Terminservicestelle startet Zügige Facharzttermine für Delmenhorster Patienten

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Die neugestartete „TerminServiceStelle“ soll dafür sorgen, dass lange Wartezeiten bei der Vergabe von Facharztterminen vermieden werden. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpaDie neugestartete „TerminServiceStelle“ soll dafür sorgen, dass lange Wartezeiten bei der Vergabe von Facharztterminen vermieden werden. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Delmenhorst. Um eine schnellere Vermittlung von Facharztterminen zu ermöglichen, geht am Montag, 25. Januar, die sogenannte „TerminServiceStelle“ an den Start. Experten blicken dem neuen Vermittlungsdienst eher skeptisch entgegen.

Nachdem im vergangenen Sommer das Versorungungsstärkungsgesetz vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, startet die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) am kommenden Montag um 8 Uhr ihre Terminservicestelle zur Vermittlung von Facharztterminen. Dies geschieht jedoch keinesfalls freiwillig. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wurden per Gesetz zur Einrichtung des Vermittlungsdienstes verpflichtet. Ziel des Bundestags ist es, dass Versicherte mit einer Überweisung vom Hausarzt innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt erhalten. (Weiterlesen: Das ändert sich 2016: Gesundheit und Pflege)

KVN-Vorsitzender übt Kritik

„Trotz zahlreicher Gespräche mit der Politik ist es den Kassenärztlichen Vereinigungen nicht gelungen, den Gesetzgeber von der Einführung der Terminservicestellen abzubringen“, macht Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzende der KVN, deutlich. „Mit hohem finanziellem und bürokratischem Aufwand wird damit in unserem Gesundheitssystem eine weitere regulatorische Instanz geschaffen, die ein Problem lösen soll, das die OECD gerade erst als ‚Phantomdebatte‘ bezeichnet hat. Ganz bewusst hat die KVN in den vergangenen Monaten immer wieder von reiner Symbolpolitik gesprochen, wenn es um die Terminservicestellen ging“, erklärt Barjenbruch weiter.

Sorge um Erwartungshaltung der Patienten

Auch Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Oldenburg, sieht die Einführung der Terminservicestelle kritisch: „Ich befürchte, dass die Erwartungshaltung der Patienten nicht erfüllt werden kann. Es wird keine Termine bei Wunschärzten, zu Wunschzeiten oder in Wunschregionen geben.“ Grundsätzlich soll die Terminservicestelle der KVB gesetzlich krankenversicherte Patienten dabei unterstützen, binnen einer Woche einen Termin bei einem Facharzt innerhalb der nächsten vier Wochen zu vereinbaren. Der Patient benötigt dazu eine speziell gekennzeichnete Überweisung vom Hausarzt oder einem anderen überweisenden Facharzt. (Weiterlesen: Facharzttermine in Delmenhorst schwer zu bekommen)

Kein Wunschtermin beim Wunscharzt

Allerdings erfolgt über die Terminservicestelle keine Vermittlung eines Wunschtermins bei einem bestimmten Wunscharzt. Stattdessen erhalten Patienten einen Termin bei einem Arzt, der in dem jeweiligen Zeitraum freie Termine hat. „Es kann natürlich vorkommen, dass der Patient somit Termine erhält, die nicht unbedingt seiner terminlichen Zeitplanung entsprechen. Ebenso muss der Patient unter Umständen einen längeren Anreiseweg und damit einhergehend eine längere Fahrtzeit in Kauf nehmen“, erläutert Scherbeitz das System des Vermittlungsdienstes. Als zumutbare Entfernung zu allgemeinen Fachärzten, wie beispielsweise Haut-, Frauen-, oder Augenärzten, gelte laut der Internetseite der KVN mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Fahrtzeit von bis zu einer halben Stunde, während bei spezialisierten Fachärzten, wie Fachinternisten oder Radiologen, eine Stunde Fahrtzeit als zumutbar gelte. Nur wenn Patienten den Termin, den sie von der Terminservicestelle erhalten haben, noch am gleichen Tag absagen, ist der Vermittlungsdienst dazu verpflichtet, einen zweiten Termin anzubieten. (Weiterlesen: Delmenhorster Ärzte setzen auf Aufklärung)

Ausweichen auf Krankenhäuser

Falls die KVN-Terminservicestelle keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt anbieten kann, versucht sie, auf von Krankenhäusern gemeldete Termine für ambulante Behandlungen zurückzugreifen. „Die Politik hat in das Gesetz diesen tückischen Mechanismus eingebaut: Falls es der KVN nicht gelingt, rechtzeitig einen Termin beim Facharzt zu vermitteln, muss die Servicestelle zur ambulanten Behandlung an ein Krankenhaus überweisen. Die Behandlungskosten werden aus dem KVN-Budget bezahlt, also aus dem Honorar der Kassenärzte“, beklagt sich Barjenbruch. (Weiterlesen: Kassen warnen Ärzte vor Blockade beim Terminservice)

Gute Ärzteversorgung in Delmenhorst

Der Vorsitzende des Delmenhorster Ärztevereins, Jan Christiansen, steht der Einrichtung der Terminservicestelle ebenfalls kritisch gegenüber. „Ich halte die Installation für wenig sinnvoll. Das ist eine reine Zwangsmaßnahme. Wer einen dringenden Termin beim Facharzt benötigt, hat den bisher schon bekommen und er wird ihn auch in Zukunft bekommen“, stellt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt klar. Gleichzeitig möchte er alle Delmenhorster Patienten beruhigen. „Wir finden in Delmenhorst eine sehr gute ärztliche Versorgung vor. Der Kontakt zwischen Hausärzten und Fachärzten ist in Delmenhorst exzellent“, verrät Christiansen.

Dennoch sagt der Mediziner der KVN volle Unterstützung zu: „Wir werden die KV natürlich so gut es geht unterstützen und Termine freihalten. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit schauen wir, wie die Terminservicestelle funktioniert und welche Fachrichtungen besonders gefragt sind. Außerdem begleiten wir die Maßnahme auch wissenschaftlich, um zu überprüfen, ob tatsächlich Notwendigkeit besteht.“ (Weiterlesen: Delmenhorster Klinikärzte stimmen Sicherungstarif zu)

Verbraucherzentrale wartet Entwicklung ab

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen möchte die Entwicklung erst einmal abwarten, bevor sie sich klar positioniert. „Prinzipiell kann ich mir vorstellen, dass die neue Terminservicestelle vielen Patienten helfen kann. Aber man muss erst einmal gucken, wie der ganze Prozess in der Praxis umgesetzt wird und wie der Terminvergabedienst überhaupt von den Patienten angenommen wird“, hält sich Kai Kirchner, Referent für Gesundheit und Pflege der niedersächsischen Verbraucherzentrale, kurz vor dem Start der Terminservicestelle bedeckt.


Was leistet die „TerminServiceStelle“ der KVN?

Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen unterstützt Patienten auf Wunsch dabei, binnen einer Woche einen Termin bei einem Facharzt innerhalb von vier Wochen zu vereinbaren. Der Patient muss gesetzlich krankenversichert sein und eine speziell gekennzeichnete Überweisung vom Hausarzt oder einem anderen überweisenden Facharzt haben.

Ausnahmen: Für Termine beim Augenarzt oder beim Frauenarzt benötigen Patientinnen und Patienten keine Überweisung, um die KVN-Terminservicestelle in Anspruch zu nehmen.

Was leistet die „TerminServiceStelle“ der KVN nicht?

Über die Terminservicestelle der KVN erfolgt keine Vermittlung eines Wunschtermins bei einem bestimmten Wunscharzt. Patienten erhalten einen Termin bei einem Arzt, der in dem jeweiligen Zeitraum freie Termine hat. Dabei gilt eine Entfernung zu allgemeinen Fachärzten, wie beispielsweise Haut-, Frauen-, oder Augenärzten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von bis zu einer halben Stunde als zumutbar. Bei spezialisierten Fachärzten, wie beispielsweise Fachinternisten oder Radiologen, gilt eine Stunde als zumutbar.

Die KVN empfiehlt daher, dass Patienten zuerst bei ihrem Wunscharzt anfragen und versuchen, dort einen Termin zu vereinbaren, bevor Sie sich an die Terminservicestelle der KVN wenden. Welche Fachärzte in der Nähe praktizieren, erfahren Patienten im Internet unter www.arztauskunft-niedersachsen.de .

Die KVN-TerminServiceStelle vermittelt nur Facharzt-Termine, keine Termine beim Psychotherapeuten, bei Zahnärzten oder bei Kieferorthopäden. Auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte sind ausgenommen.

Wie funktioniert die „KVN-TerminServiceStelle“?

Die KVN-TerminServiceStelle erreichen Patienten zunächst telefonisch unter 0511/56999793 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Ab April 2016 wird auch die Terminbuchung über das Internet unter www.meinfacharzttermin.de möglich sein.

Auf der Überweisung findet der Patient einen Code, der als Berechtigungsnachweis für eine schnelle Überweisung gilt. Diesen muss er sowohl für die telefonische Vermittlung als auch für die Internetvermittlung bereithalten. Nach dem Patientenanruf bietet die KVN-Terminservicestelle innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin bei einem Facharzt an. Die Wartezeit zwischen dem Anruf und dem Termin beträgt maximal vier Wochen. Ausgenommen von der Vermittlung sind Früherkennungsuntersuchungen, Bagatellerkrankungen, Routineuntersuchungen und Untersuchungen zur Feststellung der körperlichen oder psychischen Leistungsfähigkeit.

Die KVN bittet alle Patienten, gebuchte Termine, die nicht eingehalten werden können, rechtzeitig frei zu geben. Der Termin muss in der Arztpraxis abgesagt und die Absage auch der KVN-Terminservicestelle mitgeteilt werden. Wenn Patienten den Termin absagen, ist die KVN-Terminservicestelle nicht verpflichtet, einen neuen Termin anzubieten. Ausnahme: Patienten sagen den Termin, den sie gerade erhalten haben, noch am gleichen Tag wieder ab. Dann kann ihnen die Terminservicestelle einen zweiten Termin anbieten.

Sollte die KVN-Terminservicestelle keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt anbieten können, wird sie versuchen, auf von Krankenhäusern gemeldete Termine für ambulante Behandlungen zurückzugreifen.

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