Flüchtlinge in Delmenhorst Privatsphäre hat bei Neuankömmlingen Priorität

Von Dirk Hamm

Heimspiel: Thomas Fohrmann (l.) und Michael Gellermann von der katholischen St. Marien-Gemeinde freuen sich, das Gemeindemitglied Petra Gerlach einmal in ihrer Funktion als städtische Fachbereichsleiterin begrüßen zu können. Foto: Andreas NistlerHeimspiel: Thomas Fohrmann (l.) und Michael Gellermann von der katholischen St. Marien-Gemeinde freuen sich, das Gemeindemitglied Petra Gerlach einmal in ihrer Funktion als städtische Fachbereichsleiterin begrüßen zu können. Foto: Andreas Nistler

Delmenhorst. Bis Ende März werden weitere 200 Flüchtlinge in Delmenhorst erwartet. Die Stadt strebt eine möglichst dezentrale Unterbringung an.

Die Einschätzungen und Einordnungen von Petra Gerlach zum Dauerbrennerthema Flüchtlinge sind in diesen Tagen sehr gefragt. Schließlich ist die Beamtin im Rathaus als Fachbereichsleiterin für die Unterbringung der Zuwanderer verantwortlich. In der St.-Marien-Gemeinde hatte die gläubige Katholikin gestern ein „Heimspiel“, als sie im Anschluss an den Gottesdienst im Gemeindesaal über die Situation der Flüchtlinge vor Ort sprach.

Bis Ende März kommen 200 weitere Flüchtlinge

Gerlach brachte ihre Zuhörer zahlenmäßig auf den neuesten Stand: Derzeit sind demnach 954 Flüchtlinge und Asylbewerber unter städtischer Verantwortung untergebracht. Gemäß der Zuweisungsquote des Landes für das erste Quartal muss die Stadt bis Ende März weitere rund 200 Flüchtlinge aufnehmen.

Grob zwei Drittel der zugewiesenen Familien seien in Wohnungen untergebracht, ein Drittel in zentralen Unterkünften. „Wir versuchen nach wie vor, die Menschen in Wohnungen unterzubringen, das können wir aber nicht mehr ausschließlich bewerkstelligen. Deshalb mussten wir auf Turmhallen umsteigen“, gab die Fachbereichsleiterin zu bedenken.

Bundeswehr hilft unbürokratisch bei Unterbringung

Auch bei den zentralen Behausungen ist es laut Gerlach das Ziel, die Unterkünfte so kleinteilig wie möglich zu gestalten, um das nötige Maß an Privatsphäre zu ermöglichen. Ein großer Schritt in diese Richtung stehe mithilfe der Bundeswehr bevor: Die Streitkräfte haben „auf ganz unbürokratische“ Weise den westlichen Teil ihrer Kasernen in Adelheide zur Verfügung gestellt. Dort werden derzeit neun bis zehn Gebäude hergerichtet und mit Kochgelegenheiten zur Selbstversorgung versehen. Zwischen 500 und 600 der derzeit in Turnhallen lebenden Flüchtlinge sollen hier ein Zuhause finden. Die ersten Bewohner seien bereits eingezogen.

Gutes menschliches Miteinander im Sprachkurs

Pastoralreferent Thomas Fohrmann stellte anschließend einige neu geschaffene Angebote der katholischen Gemeinde und des Caritasverbands in der Flüchtlingshilfe vor. Neben dem seit der Eröffnung im Dezember stark nachgefragten Möbellager an der Stadthofstraße verwies Fohrmann auf den Deutschunterricht in Allerheiligen, die Sprach- und Hausaufgabenbetreuung in der Oberschule Süd sowie die Annahme von gebrauchten Rädern. Waltraud Kurzhals-Dingel schilderte eindrucksvoll die schnellen Fortschritte und das gute menschliche Miteinander im Sprachkurs.