Werbetafel zeigt Ali Chamenei Staatsschutz lässt Iran-Plakat an Delmenhorster City-Center hängen

Ein Plakat am City Center zeigt Imam Ali Chamenei, den politischen und religiösen Führer des Iran. Foto: Frederik GrabbeEin Plakat am City Center zeigt Imam Ali Chamenei, den politischen und religiösen Führer des Iran. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Es ist ein Anblick, der irritiert: Direkt am City-Center-Gebäude ist seit Kurzem ein Plakat zu sehen, dass Ajatollah Ali Chamenei, politischer und religiöser Führer des schiitischen Iran, zeigt. Hinter dem Plakat steckt über Umwege vermutlich Dr. Yavuz Özoguz, der dem Verein Islamischer Weg vorsitzt. Dieser steht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Es ist ein Anblick, der irritiert: Direkt am City-Center-Gebäude ist seit Kurzem ein Plakat zu sehen, dass Ajatollah Ali Chamenei, politischer und religiöser Führer des schiitischen Iran, zeigt. Es führt ein Zitat Chameneis auf. „Das Leid eines einzelnen Menschen, wo immer auf der Welt, stimmt von Natur aus die Mitmenschen traurig.“ Dieser Satz, so steht es auf dem Plakat, richtet sich an die „Jugend im Westen“.

Hinter der Plakatierung steht das Delmenhorster Internetportal „www.offenkundiges.de“, eine Seite, die sich selbst als Gemeinschaft muslimischer Publizisten bezeichnet. Betrieben wird die Seite von einem Sadik Özoguz. Auf ihr sind unter anderem Beiträge von Dr. Yavuz Özoguz zu finden, der unter anderem die Internetseite des Islamischen Wegs führt, ein Verein, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Grund: Es liegt der Verdacht nahe, dass sie Propaganda gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung betreibe um so schiitische Muslime auf verfassungsfeindliche islamistische Rechtsnormen zu verpflichten, hatte der Verfassungsschutz des Landes im Oktober mitgeteilt .

Propaganda an der City-Center-Fassade?

Wird also über Umwege versucht, an der Fassade des City-Centers, dass unter anderem das Bürgerbüro der Stadt beheimatet, verfassungsfeindliches Gedankengut zu streuen? Wenn es nach den Betreibern von www.offenkundiges.de geht, ist dies nicht der Fall. Das Plakat sei eine Reverenz zu Chameneis 2. Brief an die Jugend im Westen, den er als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris Anfang November verfasst hat, ist dort zu lesen. „In vielen Teilen der Welt leiden die Menschen unter Terrorismus: Frankreich, Syrien, Yemen, Irak, Libyen. Der Imam stellt damit das Leid des Einen nicht über das Leid des Anderen.“ In dem Brief habe Chamenei auch darum gebeten, sich unvoreingenommen, fern vom „blinden Hass der westlichen Medien“ mit dem Islam zu befassen.

„Politische Botschaften werden eigentlich geprüft“

Das Plakat selbst ist auf einer Werbefläche angebracht, dass die L&P Medienservice GmbH in Berlin bestückt. Dort ist man auf Anfrage „entsetzt“ über einen möglichen Zusammenhang zwischen Motiv und Islamischen Weg. Eine externe Firma sei für die Vermarktung der Werbefläche verantwortlich, „Plakate mit politischen Botschaften werden in der Regel geprüft“, sagte eine Sprecherin. Man werde den Vorgang prüfen, hieß es. „Notfalls muss man es abbauen.“

Innerhalb der jüdischen Gemeinde reagierte man relativ gelassen auf das Plakat. „Ich möchte mich nicht umfassend äußern, um Yavuz Özoguz kein Forum zu bieten“, sagte Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst und SPD-Ratsherr. Ähnlich äußerte sich Norbert Boese, Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises der jüdischen Gemeinde. Er fügte hinzu: „Die Werbung ist unnötig, es ist unklar, wen das Plakat eigentlich zeigt und das Zitat ist aus dem Gesamttext herausgerissen“, bewertete Boese die religiöse Werbebotschaft.

Strafrechtlich nicht relevant

Die Polizei indes sah keinen Handlungsbedarf, strafrechtlich sei es das Plakat nicht relevant, teilte Sprecherin Melissa Oltmanns mit.

Yavuz Özoguz gilt als extrem kritisch gegenüber dem Staat Israel. Bei einem Vortrag in der Markthalle im Juni hatte er Israel mit dem einstigen Apartheids-Staat Südafrika verglich. Trotzdem hatte er sich dagegen verwahrt, „Judenhasser“ zu sein. Zwischenzeitlich wurde ihm vorgeworfen, den Holocaust zu leugnen, was einigen Jahren vor dem Delmenhorster Amtsgericht verhandelt wurde. Dies hatte er in einer Stellungnahme zurückgewiesen.


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