Fachkräftemangel spürbar Jobcenter Delmenhorst stellt sich auf Flüchtlinge ein

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Ein Flüchtling arbeitet in München in der Lernwerkstatt auf dem Gelände der Bayernkaserne unter professioneller Anleitung an einem Werkstück: Jobcenter und Arbeitsagentur Delmenhorst kümmern sich um Flüchtlinge. Foto: Sven Hoppe/dpaEin Flüchtling arbeitet in München in der Lernwerkstatt auf dem Gelände der Bayernkaserne unter professioneller Anleitung an einem Werkstück: Jobcenter und Arbeitsagentur Delmenhorst kümmern sich um Flüchtlinge. Foto: Sven Hoppe/dpa

Delmenhorst. Der Zuzug von Flüchtlingen wird langsam auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Im Jahresvergleich hat die Arbeitslosigkeit in Delmenhorst und Ganderkesee abgenommen. Jahreszeitbedingt gab es im Dezember im Vergleich zum Vormonat einen leichten Anstieg bei der Arbeitslosenquote.

„Der Winter ist da, auch auf dem Arbeitsmarkt“: So hat Karin Kayser, Leiterin der örtlichen Agentur für Arbeit, die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in Delmenhorst kommentiert. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Delmenhorst lag im Dezember bei 4886 Personen (8,7 Prozent). Insgesamt waren es 20 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Vormonat November lag bei 8,6 Prozent.

In der Stadt Delmenhorst waren 4215 Menschen arbeitslos, in Ganderkesee 671. In Delmenhorst lag die Arbeitslosenquote damit bei 10,7 Prozent, vor einem Jahr belief sie sich auf 10,5 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist Kayser zufolge aber moderat ausgefallen, da der Winter im Dezember milde gewesen sei. „Insgesamt startet der Arbeitsmarkt in robuster Verfassung ins neue Jahr.“ Allerdings sei der Arbeitsmarkt 2016 durch den Zuzug von Flüchtlingen und durch die Konjunktur mit vielen Fragezeichen versehen.

Zuzug von Flüchtlingen macht sich bemerkbar

Der Zuzug von Flüchtlingen macht sich ebenfalls mittlerweile bemerkbar: Von 133 zusätzlichen arbeitslosen Ausländern, die es im Dezember 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat gab, sind 128 im SGB-II-Bereich angesiedelt. Wie Marion Denkmann, stellvertretende Geschäftsführerin im Jobcenter, berichtete, sieht sich das Jobcenter hier vor große Herausforderungen gestellt. Vier spezielle Arbeitsvermittler sollen sich um Flüchtlinge kümmern, die seit weniger als zwei Jahren in Deutschland sind. Auch die Agentur für Arbeit ist auf Flüchtlinge eingestellt: Es gibt Informationsveranstaltungen auf Arabisch, die von einem Mitarbeiter im gesamten Agenturbezirk angeboten werden. Das Jobcenter soll 4,5 zusätzliche Stellen bekommen, davon ist eine jetzt ausgeschrieben: Arabischkenntnisse sind hier eine der Grundanforderungen. Das Jobcenter will auch weitere Räume anmieten. „Wir stehen in Verhandlungen“, sagte Denkmann.

„Die Arbeitslosigkeit wird im kommenden Jahr im Stadtgebiet steigen“, sagte sie. Bei den Flüchtlingen rechnet sie damit, dass die großen Zahlen erst noch kommen. Das Vermittlungsjahr werde 2017 sein. Alles „steht und fällt mit der Sprache“, sagte Kayser. Bislang, so Denkmann, sprachen viele Flüchtlinge Englisch, nun aber seien auch viele ohne Englischkenntnisse dabei. Wichtig sei, so sind sich die beiden einig, das Tagesgeschäft nicht zu vernachlässigen.

Arbeitsagentur: Abnahme der Arbeitslosigkeit

Die Agentur für Arbeit stellte angesichts des Jahreswechsels auch die Jahresbilanz vor: Hier ist über das gesamte Jahr eine Abnahme der Arbeitslosigkeit um 96 Personen (1,9 Prozent) festzustellen.

Gegenläufige Tendenz im Jobcenter

„Fast völlig gegenläufig“ sieht hingegen die Bilanz des Jobcenters aus, so Marion Denkmann. Man verzeichne hier mehr Zu- als Abgänge: Im SGB-II-Bereich waren im Dezember 2014 insgesamt 3314 Arbeitslose verzeichnet. Im Dezember 2015 waren es 88 Personen mehr (3402). Die Zahl der Leistungsempfänger stieg um 284 auf 10739 – laut Denkmann unter anderem auch dadurch, dass es viele Zuzüge in die Stadt gibt.

Zugleich sind Fachkräfte gefragt, erläuterte Regina Krumpe, Teamleiterin Arbeitgeber-Service. Es gebe „einen guten, aufnahmefähigen Arbeitsmarkt“, aber einen Fachkräftemangel. Im Dezember gab es 501 offene Stellen (November: 508). Die höchste Nachfrage gibt es aktuell in den Berufsbereichen der Produktion und Fertigung (162). Darauf folgen die Berufe des Gesundheits- und Sozialwesens (104).


Die Entwicklung in Bremen und Niedersachsen

Die Arbeitslosigkeit ist im Land Bremen im Dezember leicht gestiegen; 36254 Menschen waren arbeitslos. Das sind 187 (0,5 Prozent) mehr als im Vormonat und 83 (0,2 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag wie im Vorjahr bei 10,6 Prozent, im November betrug sie 10,5 Prozent. Dr. Götz von Einem, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven: „Die Arbeitslosigkeit ist, wie zu dieser Jahreszeit üblich, leicht gestiegen. Der Flüchtlingszuzug wird allmählich sichtbar.“

Niedersachsenweit lag die Arbeitslosenquote im Dezember bei 5,9 Prozent, was einer Arbeitslosenzahl von 247810 entspricht. „Der zu Winterbeginn übliche Anstieg ist moderat ausgefallen, da durch das milde Wetter im Dezember auch in den Außenberufen weiter gearbeitet werden konnte. Der Flüchtlingszuzug wird allmählich sichtbar, hat aber noch einen geringen Einfluss auf das Gesamtbild“, sagt Klaus Stietenroth, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Vor einem Jahr waren es 8401 Arbeitslose mehr, die Quote lag bei 6,2 Prozent. Gegenüber November gab es 5341 Arbeitslose mehr, was einem Plus von 2,2 Prozent entspricht.

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