Neubau in Delmenhorst Fragen und Antworten zum Neubau des Josef-Hospitals

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Infoveranstaltung der SPD „Sicherung des Krankenhausstandortes Delmenhorst. Foto: Andreas NistlerInfoveranstaltung der SPD „Sicherung des Krankenhausstandortes Delmenhorst. Foto: Andreas Nistler

Delmenhorst. Bei der Informationsveranstaltung zum Josef-Hospital wurden zahlreiche Fragen zum Neubau beantwortet. Das dk hat sie protokolliert.

Die zahlreichen Fragen, die die mehr als 100 Besucher der Veranstaltung im Hotel Thomsen am Donnerstag stellten, richteten sich vor allem an JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach, den Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Harald Groth sowie an Helmut Fricke, den ehemaligen Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Bei einer Frage antwortete auch Gert Prahm, Vorsitzender des Betriebsrates am JHD-Deichhorst.

Ist während der Machbarkeitsstudien ein Verkehrskonzept zum Standort in der Innenstadt erstellt worden?

Dr. Harald Groth: „Bei der Abwägung der Standorte war eine verkehrliche Beurteilung nötig. Der Gutachter hat gesagt, dass es an dem Standort geht.“ Für den Bebauungsplan müsse nun während des Bauleitverfahrens ein ausführliches Verkehrsgutachten erstellt werden. Dies passiere gerade. „Dies ist ein völlig normales und gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren“, so Groth.

Muss unbedingt eine Einhäusigkeit hergestellt werden? Reicht nicht die Holding als gemeinsame Verwaltungsform?

Helmut Fricke: „Es muss eine Einhäusigkeit sein. Nicht, weil es das Land so will, sondern weil es finanziell nicht anders möglich ist.“

Thomas Breidenbach: „Bis vor Kurzem waren Viszeral- und Unfallchirurgie getrennt, die innere Medizin gab es an beiden Standorten. Das Personal, beispielsweise ein Chirurg, falls es zu einem Blinddarmdurchbruch kommt, musste an beiden Standorten für 24 Stunden am Tag vorgehalten werden.“

Wer ist Eigentümer der Grundstücke an der Wildeshauser Straße und an der Westerstraße?

Thomas Breidenbach: „Es gibt einen rechtlichen Eigentümer und einen wirtschaftlichen Eigentümer. An der Wildeshauser Straße ist der rechtliche Eigentümer die Stadt Delmenhorst, der wirtschaftliche Eigentümer ist die JHD-Holding. An der Westerstraße ist der rechtliche Eigentümer die Stiftung St. Josef-Stift, der wirtschaftliche Eigentümer ist dort ebenfalls die JHD-Holding.“

Was passiert, wenn am Neubau ein Hubschrauberlandeplatz nachgerüstet werden soll? Übernimmt das Land die Kosten?

Helmut Fricke: „Hubschrauberlandeplätze werden vom Land nicht gefördert. Die Auflagen für Landeplätze sind so verschärft worden, dass sich viele Krankenhäuser überlegt haben, nicht weiter einen vorzuhalten.“

Thomas Breidenbach: „Ungefähr viermal pro Jahr landet ein Hubschrauber in Delmenhorst. In der Regel sind das Verlegungsflüge. In Oldenburg gibt es eine Uni-Klinik für Unfall- und Neurochirurgie. Der Hubschrauber ist am Klinikum Links der Weser stationiert. Er landet nicht in Delmenhorst, er landet in Bremen oder in Oldenburg in einem Krankenhaus mit Maximalversorgung. Wir sind in Delmenhorst kein Maximalversorger und werden es nie werden.“ Auch der Landeplatz am Klinikum entspricht laut Breidenbach nicht mehr den heutigen Anforderungen: „Eine Ertüchtigung in diesem Bereich ist extrem aufwendig und würde mit Sicherheit nicht erfolgen.“

Wäre die Machbarkeitsstudie auch für den Standort in der Stadtmitte ausgefallen, wenn das Krankenhaus an der Wildeshauser Straße das katholische gewesen wäre?

Helmut Fricke: „Egal welcher Träger das Krankenhaus getragen hätte, wäre das Gutachten genau so ausgefallen.“

Die Anwohner der umliegenden Gemeinden sind darauf angewiesen, das Klinikum an der Wildeshauser Straße innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Wie soll das künftig möglich sein, wenn zwischen Autobahn und Krankenhaus noch weitere acht Ampeln liegen?

Helmut Fricke: „Früher hat man die Planung danach ausgerichtet, dass ein Krankenhaus maximal 30 Kilometer entfernt sein darf. Heute gilt, dass es in 30 Minuten erreichbar sein muss. Es gibt nur zwei Gebiete in Niedersachsen, in denen das nicht erreicht wird: Das eine liegt in der Lüneburger Heide, das andere in einem Moor bei Diepholz.“

Wird es Schwangerschaftsabbrüche im Josef-Hospital geben?

Thomas Breidenbach: „Es werden keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Auch im alten Klinikum hat es in den letzten Jahren keine Abbrüche gegeben. Diese werden ambulant bei Pro Familia durchgeführt.“

Wird es einen Betriebsrat für die Mitarbeiter des JHD-Mitte geben?

Gert Prahm (Betriebsratsvorsitzender des JHD-Deichhorst): „Wir haben eine Mitarbeitervertretung für die Mitarbeiter aus Mitte, einen Betriebsrat für die Mitarbeiter aus Deichhorst sowie einen Holding-Rat mit je drei Vertretern aus Deichhorst und Mitte. Sicher wird es irgendwann so sein, dass wir uns auf einen Tarif einigen müssen. Das Entgeltsystem bei TVöD und AVR ist aber kaum unterscheidbar. Bei AVR kommen lediglich die Lohnerhöhungen später. Dafür hat AVR aber auch andere Vorteile.“ (Anm. d. Red.: Die Mitarbeiter des JHD-Mitte werden nach den „Arbeitsverträgen in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes“ (AVR) bezahlt, die Mitarbeiter des JHD-Deichhorst nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). Obwohl beide Gesellschaften unter dem Dach einer Holding agieren, sollen die getrennten Tarife beibehalten werden.)

An der geplanten Stelle der geplanten Tiefgarage ist ein morastiger Untergrund. Ist ein Bau überhaupt möglich?

Thomas Breidenbach: „Seit etwa drei Jahren gibt es das Gesundheitszentrum an dieser Stelle. Das hat ebenfalls eine Tiefgarage. Der Bau von Tiefgaragen in morastigem Untergrund stellt heutzutage kein Problem mehr dar und ist auch kein zusätzlicher Kostenfaktor. Für den Hochwasserschutz wird das Gebäude so hoch gesetzt, dass es über dem bisher höchsten Hochwasser steht. Dazu gibt es noch das Rückhaltebecken in Schlutter.“

Wird es möglich sein, die Tiefgarage auf zwei Ebenen zu bauen?

Thomas Breidenbach: „Das wird zu prüfen sein. Wir haben am Standort Wildeshauser Straße derzeit 330 Parkplätze, es fehlen rund 100. Damit muss man auch an der Westerstraße rechnen. Ich glaube, dass mit dem Konzept des städtischen Parkhauses eine gute Lösung gefunden wurde.“

Was wird mit dem Höger-Bau an der Wildeshauser Straße? Gibt es Pläne für eine Nachnutzung?

Dr. Harald Groth: „Der Höger-Bau ist unbedingt zu erhalten. Leider wurde er seit 30 Jahren nicht ordentlich instand gehalten. Es gibt Voruntersuchungen von dem Architekten, der das Chile-Haus in Hamburg von innen neu gestaltet hat, was sich hier im Inneren machen lässt. Seien Sie sich sicher: Der Höger-Bau wird ein wichtiger und zentraler Standort in Delmenhorst bleiben. Seien Sie sich aber auch sicher, dass das teuer werden wird.“


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