Delmenhorster Stadtarchivar Letzter Arbeitstag am Fuß des Wasserturms


Delmenhorst. Am Dienstag verlässt Werner Garbas das Stadtarchiv, das er seit 1981 gepflegt hat. Mit zahlreichen Veröffentlichungen und Ausstellungen hat er vielen die Stadthistorie nähergebracht.

Nicht mit einem Donnerschlag, nein, ganz still und leise möchte er sich verabschieden: Werner Garbas hat am Dienstag, 12. April, seinen letzten Arbeitstag in dem schmalen Büro im Anbau des Wasserturms. 34 Jahre lang hat der gebürtige Delmenhorster das Gedächtnis der Stadt gepflegt und gemehrt. Im Dezember 1981 hatte er die Leitung des Stadtarchivs übernommen.

Berufliche Anfänge in Bremen

Eine Position, die Garbas ursprünglich gar nicht angestrebt hatte. Schließlich war er bereits seit einigen Jahren im Staatsarchiv Bremen angestellt. „Wir waren in Bremen knapp 40 Mitarbeiter, dort wurde strikt ressortmäßig gearbeitet“, blickt der 62-Jährige auf seine beruflichen Anfänge zurück. Ganz anders die Bedingungen an seinem neuen Arbeitsplatz zu Beginn der 80er Jahre: „Ich war froh, hier eine Art Einzelkämpfer zu sein.“ Über einen ehemaligen Studienkollegen hatte Garbas erfahren, dass die Stelle als Archivleiter in Delmenhorst neu zu besetzen war. „Nur interessehalber“ sei er dem nachgegangen, kurz darauf stand er im Dienst seiner Heimatstadt, die er nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium verlassen hatte.

Zahlreiche Ausstellungen und Publikationen

Zu den ureigenen Archivaufgaben sind im Laufe der Jahre einige Tätigkeiten hinzugekommen, die Garbas mit Herzblut, Kompetenz und Sachlichkeit anpackte. So stellte er bereits 1982 die erste einer Reihe von Ausstellungen mit Materialien aus dem Archivbestand zusammen. Auch mit einer Vielzahl von Publikationen hat Werner Garbas die Geschichte der Stadt einem breiteren Publikum nahegebracht.

Stadtchronik bis 2006 fortgeschrieben

Besonders am Herzen lag ihm dabei das Chronik-Projekt, das er noch vor Eintritt in den Ruhestand abschließen konnte: Mit einem dritten Band hat Garbas die Delmenhorster Stadtchronik nach 1945 bis in das Jahr 2006 fortgeschrieben. Von den Ausarbeitungen des Stadtarchivars haben nicht zuletzt die „Von Hus un Heimat“-Leser profitiert. Hervorzuheben sind die Porträts verstorbener Persönlichkeiten in Gestalt der „Lebensbilder“, die auch in Buchform erschienen sind, sowie die Vorstellung markanter Altbauten der Stadt. Das Schreiben ist zugleich eine Tätigkeit, von der der Ruheständler auch künftig nicht ganz lassen will: „Ein Touristikführer für das Oldenburger Land, der sich an den historischen Aspekten orientiert, und ein Delmenhorst-Bildband schweben mir vor.“

Herausforderung der Digitalisierung erreicht Archive

Die Übertragung von zusätzlichen Aufgaben wie etwa im Zuge neuer Nutzungsbedingungen bei den Standesämtern, wodurch deren Register nach einer gewissen Zeit ins Archiv überführt wurden, zählt Garbas zu den spürbaren Veränderungen während seiner Amtszeit als Archivleiter. Genealogische Anfragen und Erbenermittlungen haben in der Folge ein gehöriges Stück der Arbeitszeit aufgefressen. Da die Dokumente und Akten, die für die Nachwelt aufbewahrt werden, erst nach rund 30 Jahren das Stadtarchiv erreichen, schlage die Digitalisierung dort erst in den kommenden Jahren richtig durch, erklärt Garbas. „Das ist ein riesiges Problem, das auf die Archivare zukommt.“ Ein Problem, mit dem er sich nun nicht mehr herumschlagen muss: „Darüber bin ich wirklich froh.“


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