Umfrage unter Besitzern Wie hoch sind die Mieten in der Delmenhorster City?

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Delmenhorst. Wie viel Geld wird aktuell für gewerbliche Mietobjekte in der Delmenhorster Innenstadt verlangt? Antworten auf diese Frage soll erstmals seit sechs Jahren jetzt wieder eine schriftliche Umfrage bei den Immobilienbesitzern ergeben. Deren Mitwirken wird allerdings freiwillig sein.

Initiator ist der Gutachterausschuss für Grundstückswerte (GAG) Oldenburg-Cloppenburg. Er hat den gesetzlichen Auftrag, den Grundstücksmarkt und die Bodenrichtwerte für alle Bürger nachvollziehbar aufzubereiten.

Die neue Erhebung knüpft an die bislang letzte von 2010 an, die durchaus breit gefächerte Ergebnisse in 1a- und 1b-Lagen in der Innenstadt gebracht hat. Demnach wurden seinerzeit an der Langen Straße zwischen Rossmann und dem Hertie-Haus an Nettokaltmiete zwischen 24 und 47 Euro pro Quadratmeter verlangt, mit Spitzenwerten in den Kreuzungsbereichen Lange Straße/Bahnhofstraße und Lange Straße/Kirchstraße. In angrenzenden Lagen waren es zwischen zehn und 22 Euro.

Breit gefächerte Ergebnisse von 2010

Den schwächsten Wert in der Innenstadt mit durchschnittlich 4,50 Euro erzielte 2010 die Oldenburger Straße zwischen Mühlenstraße und Ludwig-Kaufmann-Straße. An der nördlichen Bahnhofstraße und Mühlenstraße (bis Louisenstraße) waren es im Durchschnitt immerhin noch neun Euro. Für die Cramerstraße zwischen am Vorwerk und Grüner Straße/Arthur-Fitger-Straße wurden im Schnitt sieben Euro erzielt, an der Langen Straße jenseits der Friedrich-Ebert-Allee fünf Euro.

Zu den Werten ist anzumerken, dass die erhobene Ladenmiete jeweils auf 100 Quadratmeter hoch- oder runtergerechnet wurde, um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen.

Nach Hunkemöller-Auszug laufen Verhandlungen

Über vermeintlich zu hohe Mieten in der City sprechen Kunden im Regelfall vor allem dann, wenn es Leerstände gibt. An der Langen Straße 15 etwa sind die Schaufenster nach dem Auszug von Hunkemöller vor wenigen Tagen verhängt. Ein neuer Mieter hat nach den Worten eines Miteigentümers noch nicht unterschrieben, „aber wir sind in Verhandlungen“. Von überzogenen Erwartungen seitens der Vermieter könne dabei keine Rede sein, man bewege sich im ortsüblichen Rahmen, heißt es. Eine exakte Summe ist auf Nachfrage nicht erfahren.

Die gibt es auch von Jürgen Schellenberger nicht, wohl aber die Nachricht, dass an der Langen Straße 10 nach der Schließung des Damenmode-Geschäfts „Taifun“ bereits Anfang August eine Neueröffnung ansteht. Der Hörgeräteakustiker Geers wird dort mit einer Filiale einziehen. „Die Lage passt, der Standort auch“, fasst Eigentümer Schellenberger die vorausgegangenen Gespräche mit seinem neuen Mieter zusammen.

Immobilienbesitzer investiert in sein Haus

Dass Taifun ausgezogen ist, kam für ihn nicht überraschend. Bereits vor einem Jahr sei eine Option auf Vertragsverlängerung zur Mitte 2016 nicht gezogen worden. Schellenberger hat sich seitdem um einen Nachmieter bemüht und nutzt die Zeit bis zur Neueröffnung intensiv. „Ich möchte eine Immobilie haben, die sich vernünftig präsentiert und in Ordnung ist“, sagt er und lässt derzeit unter anderem Kabelleitungen und Heizungsrohre im Gebäude überprüfen. Sein Mieter, der sich auf drei Jahre plus Option verpflichtet hat, soll mit den Gegebenheiten zufrieden sein.

Warten auf den Durchbruch bei Hertie

Dass Immobilienbesitzer in der City hinsichtlich der zu erzielenden Mieten zwar Wünsche, aber keine unrealistischen Vorstellungen haben, meint Makler Heinz Stoffels (RBS Immobilien). „Die Kunden, mit denen ich zu tun habe, sind sehr realistisch“, sagt er. „Die möchten vor allem langfristige Mieter haben.“ Er vermarktet in der Innenstadt derzeit noch ein Ladenlokal an der Langen Straße in der Nähe des Hertie-Hauses. Für knapp 150 Quadratmeter Verkaufs- und Nebenfläche werden dort 1500 Euro kalt verlangt. „Ein absolut fairer Preis“, sagt Stoffels. Wer jetzt zuschlage und sich länger binde, dürfe auf eine spürbare Belebung durch die Hertie-Entwicklung setzen.

Auch Makler Hermann Mahlstedt, der in der City einige Objekte betreut, sieht die Entwicklung bei Hertie als entscheidend an. Solange dort nicht sichtbar etwas passiere, „haben wir ein Problem“.


„2020 wird unser Jahr“, sagt Immobilienmakler Hermann Mahlstedt mit Blick auf die Innenstadt. Er sagt das mit einer Mischung aus Spaß und Ernst, die ausdrücken soll: So schnell, wie es manche gerne hätten, wird die Entwicklung nicht voranschreiten.

Mahlstedt kann die Situation bewerten. Er ist seit einem halben Jahrhundert mit dem Immobiliengeschäft vertraut und vermarktet auch derzeit einige Adressen in der City. Dabei stellt er mitunter fest, dass der Wille bei einigen Hausbesitzern, sich auf die Erfordernisse der Zeit einzustellen, noch nicht ausreichend ausgeprägt ist.

Mahlstedt empfiehlt, um lange Leerstände zu vermeiden, sich als Vermieter auf Staffelmieten mit anfangs niedrigen Zahlungen einzulassen. So könne etwa der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass es bis zur vollendeten Hertie-Belebung voraussichtlich noch bis Anfang 2018 dauern wird. Leerstand werde so vermieden und Eigentümer blieben nicht auf Betriebskosten und vergleichbaren Posten sitzen.

Alternativ gibt sich Mahlstedt als Befürworter von Mieten zu erkennen, die an den Umsatz gekoppelt sind. Sechs bis acht Prozent davon hält er für realistisch. „Große Umsätze sind derzeit nicht zu schaffen“, sagt er aber auch.

Aus Gesprächen mit der bereits wieder scheidenden Citymanagerin Angela Bartelt berichtet er von Überlegungen, so genannte Business Impovement Destricts (BIDs) einzurichten. Diese könnten nach seiner Einschätzung auch durch das Zusammenlegen einzelner kleinerer Häuser erreicht werden. „Die Fassaden bleiben stehen, dahinter wird Raum für größere Einheiten geschaffen“, erklärt Mahlstedt. tbre

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