Erster Lehrgang ist beendet Delmenhorster IWK qualifiziert ausländische Pfleger

Von Thomas Breuer

Haris Becirovic freut sich über sein Zeugnis, das er aus den Händen von Kursleiterin Elke Heier überreicht bekommt. Foto: Thomas BreuerHaris Becirovic freut sich über sein Zeugnis, das er aus den Händen von Kursleiterin Elke Heier überreicht bekommt. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Im IWK auf der Nordwolle werden Pflegekräfte aus dem Ausland für den deutschen Markt weiterqualifiziert. Ein Modell, bei dem offensichtlich alle beteiligten Akteure profitieren.

„Ich wollte mehr aus meinem Leben machen“, sagt Haris Becirovic. Gerne hätte er sich diesem Ziel auch in seinem Heimatland Bosnien-Herzegowina genähert, doch die Voraussetzungen, sagt der 23-Jährige, seien dort einfach nicht gut. Als staatlich examinierter Krankenpfleger habe er zwar in diesem Bereich arbeiten können, doch weitgehend ohne soziale Absicherung und die Perspektive auf einen beruflichen Aufstieg.

Keine Perspektive im Heimatland

Überhaupt, so der junge Bosnier, gebe es in seinem Land ein Überangebot an medizinischem und pflegerischem Personal. „Ein studierter Mediziner, den ich kenne, arbeitet jetzt an einer Tankstelle“, berichtet Becirovic.

Das wollte er nicht und lotete seine Chancen im Ausland aus, wobei Deutschland schnell ganz oben stand, weil hier gut qualifiziertes Pflegepersonal händeringend gesucht wird. Über die Arbeitsvermittlung im Heimatland kam er so mit einem EU-Förderprogramm in Berührung, das internationale examinierte Fachkräfte in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflegebranche für den deutschen Markt qualifizieren soll.

Zwölf von 15 Teilnehmern haben bestanden

Dabei kooperieren mehrere Akteure , wobei das Institut für Weiterbildung in der Krankenpflege (IWK) auf der Nordwolle den ersten Lehrgang für 15 Teilnehmer aus der gesamten Region gerade abgeschlossen hat. Die Frauen und Männer im Alter von 22 Jahren bis Mitte 40 kamen aus acht Ländern. Zwölf von ihnen haben die Prüfungen erfolgreich abgelegt, unter ihnen Haris Becirovic.

Sein Arbeitgeber ist eine Klinik in Hannover. Sie hat ihn am 18. Mai laufenden Jahres nach Online-Bewerbungsgesprächen über Skype nach Deutschland geholt und ihm, wie es das Projekt vorsieht, einen Arbeitsplatz als Pflegehilfskraft gestellt. Mit der erfolgreichen Prüfung gilt Becirovic nun auch in der Bundesrepublik als Pflegefachkraft, seine Bezahlung verbessert sich um bis zu 700 Euro.

Haris Becirovic spricht von einem „Volltreffer“

Einen „Volltreffer“ nennt der in einem Dorf aufgewachsene Bosnier das, was er in den vergangenen Monaten erlebt hat. Er sagt das in einem guten Deutsch, das er in dieser Zeit ebenfalls ausgebaut hat. Gute Grundkenntnisse der deutschen Sprache sind neben der einschlägigen Qualifikation im Heimatland eine Grundvoraussetzung, um an dem Projekt teilnehmen zu können. Becirovic hat sie in seiner Heimat über Goethe-Institut erworben.

Zweiter Kurs ist auch schon voll belegt

Ein zweiter Kurs am IWK ist bereits voll belegt. Generell werden die neuen Pflegekräfte für Deutschland nur in Ländern rekrutiert, in denen es ein Überangebot an Pflegepersonal gibt. Neben Bosnien-Herzegowina handelt es dabei laut den Projektpartnern um Serbien, Tunesien und die Philippinen.


Arbeitgeber aus dem Pflegebereich, die sich für das Projekt interessieren, können sich beim IWK unter Telefon (04221) 93510 informieren. Online kann Wesentliches unter www.iwk.eu und www.netzwerk-iq.de abgerufen werden. Arbeitgeber müssen für die Maßnahme pro Fachkraft nur 790 Euro investieren.