Landgericht verhandelt Bluttat Delmenhorster gesteht, seine Ex-Partnerin erstochen zu haben

Der Delmenhorster Rechtsanwalt Axel Heinken (links) mit dem geständigen 48-Jährigen, der sein Gesicht im Gericht hinter Akten verbarg. Foto: Alexander SchnackenburgDer Delmenhorster Rechtsanwalt Axel Heinken (links) mit dem geständigen 48-Jährigen, der sein Gesicht im Gericht hinter Akten verbarg. Foto: Alexander Schnackenburg 

Delmenhorst/Oldenburg. Er habe die Mutter seiner Kinder umgebracht und müsse bestraft werden: Ein 48-jähriger Angeklagter aus Delmenhorst gesteht vor dem Landgericht Oldenburg, dass er am 7. März seine Ex-Partnerin erstochen hat.

„Was ich getan habe, ist unentschuldbar.“ Mit diesen Worten hat am Donnerstag ein Angeklagter aus Delmenhorst seinen Prozess vor dem Landgericht Oldenburg eingeläutet. Dort muss er sich wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft hält ihm vor, im März dieses Jahres seine einstige Lebensgefährtin, eine Krankenschwester, nach einem Streit in der gemeinsamen Delmenhorster Wohnung erstochen zu haben .

„Meine Kinder hassen mich“

Wie schon gegenüber der Polizei, so zeigte sich der Angeklagte auch vor Gericht geständig: „Ich hab’ sie umgebracht und soll auch dafür bestraft werden. Ich bin ruiniert, meine Kinder hassen mich. Ob ich den Rest meines Lebens in Freiheit oder im Gefängnis verbringe, ist irrelevant“, so der 48-Jährige zum Auftakt einer gut 90-minütigen ersten Einlassung. Er äußerte sich ausführlich über seine Beziehung zur einstigen Lebensgefährtin, mit der zusammen er zwei schulpflichtige Kinder hat, welche zuletzt bei ihm lebten.

Offenbar Streit um das Sorgerecht

Doch so detailliert der Angeklagte über die Vorgeschichte berichtete, so fragmentarisch ist ihm die Bluttat selbst im Gedächtnis haften geblieben. Er könne sich im Wesentlichen nur noch daran erinnern, wie er vor seiner auf dem Bauch liegenden Lebensgefährtin in der Küche gekniet und auf sie eingestochen habe. Zuvor habe sie das Messer geführt, offenbar um sich selbst zu verletzen – und ihm diese Verletzungen anschließend in die Schuhe zu schieben. So habe sie erreichen wollen, dass man ihr und nicht ihm infolge der bevorstehenden endgültigen Trennung die Kinder zuspräche, beschrieb der Angeklagte das nach eigenem Bekunden rekonstruierte, nicht erinnerte Geschehen.

Angeklagter hat Niedergang hinter sich

Der ebenso eloquente wie gezeichnete Mann erzählte dem Schwurgericht um den Vorsitzenden Richter Frederik Franz nicht nur die tragische Geschichte einer in verheerender Weise scheiternden Beziehung, sondern – damit einhergehend – auch die seines persönlichen Niedergangs: vom erfolgreichen Elektriker und Großverdiener mit einem Jahreseinkommen in Höhe von 120.000 Euro zum zeitweise dem Alkohol verfallenen Frührentner mit bescheidener Erwerbsunfähigkeitsrente, den Hypotheken, Nachforderungen der Rentenkasse und vor allem der Lebensstil der nunmehr toten Lebensgefährtin nach und nach in die Knie gezwungen hätten.

Das Bild einer zerrissenen Familie

Während er zudem die Kinder versorgt habe, habe sich die Mutter in den letzten Jahren ihrer Beziehung nur noch drei bis fünf Tage pro Monat bei der Familie blicken lassen, wenn sie nicht gerade bei ihrem neuen Freund gewesen oder durch Diskotheken gezogen sei. Sie sei zeitweise „superlieb“, noch öfter aber eine Furie gewesen, die ihn immer wieder tief gekränkt habe, insbesondere am letzten Wochenende ihres Lebens. Dieses habe die Familie gemeinsam verbringen wollen. Über Nacht aber habe sie sich heimlich mit den Kindern davon geschlichen und ihn allein in der Wohnung zurückgelassen.

Das Landgericht Oldenburg setzt die Verhandlung am Freitag, 9. September, fort.


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