Neue Boxgruppe beim TV Jahn Auch zarte Frauenhände können hart zuschlagen

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Bianca Hartwig (links) und Viktoria Einemann machen erstmals mit beim Boxtraining des TV Jahn für ältere Erwachsene. Foto: Dirk HammBianca Hartwig (links) und Viktoria Einemann machen erstmals mit beim Boxtraining des TV Jahn für ältere Erwachsene. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Das neue Boxtraining für ältere Erwachsene beim TV Jahn findet großen Anklang bei Frauen. Einige erhoffen sich auch eine Steigerung des Sicherheitsgefühls.

Dagmar Wiedner hat Blut geleckt: Während die schon etwas fortgeschritteneren Kursteilnehmer auf der Matte Dehnübungen für Bauch, Po und Beine ausführen, zieht es die Freizeitsportlerin, die zum ersten Mal Boxhandschuhe übergezogen hat, an den Sandsack. „Ich möchte Boxen“, sagt sie bestimmt und bearbeitet nach einer kurzen Pause wieder fleißig den träge pendelnden Boxsack.

Wiedner gehörte am Montagabend zu einer Gruppe von Neulingen, die zum ersten Mal in das noch junge Trainingsangebot des TV Jahn hineinschnupperten. Die Boxabteilung des Sportvereins hat eine neue Boxgruppe ins Leben gerufen, die sich anders als die bestehenden Angebote explizit an die „etwas älteren Erwachsenen“ richtet, wie der Vereinspostille „Jahn-Nachrichten“ zu entnehmen ist. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so gut ankommt“, staunte Trainer Ralf Carus am Montagabend nicht schlecht, dass er diesmal rund 30 Männer und Frauen in der altehrwürdigen Jahn-Sporthalle an der Schulstraße begrüßen konnte.

„Glaube, dass einige Frauen lernen wollen, wie man sich wehren kann“

Gestartet war die Gruppe, die sich an jedem Montag von 20 bis 21 Uhr trifft, am 11. Januar mit acht Teilnehmern. Seitdem, so hat Carus beobachtet, hat es einen kontinuierlichen Zuwachs gegeben. Auffällig dabei ist, dass auch immer mehr Frauen sich in die Geheimnisse dieser Kampfsportart einweihen lassen wollen. Denn wurde zum Auftakt nur eine Teilnehmerin gezählt, so zogen in dieser Woche bereits elf Frauen die Boxhandschuhe an.

Ist das ein Zufall nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht, die zu Jahresbeginn bundesweit Schlagzeilen gemacht hatten? Ralf Carus glaubt das nicht: „Ich denke schon, dass einige Frauen hierher kommen, um zu lernen, wie man sich wehren kann.“

Angstabbau ist wichtiger Aspekt des Trainings

Genau darin liegt die Motivation für Dagmar Wiedner, sich der Boxgruppe anzuschließen: „Das Boxtraining ist eine tolle Reaktionsschulung. Ich glaube, dass mir das mehr Selbstvertrauen gibt, wenn ich mal alleine unterwegs bin.“ Auch Viktoria Einemann sieht im Angstabbau einen wichtigen Aspekt des für jedermann geeigneten neuen Boxangebots des TV Jahn: „Es ist klasse, wenn man sich in bestimmten Situationen verteidigen kann.“ Deshalb hat die Ganderkeseerin ihre inzwischen erwachsenen Kinder schon mit sechs Jahren zum Jiu-Jitsu geschickt – sie habe so ein besseres Gefühl gehabt, wenn der Nachwuchs sich im jugendlichen Alter dann noch bis spätabends in der Disco tummelte. Dennoch habe für sie persönlich der Fitnessaspekt den Ausschlag gegeben, zum ersten Mal beim Boxen in der Jahn-Halle vorbeizuschauen.

Vom Ehemann zum Mitmachen motiviert

Bei Bianca Hartwig hat der Ehegatte ein wenig nachgeholfen, hat ihr das Kampfsporttraining nahegelegt: „Mein Mann möchte, dass ich mich verteidigen kann. Ich finde, es kann nicht schaden, auch eine Frau sollte sich zur Wehr setzen können.“ Alle drei waren sich nach der Premierenstunde einig, dass sie weitermachen wollen. Davon, dass das Boxtraining außer einer Förderung der Beweglichkeit und Fitness auch die Wehrhaftigkeit in brenzligen Situationen stärkt, ist der Trainer überzeugt: „Die Grundkenntnisse erlangen die Teilnehmer nach etwa vier Wochen. Wenn sie weitermachen, ist nach einem halben Jahr dann die Sicherheit da, sich wehren zu können.“

Boxschüler lernen, die Hemmschwelle zu überwinden

Zwar habe eine 60 Kilo wiegende Frau normalerweise keine Chance gegen einen 100-Kilo-Kerl, so Carus. Aber schließlich geht es ja nicht um einen regulären Wettkampf, sondern um den Überraschungseffekt: „Wenn eine Frau mit 60 Kilo richtig zuschlägt, ist der Angreifer erst mal geschockt.“ Vorausgesetzt, die Boxschüler haben gelernt, ihre Hemmschwelle zu meistern, gibt Carus zu bedenken: „In den ersten Stunden spürt man oft die Hemmung, zuzuschlagen.“ Um zu lernen, diese Scheu abzulegen, werden mitunter auch die Wettkampfboxer des TV Jahn mit ins Training einbezogen: Die Boxanfänger dürfen dann beim Sparring auf die „lebenden Sandsäcke“ draufhauen.


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