Nordwolle legt Fachpublikation vor Als Delmenhorst zur „Stadt der Not“ wurde

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Die Lehmann-Pleite löste 2008 eine weltweite Rezession aus. Knapp 80 Jahre zuvor war Delmenhorst Schauplatz eines folgenreichen Wirtschaftskrimis, als die Nordwolle zusammenbrach. Symbolfoto: dpaDie Lehmann-Pleite löste 2008 eine weltweite Rezession aus. Knapp 80 Jahre zuvor war Delmenhorst Schauplatz eines folgenreichen Wirtschaftskrimis, als die Nordwolle zusammenbrach. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Das Jahr der Finanzkrise 2009 hat den Blick auch wieder zurück auf die dramatische Wirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 gelenkt. Lassen sich die beiden einschneidenden Ereignisse miteinander vergleichen?

Für Hans-Hermann Precht ist die Antwort eindeutig: „Man soll, man kann und man muss“ den Vergleich unternehmen, urteilt der ehemalige Leiter des Industriemuseums auf der Nordwolle im Vorwort zu einer frisch von ihm herausgegebenen Publikation. „Wirtschaftskrisen 1929 und 2009“ lautet der Titel des 135 Seiten starken Sammelbands, der im Verlag CULTURCON medien erschienen ist. Für 16,95 Euro ist das Werk im Delmenhorster Buchhandel und an den Museumskassen der Nordwolle erhältlich.

Die Veröffentlichung fußt auf einem Forum, das der Wissenschaftliche Beirat des Nordwolle-Museums im November 2012 veranstaltet hat. Es wurden Antworten gesucht auf die Frage, welche Lehren aus der immer wieder von Krisen und Zusammenbrüchen geprägten Finanz- und Wirtschaftsgeschichte gezogen werden können. Der drei Jahre später nun vorgelegte Tagungsband befolgt einerseits die wissenschaftlichen Standards und ist laut Verleger Bernd Oeljeschläger zugleich bewusst nicht als „dicker Klopper“, sondern für jedermann verständlich produziert worden.

Wirtschaftskrise lässt blühendes Industriezentrum verarmen

In dem ersten seiner zwei Beiträge stellt Hans-Hermann Precht explizit den Bezug zur Stadtgeschichte her. Er zeigt auf, wie die 1931 dramatisch zugespitzte Krise zu bitterer Armut in Delmenhorst führte. Das zuvor blühende Industriezentrum wurde zur „Stadt der Not“. Die Abwärtsspirale entscheidend in Schwung gebracht hatte damals der Zusammenbruch des Nordwolle-Konzerns. Über den Strafprozess gegen dessen Lenker, die Gebrüder Lahusen, berichtet der Herausgeber des Bands in dem Aufsatz „Die Wollbarone vor Gericht“, einer überarbeiteten Version einer Artikelserie, die im dk auf der Seite „Von Hus un Heimat“ erschienen ist.

Der Wirtschaftshistoriker Karl Marten Barfuß schlägt in seinem Beitrag den Bogen vom ungezügelten Kapitalismus in der Gründungszeit der Nordwolle über die Soziale Marktwirtschaft bis zum entfesselten Neoliberalismus ab den 90er Jahren. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse besonders spannend ist der Aufsatz des Migrationsforschers Jochen Oltmer. Er untersucht die Migrationsbewegungen infolge ökonomischer Krisen.


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