Abschied in den Ruhestand Jürgen Borchers verlässt seine Delmenhorster Oberschule

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Jürgen Borchers, langjähriger Schulleiter im Delmenhorster Stadtnorden, hat in der Markthalle seinen beruflichen Ausstand gegeben. Foto: Thomas BreuerJürgen Borchers, langjähriger Schulleiter im Delmenhorster Stadtnorden, hat in der Markthalle seinen beruflichen Ausstand gegeben. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. „Disziplinprobleme, die vor 40 Jahren noch zu den Ausnahmen zählten“, sagt Jürgen Borchers, „gehören heute zum Alltag.“

Diese Erkenntnis greift der 63-Jährige nicht aus der Luft, sondern kann sich bei ihr auf seine 40-jährige Erfahrung im Schuldienst berufen, knapp drei Viertel davon in leitender Funktion. Am Montag hat sich der Rektor der Wilhelm-von der-Heyde-Oberschule in der Markthalle im Beisein von 100 Gästen in den beruflichen Ruhestand verabschiedet.

Borchers, der aus Stadtoldendorf im Weserbergland stammt und heute in Hude lebt, hat sein Berufsleben ausschließlich in Delmenhorst verbracht. Erste Station war von 1976 bis 1987 die Hauptschule Süd, von der er als Konrektor an die damalige Hauptschule im Wilhelm-von-der-Heyde-Schulzentrum wechselte. 1989 wurde Borchers dort Rektor – im Rang eines Hauptlehrers, weil die übergeordneten Behörden mutmaßten, die Zahl der Schüler werde von 270 alsbald auf unter 180 sinken. Eine Fehleinschätzung.

Auflösung der Orientierungsstufen mit bewältigt

Mit der Auflösung der Orientierungsstufen 2004 wurden dort gar mehr als 500 Mädchen und Jungen unterrichtet. Ein weiter Einschnitt erfolgte, nachdem die Hauptschule und die Realschule im Schulzentrum Anfang 2010 den Antrag auf Zusammenlegung gestellt hatten und Borchers auch für dieses neue Schulgebilde die Leitung übertragen wurde. Ebenso wie 2012, als daraus die Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule wurde. Wie rasant der Wandel in Borchers letzten Berufjahren verlief, verdeutlicht die ein Jahr später folgende Einführung des Ganztagsbetriebs und der Inklusion. Letztgenannte sieht er nach wie vor als Herausforderung für die beteiligten Lehrer, denen er großes Engagement bescheinigt. Vielsagend fügt er mit Blick auf die Rahmenbedingungen an: „Ich hoffe, dass das noch mal rund läuft.“

Einsatz ohne Rücksicht auf die Gesundheit

Borchers, das war unüberhörbarer Tenor in der Markthalle, hat die Delmenhorster Schullandschaft in seinem Verantwortungsbereich geprägt. Sein Einsatz sei herausragend gewesen, seine Gesundheit habe er dabei nicht geschont. Ob Vertreter der Stadt, schulfachlicher Dezernent, Personalrat oder Elternvertreter, sie alle stellten Borchers’ Leistungen heraus.

Ihm selber, sagte er vorab im dk-Gespräch, sei es stets wichtig gewesen, „die Schüler auf die Berufswelt vorzubereiten“. Ob Praktika, Berufsinformationstag oder Berufsvorbereitungswoche, Borchers hat sich immer für vielfältige Angebote hierzu eingesetzt. „Ich wollte die Schule so voranbringen, dass sie in der Wirtschaft eine Anerkennung hat“, so der scheidende Leiter der 720 Schüler starken Oberschule. Zudem sollten auch die Lehrkräfte wieder mehr in Kontakt mit der Berufswelt außerhalb der Schulmauern kommen.

Immer den Kontakt auch zu den Eltern gesucht

Die Eltern hat er genauso gerne ins Boot geholt, getreu der Devise: „Nur wenn man den Weg mit den Eltern plant, dann findet man den optimalen Weg.“

Borchers legt sich fest: „Schule muss reagieren, darf aber nicht alles mitmachen.“ Dass die Lernbereitschaft vieler Schüler heute geringer ausgeprägt sei als früher, steht für den gelernten Mathe- und Physiklehrer fest. Immer neue Medien würden viel Aufmerksamkeit binden, zudem fehle zu oft die Unterstützung aus dem Elternhaus.

Wer Borchers an der Spitze der Oberschule folgt, ist noch nicht sicher.


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