Ein Wahrzeichen im Mörtelkleid Delmenhorster Bildhauer stellt Wassertürme her

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Delmenhorst. Mörtel, Glasfasergewebe und Beton: Diese Materialien sind Mathias Rüfferts Leidenschaft. Mit ihnen fertigt er äußerst produktiv Delmenhorster Wassertürme. Bald sollen die ersten aus Keramik folgen.

Er ist 30 Zentimeter hoch, wiegt vier Kilogramm und ist in jeder erdenklichen Farbe erhältlich – und auf dem besten Weg, zum Stadtgespräch zu werden. Der Miniatur-Wasserturm. Mathias Rüffert fertigt das Delmenhorster Wahrzeichen aus Beton. Unter anderem. Ein Exemplar davon steht jetzt im Büro von Landesvater Stephan Weil. Bei dessen Stadt-Besuch vor Kurzem hatte Oberbürgermeister Axel Jahnz einen solchen Wasserturm übergeben – ein Umstand, über den Rüffert mit Stolz in der Stimme erzählt.

Turm mit Styropor-Basis

Rüffert fabriziert die Delmenhorster Wassertürme seit Frühjahr vergangenen Jahres. Sein erstes Exemplar fiel noch ein wenig wuchtiger aus, als die 30-Zentimeter-Miniatur. Zwei Meter maß Turm Nummer 1. Seine Ursprungsidee: Wie in Ganderkesee Ganter in allen Farbvariationen an vielen Ecken zu sehen sind, wollte er ein Delmenhorster Wahrzeichen ins Stadtbild rücken. „Der Wasserturm bot sich da an“, sagt Rüffert. Seine Skulpturen bestehen aus einem formgebenden Styroporkern, der von einem Kleid aus Klebemörtel und Glasfasergewebe umgeben ist. Darauf trägt Rüffert Farbe und gegebenenfalls Lack auf. „Diese Bauweise hat den Vorteil, dass die Skulpturen sehr leicht sind“, sagt der frühere Bodenleger. Als er etwa kürzlich bei der StadtWerkegruppe einen Wasserturm präsentierte, konnten er und Rüfferts Frau sich locker einen Turm unter den Arm klemmen, um ihn in den ersten Stock zu tragen. Da war die Miniatur aber wieder geschrumpft. Die Stadtwerke bevorzugten ein kleineres Exemplar um die 1,60 Meter. Wenn man so will, hat Rüffert nun die Ganderkeseer Idee weiterentwickelt, indem er Mini-Wahrzeichen als Dekoartikel aus Beton gefertigt hat.

Spiel mit Worten

Aber seine Kunst dreht sich nicht ausschließlich um den früheren Delmenhorster Wasserspeicher. In seiner Garage trocknet gerade der Mörtel einer Skulptur, die später einmal eine knapp 1,90 Meter hohe Gartenuhr werden soll (Rüffert: „Ich dachte, vielleicht braucht jemand so etwas.“). Im Hauseingang befindet sich ein mannshoher „Zahn der Zeit“, ein Zahn mit überlangen Wurzeln, der ebenfalls eine Uhr enthält. Im Keller steht ein Tisch mit einem Gesicht in Leuchtfarbe, das im Dunkeln leuchtet. Im Wohnzimmer fußt ein umgedrehter Rotdorn aus dem Garten ohne Rinde und in Klarlack auf seinen Ästen, der ebenfalls eine Uhr enthält. Und im Treppenhaus hängt ein Gemälde, dass das Delmenhorster Stadtwappen zeigt – bloß mit Wasserturm, statt mit Burgturm. „Das habe ich der Stadt als neues Wappen vorgeschlagen. Die Idee kam aber nicht so gut an“, scherzt der Bildhauer.

Schnörkelig-kaulquappiges Gebilde

Rüffert quillt geradezu über vor Ideen. Damit er nichts vergisst, dient ihm ein Notizbuch als Gedankenstütze. „Essenszeit“ lautet da beispielsweise ein Eintrag. Was sich Rüffert aber dabei gedacht hat, weiß er heute nicht mehr. Wie beim „Zahn der Zeit“ arbeitet der Delmenhorster gerne mit Wortspielen. So findet sich im Keller zum Beispiel eine „Eieruhr“, eine eiförmige Styropor-Mörtelkugel mit Ziffernblatt und Zeigern in einer grünlichen Marmorierung. Manchmal folgt er aber einfach nur einem bestimmten Impuls. Über ein schnörkelig-kaulquappiges Gebilde sagt (Rüffert: „Hier musste ich einfach einen Kringel machen.“)

Größter Coup bleibt der Wasserturm

Der größte Coup, wegen des Wiedererkennungswerts, bleiben aber die Wassertürme. Auf sie ist Rüffert Stolz - und dazu versprüht er einen knallharten Optimismus. Das darf man wohl behaupten von jemanden, der 300 Skulpturen nach eigenem Entwurf aus Keramik bestellt, und tief in sich die Sicherheit trägt, dass er sie auch loswird. Zu verlieren habe er ja nichts, sagt er. Die Dinger stelle er ohnehin her. „Im Vergleich zum Fleischer habe ich einen Vorteil: Meine Sachen werden nicht schlecht.“


Eine Übersicht zu Mathias Rüfferts Werken ist unter www.künstlerstein.de einsehbar. Kontakt unter Telefon (04221) 5845182.

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