dk-Interview Comedian Florian Schroeder kommt nach Delmenhorst

Von Marco Julius

Florian Schroeder, unter anderem bekannt als Parodist und Moderator der SWR „Spätschicht“, kommt ins Kleine Haus. Foto: Frank EidelFlorian Schroeder, unter anderem bekannt als Parodist und Moderator der SWR „Spätschicht“, kommt ins Kleine Haus. Foto: Frank Eidel

Delmenhorst. Comedian Florian Schröder kommt mit seinem Programm am 14. Februar 2016 ins Kleine Haus. Im Interview spricht er über junge Wilde, Harald Schmidt und das Zeitalter der Selbstoptimierung.

Jeden Tag treffen wir 100000 Entscheidungen. Ausgehen oder zuhause bleiben? Bier oder Wein? Mieten oder kaufen? Heiraten oder trennen? Geschüttelt oder gerührt? „Da muss man ja verrückt werden“, sagt Comedian Florian Schroeder. Alles muss perfekt sein, der Job, das Aussehen, der Partner, die Freizeit. Schroeder bewegt sich in seinem Programm „Entscheidet Euch!“ zwischen Kabarett und Comedy, zwischen Politik und Philosophie, heißt es vorab.

dk: Mit Florian Schroeder kommt ein junger Wilder des Kabaretts nach Delmenhorst, so steht es in der Ankündigung. Wie lang geht man eigentlich als jung und wild durch? Ich frage da, Jahrgang 1973, aus Eigeninteresse.

In meiner Sparte, dem Kabarett, sehr lange. Es gab schon große Kollegen, die galten mit Anfang 50 noch als Nachwuchs. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, schließlich leben wir im Schnitt immer länger und wer da schon nach zwei Fernsehauftritten zum Messias erklärt wird, hat ein schweres Los.

Sie sind – noch ganz jung und wild – mit 14 Jahren in der legendären TV-Sendung „Schmidteinander“ von Harald Schmidt aufgetreten. Vermissen Sie den Großmeister auch so sehr? Oder schauen Sie heimlich „Traumschiff“?

Ja, ich vermisse ihn tatsächlich. Seine Stimme fehlt. Aber er ist ja jetzt ins seriöse Schauspielfach gewechselt. Ein nicht unübliches Outing im Spätherbst der eigenen Fernsehkarriere.

Für Sie geht es jetzt erstmal nach Delmenhorst. Fällt Ihnen spontan etwas zu der Stadt ein?

Element of Crime. Toller Song – und nicht der einzige von dieser fantastischen Band. Und Sarah Connor. Auch eine Musikerin, wie man hört.

Ihr aktuelles Programm „Entscheidet Euch!“ stammt aus dem Jahr 2014. Verändert sich das im Laufe der Tournee? Wie aktuell können Kabarett und Comedy sein?

Tagesaktuell. Ich ändere ständig, von der ersten Fassung ist fast nichts übrig. Ich muss auf Ballhöhe sein, spontan und so schnell wie möglich. Das macht es für mich und das Publikum spannender.

Haben denn ernste Themen wie die Flüchtlingsdebatte oder das Pegida-Theater Platz in einem humorvollen Programm?

Selbstverständlich. Selbst die Silvesternacht in Köln ist Thema. Müssen wir Angst haben vor dem arabischen Mann? Drei Umarmungen von wildfremden Männern, zwei Klapse auf den Hintern, ein hochgehobener Dirndlrock und ein absichtlich ins Dekolleté geschütteter Bierschwall sind die Bilanz einer Kellnerin auf dem Oktoberfest – nach 30 Metern morgens um 11. Da muss der Araber lange für Antanzen!

Welche Koalition sollte aus Sicht eines Kabarettisten eigentlich in Berlin regieren?

Wenn ich eine favorisierte Koalition hätte, sollte ich Politiker sein und nicht Komiker. Ich kommentiere das, was geschieht. Ich bin sozusagen ein verbaler Räumdienst dessen, was Andere sagen und tun. Als Aktivist würde ich mich lächerlich machen.

„Entscheidet Euch!“ ist nochmal das Stichwort. Können Sie sich gut entscheiden? Immerhin sind sie Comedian, Parodist, Kabarettist, Buchautor, Entertainer, TV-Moderator, Kolumnist und vieles mehr...

Blogger haben Sie vergessen. Und Social-Media-Clown. Letztlich ist das ja alles eins. Ich spalte meine Persönlichkeit in verschiedene Medien auf, immer mit dem Ziel, die Leute zu unterhalten. Insofern bin ich sehr entschieden.

Im Zeitalter der Selbstoptimierung suchen wir alle nach dem Perfekten. Was können wir in Ihrem Programm lernen? Warum ist es ein Trugschluss, dass nur wer alle Optionen kennt, optimale Entscheidungen treffen kann?

Ich finde schon den Anspruch der optimalen Entscheidung fraglich. Der Druck im Kessel wird durch den Anspruch des Optimalen riesig. Und je mehr Möglichkeiten wir haben, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, falsche Entscheidungen zu treffen. Viele Optionen und das Optimum schließen sich eigentlich aus. Wer das anstrebt, entscheidet unter Umständen gar nichts mehr, weil er gelähmt ist von den eigenen Ansprüchen.


Florian Schroeder, 36, wurde in Lörrach geboren. Er studierte Germanistik und Philosophie. Früh entdeckte er die Bühne für sich. Bekannt wurde er mit Parodien. Heute ist der erfolgreiche Comedian und Kabarettist auf vielen Kanälen zuhause. Er lebt in Berlin.