Denkmalschutz in Delmenhorst Bauvorhaben an Delmestau könnte Überraschungen bergen


Delmenhorst. Der Hasberger Delmestau an der Museumsmühle soll ab kommender Woche saniert werden. Die ein oder andere Überraschung kann der Ochtumverband hier nicht ausschließen. Klar ist mittlerweile, dass die Stadt die Turbine in der Mühle nicht sanieren wird.

Ein großes Bauvorhaben steht in Hasbergen ab kommender Woche an: Am 25. Juli sollen die Sanierungsarbeiten am Delmestau an der Museumsmühle in Hasbergen beginnen. Die rund 370.000 Euro teuren arbeiten sollen Ende September beendet sein. Die Turbine in der Museumsmühle soll nun doch nicht saniert werden.

Bestandspläne aus 50er Jahren nicht mehr vorhanden

Dass die Arbeiten wohl nicht ganz unkompliziert werden, dies deutet sich beim Ortstermin mit dem Geschäftsführer des Ochtumverbands Matthias Stöver an. Dem Ochtumverband gehört das Mühlenareal, die Mühle selbst hat er an die Stadt verpachtet. Das Stauwerk, die Gewässersohle, die Wehrschwelle und das Tosbecken stehen vor der Sanierung durch den Verband . Allerdings könnten einige Überraschungen auf die Verantwortlichen warten: „Dass Tosbecken baut die Energie des Wassers ab und besteht aus Wasserbaustein und Beton, vermuten wir.“ „Vermuten“ sagt Stöver darum, weil nicht vollends bekannt ist, was die Verantwortlichen unter der Wasseroberfläche erwartet. Aus den 50er Jahren, in denen das Stauwerk gebaut wurde, sind schlicht nicht alle Bestandspläne erhalten geblieben. „Das ist ein gewisses Problem. Denn je nachdem, was wir finden, könnte dies Einfluss auf die Kosten haben“, so Stöver.

Nordsee hat Einfluss auf Delme-Wasserstand

Zunächst sollen etwa 50 Meter vor und hinter dem Stauwerk Spundwände gesetzt werden, um das Delmewasser aufzuhalten, so Stöver. Auch flussabwärts muss das Wasser aus nördlicher Richtung abgehalten werden, denn: „Es gibt hier einen Tidenhub von 1,80 Meter. Die Gezeiten der Nordsee machen sich auch hier bemerkbar.“ Während der Arbeiten wird das Delmewasser über das Gewässer Influt ums Stauwerk herumgeführt. Führt die Influt normalerweise 0,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wird während der Arbeiten auf vier Kubikmeter anschwellen, beschreibt Stöver. Für den unwahrscheinlichen Fall eines Hochwassers ist die Baustelle so aufgebaut, dass Sandsäcke und Spundwände leicht entfernt werden können und so die Delme wieder durch ihr gewohntes Bett fließt. Das die Arbeiten nötig sind, ist beim Ortstermin deutlich zu sehen: Die Tafeln der Stauanlage schließen nicht mehr richtig, einige Stahlträger sind von Rost befallen und an Mauer-Sohle und Turbinenhaus ist die Fugenmasse teilweise nicht mehr vorhanden.

Stadt: Turbine wird nun doch nicht saniert werden

Der Mühlenstau habe insgesamt drei Funktionen, so Stöver: So soll er die Turbine in der Museumsmühle betreiben, ist ökologisch wichtig, indem er den sogenannten Lockstrom für Fische abmildere, sodass sie stattdessen die Influt flussaufwärts schwimmen, und prägt durch das aufgestaute Wasser das Ortsbild. Die erste Funktion wird indes vorerst nicht erfüllt werden: Wie die Stadt auf Anfrage mitteilte, wird die Turbine in der Mühle im Zuge der städtischen Arbeiten nun doch nicht saniert werden. Der Aufwand sei derart umfangreich, dass die Kosten einfach zu hoch seien, sagte Stadtsprecher Timo Frers ohne eine Summe zu nennen. Er deutete an, dass die Wiederinbetriebnahme der 1849 erfundenen und 1950 eingebauten Turbine wohl von politischen Beratungen abhängen werde. Das Grundmauerwerk des Turbinenhauses soll aber parallel zu den Arbeiten am Stauwerk erneuert werden.

Kosten von 370.000 Euro

Insgesamt schätzt Stöver die Kosten der Delmestau-Sanierung vorläufig auf 370.000 Euro. Diese trügen das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn und der Ochtumverband selbst. Ein großer Anteil der Gesamtsumme, rund 130.000 Euro, wird durch die Wasserhaltung verursacht. Hier „diskutiere“ der Ochtumverband mit der Stadt über eine Beteiligung. (Weiterlesen: Abgesenkte Delme verärgert Angler in Delmenhorst)


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