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Gladbeck-Drama von 1988 Drehstart für Geiseldrama-Verfilmung in Delmenhorst

Von Thomas Breuer und Johannes Giewald


Delmenhorst. Ungewöhnliches Treiben in der Innenstadt von Delmenhorst: Im Hertie-Parkhaus haben am Donnerstag die Dreharbeiten zum Film über das Gladbecker Geiseldrama begonnen.

Aufregung in der Innenstadt von Delmenhorst. Straßen sind gesperrt, Passanten müssen Umwege in Kauf nehmen, um an ihr Ziel zu kommen. Im ehemaligen Hertie-Parkhaus haben am Vormittag die Dreharbeiten für den Film über das Gladbecker Geiseldrama begonnen.

In der Kirchstraße stehen ein alter Volkswagen Golf, ein Passat und ein Opel Commodore. „Ich habe den Commodore früher geliebt“, sagt ein begeisterter Passant. Die Autos bilden die zeitgemäße Kulisse auf der Straße. Die Zufahrt dorthin ist gesperrt, den Zugang zum Hertie Parkhaus verweigern Ordner komplett.

Zentrale am Rathaus

„Die meisten Anwohner reagieren freundlich“, erzählen zwei Ordner an der Langen Straße. Per Funk bekommen sie vom Set Anweisungen, wenn sie Leute durchlassen dürfen und wann eine Einstellung gedreht wird, sodass keiner vorbei darf. Kurz darauf hallt ein lauter Ruf aus dem Parkhaus. Sehen kann man von dem Dreh nichts.

Zwischendurch laufen Schauspieler, Komparsen und Drehassistenten vom Rathausplatz in Richtung Hertie-Parkhaus. Schauspieler Alexander Scheer, der Geiselnehmer Dieter Degowski spielt, kommt gerade aus der Maske und in Begleitung zweier Assistentinnen über die Lange Straße. Die Ähnlichkeit zum Geiselnehmer Degowski ist verblüffend.

Vor dem Rathaus hat die Filmcrew ihre Zentrale aufgebaut. Der Parkplatz am Hans-Böckler-Platz ist als Drehort ebenfalls gesperrt worden.

Weiterlesen: Geiselgangster Degowski kommt nicht vor Ende 2016 frei

1500 Komparsen

Die Dreharbeiten in Delmenhorst und Bremen werden nach Angaben des beauftragten Pressebüros bis in den September hinein dauern, wobei sich die Schauplätze abwechseln. Das Einsatzbüro Gladbeck der Polizei etwa werde in der alten Bremer Wollkämmerei nachgestellt.

Der Aufwand für den zweiteiligen Fernsehfilm (jeweils 90 Minuten) der Produktionsgesellschaft Ziegler Film ist beträchtlich. Die im Juli begonnenen Dreharbeiten werden bis in den Oktober hinein andauern, weitere Schauplätze sind Köln, Gladbeck, Duisburg und Düsseldorf. Je nach Aufwand besteht das Filmteam aus 50 bis 70 Personen. Das Ensemble der Schauspieler deckt 90 Rollen ab, dazu sind rund 1500 Komparsen verpflichtet. Auch in Delmenhorst hatte es ein Casting gegeben.

Bekannte Besetzung

Neben Alexander Scheer in der Rolle des Dieter Degowski wird Sascha A. Gersak den zweiten Entführer Hans-Jürgen Rösner verkörpern. Weitere prominente Mitwirkende sind Ex-„Tatort“-Kommissar Martin Wuttke und Ulrich Noethen (u. a. „Der Untergang“ und „Comedian Harmonists“).

50 historische Fahrzeuge sollen zum Einsatz kommen, einige davon konnten am Donnerstagvormittag auf der Kirchstraße bestaunt werden, darunter auch ein Jaguar älterer Bauart. Weitere 300 Fahrzeuge wird die Filmcrew für den Rahmenverkehr aufbieten, wobei diese Szenen andernorts gedreht werden.

In einem Informationspapier zum Film heißt es: „Um die Ereignisse des Sommers 1988 authentisch darstellen zu können, setzen die Abteilungen Szenen-, Kostüm-, und Maskenbild die 80er Jahre durch Requisiten, Kleidung und Frisuren sehr detailreich um. Auch viele Stunts, Spezialeffekte und aufwendige Fahraufnahmen sind im Produktionsablauf eingeplant, um die verschiedenen Stationen der dreitägigen Geiselnahme filmisch zu erzählen.“

Ausstrahlung noch offen

Der Zweiteiler „Gladbeck“ wird gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderung der MFG Baden-Württemberg und der „nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen“. Ziegler Film kooperiert dabei erstmals mit ARD Degeto und Radio Bremen für Das Erste.

Wann das Geiseldrama ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.

Rückblick: Das Gladbecker Geiseldrama – Eine Irrfahrt vor Publikum


Das Geiseldrama von Gladbeck

Dieter Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten 1988 drei Tage lang die Republik in Atem gehalten, als sie auf ihrer Flucht in Bremen einen Linienbus mit 30 Geiseln in ihre Gewalt brachten und damit quer durch die Republik fuhren. Zwei Geiseln und ein Polizist kamen beim Gladbecker Geiseldrama ums Leben. Beginn des Dramas war ein Banküberfall in Gladbeck im Ruhrgebiet gewesen.

In dem in Bremen entführten Linienbus erschoss Degowski den 15 Jahre alten Emanuele De Giorgi, der sich schützend vor seine kleine Schwester gestellt hatte. Eine zweite Geisel, die 18-jährige Silke Bischoff, starb später durch eine Kugel aus Rösners Waffe. Außerdem starb ein Polizist bei einem Unfall während der Verfolgung der Geiselnehmer.

Degowski und Rösner waren jeweils wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden.

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