Werkstatt für psychisch Beeinträchtigte Delmenhorst: Für Selbstwert und Halt

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Stapelt nun im Lager mit 370 Quadratmetern Fläche: Adriano Sforza hebt vor Besuchern der WID am Tag der offenen Tür eine Palette mit Autobauteilen heraus. Foto: Frederik GrabbeStapelt nun im Lager mit 370 Quadratmetern Fläche: Adriano Sforza hebt vor Besuchern der WID am Tag der offenen Tür eine Palette mit Autobauteilen heraus. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Lichtschranken, Eierzähler, Autobauteile: In der Werkstatt für Industrie und Dienstleistung finden Menschen Arbeit, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten. Diese lud nun zum Tag der offenen Tür ein.

Sie gibt Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Chance, am Arbeitsleben teilzunehmen – und vermittelt ihnen so ein höheres Selbstwertgefühl: Die Werkstatt für Industrie und Dienstleistung (WID) an der Butjadinger Straße innerhalb der Delmewerkstätten hat am Freitag zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Platz im Lager vervierfacht

Zusammen mit dem Tag der offenen Tür wurde auch das neue Lager der WID vorgestellt. Mit 370 Quadratmetern hat es beinahe die vierfache Größe des vormaligen Lagers. Die Zahl der Palettenplätze hat sich mit 234 Stück fast verachtfacht. „Dies bedeutet, dass wir Möglichkeiten für unsere Kunden bieten können – für unsere Beschäftigten“, kommentierte die Betriebsleiterin der Delmewerkstätten, Irina Schlüter. Eine Konkurrenz für die Fertigungsbetriebe des ersten Arbeitsmarktes sei man aber nicht. „Die arbeiten in ganz anderen Dimensionen“, so Schlüter.

Arbeit für Menschen mit psychischen Krankheiten

Im 20. Jahr der Delmewerkstätten in Delmenhorst finden derzeit 50 Beschäftigte mit psychischen Beeinträchtigungen eine Arbeit in der Einrichtung an der Butjadinger Straße, die seit 16 Jahren besteht. Betreut werden sie von neun Mitarbeitern, die in der Regel Fachkräfte mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung sind. „Bei uns kommen zum Beispiel Menschen unter, die im Laufe ihres Berufslebens oder durch einen privaten Schicksalsschlag eine schwere Depression erlitten haben“, beschrieb Schlüter. Oberstes Ziel sei es, sie wieder an den ersten Arbeitsmarkt zurückzuführen – oder sie wieder aufzufangen, klappe dies nicht. „Wir bewegen uns in einem ständigen Spagat zwischen dem Wettbewerb des Gewerbes und der Weiterqualifizierung unserer Beschäftigten“, schilderte sie. (Weiterlesen: Neues Lager für Delmewerkstätten an der Richtstraße: Auf in Richtung Zukunft)

Schritt für Schritt herangeführt

Diese setzen in der Werkstatt unterschiedlichste Teile zusammen: In einem Raum werden beispielsweise Sicherungskästen für Internetverteilerschränke, Eierzähler für Legebatterien oder Lichtschranken für Rohrpostsysteme gefertigt. Einen Raum weiter bauen die Arbeiter Verriegelungen für Mittelkonsolenfächer in Neuwagen zusammen. Durchaus komplex ist der Aufbau eines Gehäuses, durch das später Elektrokabel gezogen werden, um an ihnen die Isolierung zu prüfen. „Die Kräfte sind zwar ungelernt, aber wir führen sie Schritt für Schritt an die einzelnen Handgriffe heran“, beschrieb der Gruppenleiter und Schlossermeister Jan Mölck.

„Spüre starken Rückhalt“

Für die Arbeiter selbst bedeutet die Tätigkeit Selbstwert. So sagte eine langjährige Beschäftigte: „Einige Praktika habe ich in regulären Betrieben absolviert. Ganz geschafft habe ich es nicht. Aber hier spüre ich einen starken Rückhalt.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN