Krankenhaus in Delmenhorst Ein Rundgang durch das St. Josef-Stift vor dem Abriss


Delmenhorst. In wenigen Monaten werden große Teile des JHD Mitte abgerissen. Das dk hat mit Geschäftsführer Thomas Breidenbach noch einmal einen Rundgang durch den Altbau gemacht.

Noch vor dem Betreten des JHD Mitte, dem ehemaligen St. Josef-Stift, deutet Thomas Breidenbach in die Luft. „Diese Glocke ist ein Markenzeichen des St. Josef-Stifts“, sagt der JHD-Geschäftsführer. Diese haben die Ordensschwestern, die das Krankenhaus ursprünglich gegründet haben und schon lange aus dem Krankenhausalltag verschwunden sind, zum Gebet geläutet.

Brand auch Thema beim Rundgang

Das dk hat sich mit Breidenbach zu einem Rundgang durch den Teil des ehemaligen Josef-Stifts, der bald abgerissen werden soll , getroffen. Die Verabredung hatte es schon vor dem verheerenden Brand vor zwei Wochen gegeben. Der Rundgang zeigt, dass dieser Blick in die Vergangenheit auch ein neues Licht auf die aktuelle Katastrophe werfen kann: So hat die bewegte Baugeschichte des Hauses wohl dazu geführt, dass noch größerer Schaden bei dem Feuer verhindert wurde.

„Keimzelle“ im Keller noch erhalten

Zunächst geht es aber in das Untergeschoss des Krankenhauses. „Der Keller ist die Keimzelle. Das hier stand damals schon“, sagt Breidenbach. Mit „damals“ meint er das Jahr 1893: In dem Jahr erwarb die katholische Gemeinde die Villa des Korkfabrikanten Wieting an der Westerstraße. Darin wurde von Ordensfrauen aus der Kongregation der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth ein Arbeiterinnenheim eingerichtet. Zunächst bot es fünf, später 15 Krankenbetten. 1931 wurde das St. Josef-Stift groß umgebaut und erhielt mit 45 Betten die Konzession als Krankenhaus.

Unterschiedliche Bauhöhen verhindern Wasserschaden

Zwischen 1950 und 1967 sowie 1994 erfolgten weitere Umbauten. Zuletzt kam 2013 der Funktionstrakt mit OP-Sälen, Küche und Sterilisationsabteilung, in der jetzt nach dem Brand wieder gearbeitet wird, hinzu. Die vielen Bauabschnitte werden sichtbar, wenn man sich länger durch das Krankenhaus bewegt: Verwinkelt, fast labyrinthartig zeigen sich die einzelnen Flügel. „Altkatholische Bauweise“, nennt Breidenbach das. Teilweise sind die Böden in den neuen Gebäudeteilen höher als in den alten. „Der OP liegt fünf Zentimeter höher. Deshalb ist dort kein Löschwasser eingedrungen. Das war Glück im Unglück“, berichtet Breidenbach.

Kapelle mit Platz für Krankenbetten

Eine ungewöhnliche Bauweise hat auch die Krankenhauskapelle: Ihr Boden liegt im ersten Kellergeschoss. Was von der Blumenstraße aus betrachtet wie ein gedrungener Bau aussieht, wirkt von innen deutlich luftiger. Eine Besonderheit bietet die auch Empore. Durch eine Tür wurden hier Patienten in Betten hineingeschoben, damit auch sie die Gottesdienste verfolgen konnten. Nun wird – voraussichtlich Anfang 2017 – die Kapelle wie auch der größte Teil der Altbauten abgerissen. Lediglich das vom Brand betroffene Gebäude von 1994 und der Funktionstrakt von 2013 bleiben komplett stehen.

Brandschutzmauern erfüllen ihren Zweck

Nach dem Besuch in Keller und Kapelle geht es die Treppen hinauf in den dritten Stock. Hier lenkt Breidenbach den Blick zuerst auf den neueren Krankenhausbereich von 1994, dessen Obergeschoss vom Feuer zerstört wurde. Oder besser gesagt auf den Bereich davor im gleichen Stockwerk: Dieser ist nämlich nahezu unbeschädigt. „Hinter der Tür hat das Feuer getobt, hier ist nur ein wenig Löschwasser.“, sagt Breidenbach. Die Brandschutzmauer und Brandschutztür haben das Feuer abgehalten. „Wären Patienten in der betroffenen Station gewesen hätte, man sie zunächst hier her gebracht und dann nach draußen“, erklärt Breidenbach.

Weiterlesen: Pläne für Delmenhorster Klinik-Neubau vorgestellt

Weiter geht es zu den ehemaligen Wohnräumen der Ordensschwestern. Diese waren spartanisch eingerichtet: Ein kleines Waschbecken und einen kleinen Schrank gibt es dort. Schilder an den Türen zeugen noch von der ursprünglichen Nutzung. „St. Vinzens von Paul“ oder „St. Michael“ steht dort. An einer Tür fehlt das Schild. „St. Unbekannt“ hat dort jemand mit schwarzem Filzstift geschrieben. In den vergangenen Jahrzehnten dienten diese Räume nur noch als Umkleiden.

Alter Behandlungsstuhl steht unter dem Dach

Direkt unter dem Dach finden sich dann die richtigen Kuriositäten des Krankenhauses. „Hier sind die gesammelten Werke aus 100 Jahren Medizintechnik“, sagt Breidenbach, als er den Raum zu einer Abstellkammer öffnet. Und tatsächlich birgt dieser prall gefüllte Raum einige Einblicke in – glücklicherweise – längst vergangene Zeiten. Direkt in der Mitte steht ein weißer Stuhl. „Das war tatsächlich ein Behandlungsstuhl“, sagt Breidenbach. Mehrere Schlaufen lassen vermuten, dass Patienten darauf fixiert wurden. Auch alte Narkose- und Röntgengeräte, an die sich heute kein Arzt mehr trauen würde, werden dort aufbewahrt. „Wir sind hier in einem katholischen Krankenhaus: Da wird nichts weggeschmissen.“, sagt Breidenbach. Die aus heutiger Sicht teils kuriosen Geräte sollen weiter aufgehoben werden, eventuell für ein hauseigenes Museum.

„So baut heute niemand mehr OPs“

Dass große Teile des Altbaus in die Jahre gekommen sind, wird auch bei dem Gang in die alten Operationssäle sichtbar. „So baut heute niemand mehr OPs“, sagt Breidenbach, selbst gelernter OP-Pfleger. Eine Klimaanlage sucht man in dem Raum aus dem Jahr 1951 vergeblich. Ein Vorteil hatte der Operationssaal aber im Vergleich zum Kreißsaal auf der anderen Seite des Ganges: ein Fenster. „Hier sind wahrscheinlich abertausende Delmenhorster zur Welt gekommen“, meint Breidenbach, während er in die dunkle Kammer blickt.

Ein Markenzeichen soll erhalten bleiben

Im Jahr 2020 sollen all diese alten Räume durch den Neubau ersetzt sein . Das Glockentürmchen vom Dach soll aber erhalten bleiben. „Wir werden zusehen, dass wir ihn heil vom Dach bekommen und im neuen Krankenhaus sinnvoll integrieren“, sagt Breidenbach. Somit wird auch weiterhin ein Markenzeichen der Vergangenheit in der Zukunft des Krankenhauses weiterleben.


0 Kommentare