Zukunft der Kaufhausbrache Neues Parkhaus ist Knackpunkt für Hertie in Delmenhorst

So soll es einmal aussehen, das neue Geschäftshaus im ehemaligen Hertie-Gebäude an der Langen Straße in Delmenhorst. Grafik: Angelis & PartnerSo soll es einmal aussehen, das neue Geschäftshaus im ehemaligen Hertie-Gebäude an der Langen Straße in Delmenhorst. Grafik: Angelis & Partner

Delmenhorst. Ein neues Parkhaus ist für die Vermarktungschancen des Delmenhorster Hertie-Gebäudes in der Einzelhandelsbranche von entscheidender Bedeutung. Interessierte Mieter aus der Modebranche sind da, wollen aber vor Verträgen Sicherheit über die künftigen Parkmöglichkeiten.

Ein Durchbruch bei der Vermarktung von Einzelhandelsflächen im künftigen neugestalteten Delmenhorster Hertie-Gebäude ist noch nicht geschafft. Doch nach Angaben von Projektchef Werner Uhde sieht es in den Verhandlungen mit Hauptmietern aus der Textilbranche „ganz ordentlich aus“. Ein Knackpunkt in den Gesprächen seien die Lage und die Erreichbarkeit eines unverzichtbaren Parkhauses im östlichen Teil der Innenstadt.

Vorwerk-Parkhaus „kein Riesending“

Dabei setzt Uhde, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Immobilien Holding (DIH), weiterhin auf ein Parkhaus im Bereich des Parkplatzes Am Vorwerk , das jedoch derzeit politisch nicht mehrheitsfähig ist. Es gehe dabei nicht um das von Anwohnern und Politikern gleichermaßen befürchtete „Riesending“, sondern lediglich um eine Hochgarage mit 120 Stellplätzen. Die könnte im vorderen Bereich des Vorwerks errichtet werden, ohne dass die angrenzende Grünanlage beseitigt würde. Dieser Standort sei optimal für die Zukunft des Hertie-Gebäudes, weil die Kunden durch die „Jeansgasse“ einen kurzen, direkten Zugang zur Fußgängerzone und zum neuen Kaufhaus-Haupteingang hätten.

Mietinteressenten wollen Klarheit

Eine Option wäre zwar auch ein Parkhaus-Neubau anstelle des jetzigen, das im Oktober abgerissen wird und eigentliche Platz machen soll für eine Wohnanlage. Jedoch sei die Lage für den Zufahrtsverkehr zu beengt, so dass eine neue Straßenanbindung erforderlich wäre. Außerdem würden die Kunden „von hinten“ ans künftige Kaufhaus geführt, was ebenfalls von Nachteil sei. Laut Uhde sind die Parkplatzbedingungen für die Mietinteressenten in den Verhandlungen bedeutendes Thema. Sie wollten verlässliche Angaben über Lage, Erreichbarkeit und Zuschnitt des künftigen Parkhauses haben. Eine mögliche Mitnutzung des künftigen, neuen City-Parkhauses am Stadtwall sei aufgrund der Entfernung keine Alternative. Der erhoffte Ankermiete aus dem Modesegment würde immerhin rund 1500 Quadratmeter im neuen Einkaufszentrum belegen, das Geschäfte im Untergeschoss, Erdgeschoss sowie in der 1. Etage vorsieht. In den beiden übrigen Etagen sollen Büroflächen angeboten werden, Wohnnutzungen sind nicht vorgesehen.

Zeitlicher Aufschub

Für den Abriss des Alt-Parkhauses läuft derzeit die Ausschreibung. Den ursprünglich im Frühjahr 2017 anvisierten Baustart zur Neugestaltung der Kaufhaus-Brache sieht Uhde aufgrund der noch offenen Fragen als nicht mehr erreichbar an. Bis Dezember muss die die Eigentümerfirma Erste Projektentwicklungsgesellschaft Delmenhorst (eine DIH-Tochter) Rat und Verwaltung eine Vermarktungsbilanz für die Verkaufs- und Büroflächen vorlegen. Die Stadt hatte für den Hertie-Umbau mit dem Investor DIH einen Stadtumbauvertrag geschlossen, der die Modernisierung und Instandhaltung der Kaufhaus-Ruine sowie den Abriss des Parkhauses beinhaltet. Zu den voraussichtlichen Kosten von 14,5 Millionen Euro würde die öffentliche Hand rund 5,5 Millionen Euro zuschießen – davon 1,85 Millionen von der Stadt Delmenhorst.


Aus dem im Dezember 2015 beschlossenen städtebaulichen Entwicklungskonzept für den Bereich Hertie: „Angestrebt wird, dass die Kaufhausbrache (Hertie) und das zugehörige Parkhaus erhalten bleiben. Beide Gebäude werden umfassend modernisiert und instandgesetzt. Sofern eine Modernisierung und Instandsetzung des Parkhauses nicht mehr möglich ist, ist das Parkhaus rückzubauen. Die Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahme schließt eine Entkernung des Geschäftsgebäudes und eine komplette Erneuerung der Fassade ein.

Zur Umsetzung des Entwicklungskonzeptes ist die Kaufhausbrache vollständig zu entkernen und die Fassade zur Fußgängerzone zurückzubauen. Die neue Gebäudefassade ist geschossweise zu gliedern und der Innenausbau der künftigen Nutzung anzupassen. Durch den Teilrückbau wird die heute geschlossene Fassade aufgebrochen und einzelne Gebäudeabschnitte lassen den gesamten Baukörper nicht mehr so massiv wirken. Ein Ausbau für Einzelhandel ist im Kellergeschoss, Erdgeschoss sowie im 1. Obergeschoss möglich. In den übrigen Geschossen sind Dienstleistungen und / oder eine Wohnnutzung möglich. Geschossigkeit: wie vorhanden. Bauflucht: Die vorhandene Bauflucht ist einzuhalten bzw. durch einen Teilabriss der Fassade ist die ursprünglich geschwungene Straßenführung wieder aufzunehmen.

Die Umgestaltung der Fußgängerzone im 2. Bauabschnitt (östlicher und westlicher Teil der Langen Straße) erfolgt im Rahmen der Innenstadtsanierung (Sanierungsgebiet Innenstadt-Zentrum) ab Januar 2016 für die Dauer von rund 2 Jahren. Die Lange Straße ist daher nicht Bestandteil des Stadtumbaugebietes.

Sofern das Parkhaus erhalten bleibt, erfolgt die Anbindung des Parkhauses an die Fußgängerzone durch eine Einkaufspassage mit Geschäften im Erdgeschoss und einem direkten Zugang zum Parkdeck über das 1. Obergeschoss. Nutzungen: Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sind gewerbliche Nutzungen (Ladenflächen mit einer Passage, kleinere Läden) zulässig. Ab dem 2. Obergeschoss sind Dienstleistungen und / oder Wohnnutzung zulässig.“

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