Tag der Zahnschmerzen Delmenhorster Kinderzahnarzt über das richtige Zähneputzen

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Kreisen und Schrubben: Kinderzahnarzt Jürgen Puhr zeigt, wie Kinderzähne richtig zu putzen sind. Foto: Frederik GrabbeKreisen und Schrubben: Kinderzahnarzt Jürgen Puhr zeigt, wie Kinderzähne richtig zu putzen sind. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Zugegeben, er klingt recht qualvoll, der Tag der Zahnschmerzen. Der Aktionstag wird Dienstag, 9. Februar, begangen. Das dk sprach mit dem städtischen Kinderzahnarzt Dr. Jürgen Puhr übers Schrubben, über Ernährung – und den großen Widersacher der Zahngesundheit.

dk: Herr Puhr, Kinder lieben ungesundes Essen, süße Getränke und Kollegen, die Eltern sind, berichten von einem gewissen Unwillen beim Zähneputzen. Lässt sich das auch für die Delmenhorster Kinder behaupten?

Jürgen Puhr: Nein, seit 1991 hat sich bei der Zahngesundheit viel getan. Damals ist den Gesundheitsämtern aufgetragen worden, die Zahngesundheit der Jugend zu verbessern. Die Zahl der naturgesunden Gebisse, also die noch nie ein Loch gehabt haben, ist bei Kindergartenkindern in dieser Zeit von 41 Prozent auf heute 74 Prozent geklettert. Bei Grundschülern ist der Anteil von 21 Prozent auf 52 Prozent gestiegen.

Worauf ist denn diese Entwicklung zurückzuführen?

Das liegt zum Beispiel an einer besseren Vorsorge. Ich untersuche jedes Jahr 6000 Kinder in der Stadt, 120 sind es ungefähr jede Woche.

Dann müssten sie ja bekannt sein wie ein bunter Hund.

Stimmt, ich kann kaum über den Marktplatz gehen, ohne erkannt zu werden (lacht).

Wie kann man sich diese Vorsorgebesuche vorstellen?

Wir untersuchen, ob die Zähne behandlungsbedürftig sind. An die Eltern leiten wir Tipps zum Beispiel zur richtigen Ernährung weiter. Wir machen Kitas und Schulen auf Problematiken aufmerksam und unsere Prophylaxe-Fachkräfte geben Unterricht. Sie erklären zum Beispiel mit der Handpuppe Kroko, dem Krokodil, wie man sich richtig die Zähne putzt.

Wie putzt man sich denn die Zähne richtig?

Wir vermitteln die KAI-Technik. Das steht für Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen, die bei Kindern mit kreisenden und schrubbenden Bewegungen gereinigt werden sollten. Aber auch die Ernährung spielt für die Pflege eine Rolle. Obst, Gemüse oder Vollkornbrot haben sich heute in vielen Familien durchgesetzt. Ein Faktor ist aber auch, dass heute in 99 Prozent aller Zahnpasten Fluoride enthalten sind, die die Zähne härten.

Wie reagieren den die Kinder bei den Untersuchungen?

Die meisten sind offen und aufgeschlossen. Und wenn der Erste sich untersuchen lässt, wollen die anderen auch. Oft stellen die Erzieherinnen die Situation im Vorfeld nach. So sind die Vorbehalte nicht mehr so groß. Und das ist ja auch unser Ziel, die Angst vor dem Zahnarzt abzubauen, ehe Zahnkrankheiten zu groß werden.

Wenn sich die Zahngesundheit in den vergangenen Jahren so verbessert hat, haben Sie nicht Angst, sich irgendwann selbst überflüssig zu machen?

Naja, es ist ja das ärztliche Anliegen, sich selbst überflüssig zu machen. Wir haben ja aber noch einen großen Widersacher: Die Werbeindustrie. Sie bewirbt oft Getränke, die einen hohen Zuckeranteil haben. Oder nehmen sie Speisen: Heute enthält sogar industriell hergestellte Wurst oder Rahmspinat Zucker. Zucker hält sich bis zu zwei Stunden lang am Zahn. Eigentlich ist der Zahn das härteste Körpergewebe. Mit richtiger Ernährung und Pflege ist es möglich, die eigenen Zähne bis ins hohe Alter zu behalten.

Welche Ratschläge geben sie Eltern in der Regel mit auf den Weg?

Elektrische Zahnbürsten sind für Kinder einfach unnötig. Ein Vierjähriger ist mit der Benutzung einfach überfordert. Ich plädiere für Handzahnbürsten. Kinder sollen sich ja an die mechanischen Abläufe des richtigen Putzens im Mundraum gewöhnen. Die Zahnbürste sollte altersentsprechend und nicht zu groß sein und vor allem nicht mit anderen geteilt werden. So übertragen sich Bakterien und Speichel nicht. Zudem sollten Eltern bei Kindern bis sieben Jahren abends immer nachputzen, bis die Kinder die Abläufe verinnerlicht haben.


Zur Person:

Dr. Jürgen Puhr ist 58 Jahre alt und stammt aus Thüringen. Er hat Zahnmedizin in Jena studiert und kam als Facharzt für Kinderstomatologie (Kinderzahnheilkunde) 2003 zum Fachdienst Gesundheit der Stadt Delmenhorst. Pro Jahr untersucht er rund 6000 Kinder aus Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen in der Stadt.

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