Fehlende Kenntnisse beim Brandschutz Lehrfilm klärt Flüchtlinge über Brandschutz auf



Delmenhorst. Wie man in Deutschland sich im Brandfall korrekt verhält oder diesen am besten vermeidet, ist unter Flüchtlingen kaum bekannt, hier soll ein neuer Lehrfilm Abhilfe schaffen.

Brandschutz – dieses Wort ist in Deutschland ein Wichtiges. Sei es bei neuen Bauvorhaben oder im Zusammenhang mit der Nachrüstung von Brandmeldern in Wohnräumen. Doch der Begriff Brandschutz löst bei vielen Flüchtlingen, die nach Deutschland eingewandert sind, selbst wenn eine korrekte Übersetzung vorliegt, Unverständnis aus. So schildern es Andreas Hornschild von der Delmenhorster Berufsfeuerwehr, Ulrike Beiersdorf-Jüchter und Nexathi Lafiti vom Fachdienst Feuerwehr der Stadt. Sie haben jetzt zusammen mit einer Oldenburger Filmproduktionsfirma einen Lehrfilm in Sachen Brandschutz aufgelegt. Die Filmlizenzen sind am Freitag Oberbürgermeister Axel Jahnz übergeben worden.

Rauchmelder abmontiert oder überdeckt

Ursprung des Films seien Fehlalarme für die Feuerwehr in Flüchtlingsunterkünften gewesen. „Durch die andere Kultur ist die Kenntnis über Brandschutz kaum vorhanden“, beschreibt Hornschild. Die Folgen sind für das deutsche Verständnis teilweise abstrus: So seien mitunter Rauchmelder abmoniert worden, weil sie für Kameras gehalten wurden. Oder sie wurden mit einem Handschuh überstülpt, damit ohne Alarm im Innenraum gekocht oder geraucht werden konnte, schildert Beiersdorf-Jüchter. Lafiti, der mit seinen Albanisch-Kenntnissen etwa im Flüchtlingsheim am Stadion übersetzt hat, beschreibt, dass Löschdecken zum Zudecken benutzt wurden. Hornschild: „Auch wenn wir dann zu Einsätzen gerufen wurden und später erklärt haben, was falsch gemacht wurde, wurden wir nicht verstanden.“ (Weiterlesen: Themenportal Flüchtlinge in Delmenhorst)

Film erklärt mit einfachsten Mitteln

Das soll sich mit dem Film ändern. In sieben Kapiteln wird zum Beispiel erläutert, wie sich im Brandfall korrekt verhalten wird, wie ein Notruf abgesetzt wird oder wie ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke eingesetzt wird. Unter anderem wirken die Delmenhorster Hornschild, Lafiti und Beiersdorf-Jüchter mit. Der Film, der in neun Sprachen und mit Untertiteln vorliegt, erklärt mit einfachsten Mitteln: Handlungsanweisungen werden in einfacher Sprache gesprochen und mit Animationen ergänzt. Unter anderem wird auch auf Wählscheibentelefone eingegangen, „die stehen heute oft noch in Turnhallen und sind Jugendlichen gar nicht bekannt, Flüchtlingen aber sehr wohl“, schildert Hornschild.

„Film ist einmalig in Deutschland“

Oberbürgermeister Axel Jahnz ist begeistert von dem Projekt. „Das ist meines Wissens einmalig in Deutschland.“ Er will den Film beim Niedersächsischen und Deutschen Städtetag vorstellen, der AWO, Kitas und Schulen weiterreichen, damit sie ihn im Flüchtlingsheimen oder im Unterricht zeigen.

Weitere Sprachausgaben sollen folgen

Der Film ist eine Privatproduktion der Produktionsfirma und der Beteiligten aus dem Fachdienst Feuerwehr der Stadt. „Ziel ist jetzt, die Produktionskosten einzuspielen. Schaffen wir das, legen wir ihn in weiteren Sprachen auf“, kündigt Schwarzseher-Geschäftsführer Amon Thein an. Für ihn ist der Film auch Möglichkeit, sich für Flüchtlinge einzubringen. „Ich schäme mich für die Brandanschläge auf Flüchtlingsheime. So kann ich zumindest ein bisschen helfen.“

Auf Youtube kann das erste Kapitel in mehreren Sprachen gesehen werden, weitere Infos gibt es im Netz unter brandschutzvideo.de .


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