Pachtvertrag nicht verlängert AOK Delmenhorst muss Sitz an den Graftwiesen verlassen

Von Jan Eric Fiedler

Ein gewohnter Anblick für Delmenhorster: Die AOK-Filiale am Hans-Böckler-Platz besteht seit 60 Jahren. Nun hat die Stadt sich gegen eine Verlängerung des Erbpachtvertrages entschlossen. Foto: Andreas NistlerEin gewohnter Anblick für Delmenhorster: Die AOK-Filiale am Hans-Böckler-Platz besteht seit 60 Jahren. Nun hat die Stadt sich gegen eine Verlängerung des Erbpachtvertrages entschlossen. Foto: Andreas Nistler

Delmenhorst. Nach 60 Jahren endet kommendes Jahr die Ära der AOK am Hans-Böckler-Platz. Die Stadt will den im Juni 2017 auslaufenden Erbpachtvertrag nicht verlängern.

Die AOK wird das Gebäude am Hans-Böckler-Platz 16 voraussichtlich im kommenden Jahr verlassen. Dies bestätigte Jan-Gerd Indorf, Regionaldirektor der AOK in Oldenburg, auf dk-Anfrage. Der auf 60 Jahre geschlossene Erbpachtvertrag mit der Stadt Delmenhorst läuft zum 30. Juni 2017 aus. „Die Stadt hat sich entschieden, dass sie das Grundstück nicht abgeben möchte“, erklärt Indorf.

Stadt äußert sich nicht

Von der Stadt war gestern nicht zu erfahren, warum der Vertrag nicht verlängert wird. „Das ist eine vertragliche Angelegenheit, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren“, erklärte Stadtsprecher Timo Frers. Im Streit trennen sich die Stadt und die AOK aber nicht, wie Indorf versicherte. Er lobte die konstruktiven Gespräche mit Oberbürgermeister Axel Jahnz und Stadtbaurätin Bianca Urban.

Nachbarbauten wurden abgerissen

Das Gebäude hatte die AOK im August 1958 bezogen. Das damals moderne Bauwerk, das von anderen Krankenkassen zum Vorbild genommen wurde, war der erste Neubau der Nachkriegszeit am Hans-Böckler-Platz. In den 1970er-Jahren folgten das Hotel am Stadtpark und die Delmehalle in unmittelbarer Nachbarschaft. Beide sind mittlerweile wieder aus dem Stadtbild verschwunden.

AOK wollte ohnehin in Delmenhorst investieren

Dass die AOK am Standort Delmenhorst vertreten bleibt, ist für Indorf selbstverständlich. Die Delmenhorster Niederlassung werde wöchentlich von 800 Kunden besucht, insgesamt betreuen die 44 Mitarbeiter rund 50.000 Versicherte. (Weiterlesen: AOK Delmenhorst wächst überdurchschnittlich) Wo künftig die Anlaufstelle für die AOK-Kunden sein wird, steht noch nicht fest. Die Suche beginnt laut Indorf gerade erst. „Kaufen, Bauen, Mieten – alle Alternativen sind denkbar“, sagt er. Es sei ohnehin geplant gewesen, in Delmenhorst zu investieren. Auch eine Erweiterung am Hans-Böckler-Platz war angedacht worden. Dies hat sich aber durch die Pläne der Stadt zerschlagen.

Stadt unterstützt bei Standortsuche

„Wir haben nur noch ein Jahr. Das ist nicht viel Zeit“, ist sich Indorf bewusst. „Die Stadt hat ihre Unterstützung zugesichert, auch was eine Übergangszeit angeht, bis wir etwas Neues haben.“ Also wäre es durchaus möglich, dass die AOK etwas länger im gewohnten Domizil bleiben darf.

Grundstück war Teil der Graftbogen-Pläne

Welche Pläne die Stadt mit dem Gebäude hat, war noch nicht zu erfahren. Im Jahr 2009 war das Grundstück Teil der „Graftbogen“-Planungen, die diverse Neubauten im Bereich der Graft und der jetzigen Hotelwiese vorsahen. Nachdem im Jahr 2011 die Grundwasserproblematik durch die Abschaltung des Wasserwerks in der Graft aufgetreten war, wurden die Pläne nicht mehr erfolgt.

An Stelle des AOK-Gebäudes trat in den „Graftbogen“-Entwürfen ein mehrstöckiges Gebäude, das an das Wohnhaus an der Ecke Rudolf-Königer-Straße/Hans-Böckler-Platz angrenzend im Bogen bis zum Standort der abgerissenen Delmehalle verlaufen und gemeinsam mit dem „Atriumhaus“ auf der Hotelwiese eine neue Pforte zu den Graftwiesen bilden sollte.