Delmenhorst wird Drehort ARD sucht Komparsen für Geiseldrama-Verfilmung

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Delmenhorst. Am 17. August 1988 machten die beiden Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski auf ihrer Flucht quer durch Deutschland Halt in Delmenhorst. Nun wird das Ereignis verfilmt – auch in Delmenhorst. Für die Dreharbeiten werden Komparsen gesucht.

Die Flucht dauerte drei Tage, am Ende waren drei Menschen tot und es folgte harsche Kritik an dem Verhalten von Polizei und Medien: Das „Gladbecker Geiseldrama“ hielt im Sommer 1988 ganz Deutschland in Atem. Schauplatz der Flucht von Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degoswki war am 17. August 1988 auch Delmenhorst.

Nun verfilmt die ARD die spektakuläre Geiselnahme für einen Zweiteiler und sucht für die Dreharbeiten in Delmenhorst und Bremen über 400 Komparsen. „Gesucht werden spezielle Typen Männer und Frauen, die den Zeitgeist der 80er Jahre verkörpern“, erklärte Simone BenCherif-Richter von der Bremer Schauspielagentur Les Acteurs, die für das Casting der Statisten in Bremen beauftragt wurde. Einen für die 80er-Jahre typischen Schnurrbart könnten sich die Männer noch bis Drehbeginn wachsen lassen.

Drehorte bleiben geheim

Am 23. Juli veranstaltet die Agentur von 11.30 bis 18 Uhr ein offenes Casting für Interessierte ab 18 Jahren im Kulturzentrum Lagerhaus an der Schildstraße in Bremen. Die Dreharbeiten sollen in dem Zeitraum vom 25. August bis 22. September in Delmenhorst und Bremen stattfinden. Wo genau gedreht werden soll, wurde nicht verraten. „Zu dem Inhalt darf ich Ihnen nicht mehr erzählen“, sagte Simone Ben Cherif-Richter. Speziell werde nach einem Mann und einer Frau mit indischer oder tamilischer Herkunft gesucht, weil ebenso ein Pärchen aus dieser Region damals bei der Entführung eines Linienbusses in Bremen festgehalten wurde. „Die müssen natürlich Angst verkörpern können und das nervlich aushalten“, meinte BenCherif-Richter über die heftigen Szenen der Geiselnahme.

Wenn möglich, sollen die interessierten Darsteller schon mit der zeitgemäßen Mode aus den 1980ern bei dem Casting erscheinen. Ansonsten gibt es eine Kostüm-Anprobe im Fundus der Kostümbildnerin. Etwa zehn bis zwölf Stunden werden die Komparsen pro Drehtag am Set gebraucht. Dafür erhalten sie eine Gage in Höhe des Mindestlohns.

Schauplatz Hasporter Damm

Am 17. August 1988 gegen 17 Uhr hielten die beiden Geiselnehmer Rösner und Degowski auf dem Gelände der ehemaligen Autovermietung „Autohansa“ am Hasporter Damm in Delmenhorst, das zuletzt von der Baguetterie Paris genutzt wurde. In Begleitung einer männlichen Geisel und der Freundin Rösners forderten die beiden Geiselnehmer die Herausgabe eines Autos.

Das Delmenhorster Kreisblatt schrieb damals: „Plötzlich ging alles ganz schnell: Die Gangster schnappten sich den Autoschlüssel, schubsten ihre Geisel in den „318i“ mit dem Bremer Kennzeichen HB-KT178 und verschwanden in Richtung Hansestadt.“ In Bremen kaperten die beiden einen Stadtbus und nahmen weitere Geiseln.

Geiselnehmer wollte Film rechtlich verhindern

Bevor die Dreharbeiten für den Film beginnen konnten, mussten zunächst juristische Hürden überwunden werden. Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner hatte den Film aus der Haft heraus durch einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verhindern wollen. Das Landgericht Aachen war aber der Ansicht, Grundrechte wie die Rundfunk- oder Kunstfreiheit stehen über diesen Rechten. Wann der Film von Regisseur Kilian Riedhof im Fernsehen zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Vor der Kamera stehen unter anderem Martin Wuttke (Leipzig-“Tatort“) und Ulrich Noethen („Das Tagebuch der Anne Frank“).


  • Am Morgen des 16. August 1988 hatten Rösner und Degowski in Gladbeck im Ruhrgebiet eine Bank überfallen und Geiseln genommen. Von dort aus flohen sie durch mehrere Bundesländer, kurzzeitig sogar durch die Niederlande.
  • Am 17. August gegen 17 Uhr hielten sie auf dem Gelände der ehemaligen Autovermietung „Autohansa“ am Hasporter Damm in Delmenhorst und besorgten sich dort ein neues Auto. Anschließend fuhren sie nach Bremen, wo sie einen Stadtbus kaperten.
  • Nach 54 Stunden beendete ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die Geiselnahme auf der Autobahn. Im Kugelhagel starb die Geisel Silke Bischoff, laut Obduktionsbericht durch eine Kugel der Waffe von Rösner. Auch der 15-jährige Italiener Emanuele De Giorgi wurde von den Geiselnehmern getötet, ein Polizist starb bei der Verfolgung in die Niederlande bei einem Unfall.
  • Die Polizei war bei dem Geiseldrama damals stark in die Kritik geraten, weil sie mehrere günstige Gelegenheiten für einen Zugriff verstreichen ließ. Auch das Verhalten der Presse wurde scharf kritisiert, weil einige Journalisten die Gangster bei der Tat interviewt hat.
  • Rösner und Degowski wurden am 22. März 1991 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Ein Entlassungstermin nach fast 28 Jahren Haft ist noch nicht absehbar.

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