Nutzung. mik/Quelle: städtische Vorlage - 16/51/032/BV-V