Krankenhaus in Flammen Delmenhorster Feuerwehr-Chef: JHD-Brand war Einsatz am Limit

Von Marco Julius


Delmenhorst. Thomas Stalinski, Chef der Berufsfeuerwehr Delmenhorst, hat jetzt einen Nachbericht zum verheerenden Brand am JHD Mitte vorgelegt.

15 Minuten nach Eintreffen der ersten Feuerwehrkräfte – der Dachstuhl des JHD Mitte steht bereits in Vollbrand, Flammen schlagen heraus, dichter Rauch ist über der Stadt zu sehen – ist die Decke des Dachstuhls plötzlich eingestürzt. Nur ein paar Sekunden früher, und sie wäre auf einen Trupp von Feuerwehrkameraden gefallen. Sie hatten den Raum gerade erst verlassen. Thomas Stalinski, als Brandoberamtsrat Chef der Berufsfeuerwehr Delmenhorst, hat jetzt im Ausschuss für Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr einen Nachbericht des Brandeinsatzes vorgelegt, der noch einmal verdeutlichte, wie gefährlich und kräftezehrend der Einsatz für alle Beteiligten gewesen ist.

14 Minuten nach Alarm am Einsatzort

Als der Alarm an die Feuerwehr am 16. September um 13.44 Uhr ausgelöst wurde, waren Kräfte der Feuerwehr gerade zu einem anderen Einsatz gerufen worden. Es ging um eine Türöffnung. Der Großteil der Kameraden aber war währenddessen noch in Emshoop beschäftigt, wo vormittags 70 Rundballen Feuer gefangen hatten . Dann kam der Alarm am JHD Mitte. „Brandmeldanlage (BMA) groß“, so der Fachjargon. „Ein tagtäglicher Einsatz. Da bekommen wir noch kein Herzrasen“, sagte Stalinski. In 14 Minuten sind die Feuerwehrkräfte von Emshoop auf schnellstem Wege zum JHD geeilt. Und schon unterwegs sei klar geworden: das wird kein alltäglicher Einsatz. Vor Ort war dann klar: der Puls geht hoch, der Dachstuhl steht in Vollbrand. „Es muss dort schon geraume Zeit gebrannt haben“, sagte Stalinski. Alle Delmenhorster Feuerwehrkräfte wurden zum Brandort beordert, zusätzlich Kameraden aus den Landkreisen Oldenburg, Wesermarsch und Diepholz und der Stadt Bremen.

12.000 Liter Löschwasser in der Minute

Erstes Gebot sei dann natürlich die Menschenrettung gewesen. Ist noch jemand im Gebäude? „Wenn das Krankenhaus belegt gewesen wäre, hätten wir natürlich eine ganz andere Lage gehabt“, hob Stalinski hervor und verwies auf den folgenschweren Krankenhausbrand in Bochum wenige Tage später. Im nächsten Schritt sei es dann darum gegangen, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Erste Flammen seien im angrenzenden Altbau schon zu sehen gewesen, erläuterte Stalinski. Es sei der Feuerwehr aber gelungen, ein Durchzünden und ein Übergreifen auf den Altbau zu verhindern. Fünf Drehleiterwagen waren im Einsatz, unter Atemschutz bekämpften die Kameraden das Feuer, das eine Hitze von bis zu 700 Grad Celsius entwickelt habe. Zeitweise habe die Feuerwehr 12.000 Liter Wasser pro Minute eingesetzt. „Das ist schon eine Hausnummer“, betonte Stalinski.

Der Feuerwehr stellten sich während des Einsatzes immer neue Aufgaben. So galt es, den Serverraum zu sichern und zu schützen, wertvolles medizinisches Gerät zu bergen.

24 Stunden im Dauereinsatz

„Wir haben die Situation im Zusammenspiel aller Kräfte schnell in den Griff bekommen. Das Feuer war vor 16 Uhr unter Kontrolle und konnte sich nicht weiter ausbreiten. Aus meiner Sicht ging das nicht schneller“, sagte der Feuerwehr-Chef. Die Löscharbeiten zogen sich dann über die Nacht hin. „Wir sprechen hier über einen Einsatz, der Mensch und Material an die Grenzen gebracht hat.“ 24 Stunden Dauereinsatz. Da habe die Unterstützung gutgetan. So habe etwa die benachbarte St.-Marien-Gemeinde das Gemeindezentrum zur Verfügung gestellt und die Feuerwehrkameraden unaufgefordert versorgt. Und auch dass die Verwaltungsspitze während des Einsatzes vor Ort präsent war, sei hilfreich gewesen. „Oberbürgermeister Axel Jahnz hat damit ein Zeichen gesetzt. Das kam bei den Kameraden gut an.“ Am 10. November werde es noch einmal eine abschließende Lagebesprechung geben, kündigte Stalinski an.


Die Sanierung des durch den Großbrand stark beschädigten Teils des JHD Mitte ist angelaufen. Das Feuer, ausgelöst durch einen technischen Defekt im Dachstuhl, hatte am 16. September einen Großeinsatz der Feuerwehr zur Folge.