Wegen Totschlags verurteilt Bluttat in Delmenhorst: Zehn Jahre Haft für Angeklagten

Der 48-jährige Delmenhorster, der seine Ex-Partnerin am 7. März in Delmenhorst mit 31 Messerstichen umbrachte, muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Foto: NonstopnewsDer 48-jährige Delmenhorster, der seine Ex-Partnerin am 7. März in Delmenhorst mit 31 Messerstichen umbrachte, muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Foto: Nonstopnews 

Oldenburg/Delmenhorst. Im Prozess um die Bluttat an der Cramerstraße am 7. März dieses Jahres ist am Dienstag ein Urteil gesprochen worden. Der angeklagte Familienvater muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

Zehn Jahre Haft wegen Totschlags: Mit diesem Urteil des Landgerichts Oldenburg muss seit Dienstag ein 48-jähriger Delmenhorster leben. Der einstige Elektriker, der inzwischen von einer Erwerbsunfähigkeitsrente lebt, hat am 7. März dieses Jahres seine ehemalige Lebensgefährtin in der Küche der gemeinsamen Wohnung in der Cramerstraße erstochen – im Beisein der beiden gemeinsamen Kinder wie eines französischen Austauschschülers. Er bezeichnete die eigene Tat am Dienstag in seinem Schlusswort als „unverzeihlich“.

Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt

Mit seinem Urteil folgte das Schwurgericht um den vorsitzenden Richter Frederik Franz dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Nebenklage hatte eine noch höhere Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert, die Verteidigung für eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren plädiert.

Gutachten bescheinigt Täter Bewusstseinsstörung

Bereits am Freitag hatte eine psychiatrische Gutachterin dem Angeklagten für den Zeitraum der Tat eine „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“ bescheinigt und daraus eine „verminderte Steuerungsfähigkeit“ abgeleitet. Er habe seine einstige Partnerin nach einer Serie von Demütigungen und am Ende eines Streits im Affekt umgebracht.

Strafkammer und Staatsanwaltschaft waren aufgrund des Gutachtens von einem niedrigeren Strafrahmen ausgegangen, als ihn das Gesetz im Regelfall für Totschlag vorsieht: Statt von fünf bis 15 Jahren sei von zwei bis 11 Jahren und drei Monaten auszugehen gewesen, so Franz in seiner Urteilsbegründung. Strafmildernd habe das Gericht zudem gewertet, dass der Angeklagte reuig, voll umfänglich geständig und nicht vorbestraft gewesen sei.

Die Tat per se jedoch könne man sich schlimmer kaum ausmalen, erklärte der Vorsitzende und fügte mit Blick auf die Anklagebank hinzu: „Sie haben Ihren Kindern die Mutter geraubt.“ Es gebe für das Unfassbare keine gerechte Strafe.

31 Stiche mit drei Messern

Der Angeklagte hatte sein 46-jähriges Opfer mit drei verschiedenen Messern und mindestens 31 tiefen Stichen in Arme, Beine, ins Gesicht, vor allem aber in den Oberkörper getötet, wie ein Gerichtsmediziner ausgeführt hatte. Der Pathologe sprach von einer „Übertötung“, die Psychiaterin von einer „Hypertötung“ der einstigen großen Liebe. Der polizeiliche Mitschnitt eines Notrufs, den das Opfer offenbar selbst kurz vor seiner Hinrichtung getätigt hatte, half dem Gericht, die Tat minutiös zu rekonstruieren, und sorgte zugleich für tiefe Erschütterung im Gerichtssaal.

Angehörige des Angeklagten brechen zusammen

Franz musste seine Urteilsbegründung am Dienstag unterbrechen, weil zunächst der Vater, dann auch die Mutter des Angeklagten im Gerichtssaal zusammenbrachen. Ein Notarzt versorgte sie schließlich.


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