Delmenhorster Polizei besorgt: Polizei nimmt Handys als Unfallursache ins Visier

Die Delmenhorster Polizei appelliert an Autofahrer: Während der Fahrt Hände weg vom Handy! Symbolfoto: dpaDie Delmenhorster Polizei appelliert an Autofahrer: Während der Fahrt Hände weg vom Handy! Symbolfoto: dpa

Delmenhorst . Die Delmenhorster Polizei achtet bei Unfällen verstärkt darauf, ob das Telefonieren mit Handy am Steuer eine Ursache gewesen sein könnte. Autofahrer unterschätzten die Gefahren oftmals. Die Polizei mahnt und klärt auf.

Ablenkung durch moderne Kommunikationstechniken beschäftigt die Polizei immer stärker, teilte Melissa Oltmanns von der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch auf Anfrage mit. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten verlockten viele Verkehrsteilnehmer dazu, immer mal wieder auf das Handy zu schauen.

28 Meter im Blindflug bei Tempo 100

Bei der Benutzung von Handys während der Fahrt führt die Ablenkung laut Oltmanns aber dazu, dass die Fahrer streckenweise „blind“ am Straßenverkehr teilnehmen. Hierdurch entstünden nicht nur Gefahren für sie selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer und Unbeteiligte. Die Gefahr werde oftmals unterschätzt. Oltmanns: „Wer mit 100 Sachen unterwegs ist und eine Sekunde nicht aufmerksam am Straßenverkehr teilnimmt, fährt beispielsweise 28 Meter im Blindflug.“ Nur eine Sekunde könne demzufolge dazu führen, dass unaufmerksame Handynutzer gegen einen Baum fahren oder im Gegenverkehr mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen prallen.

Nachweis der Handynutzung schwierig

Den Nachweis zu bringen, dass die Handynutzung Unfallursache war, ist nach Angaben der Delmenhorster Polizeisprecherin allerdings oftmals schwierig und daher auch das Festschreiben von genauen Zahlen nicht möglich. Die Polizei sei aber sensibilisiert und achte mittlerweile verstärkt darauf, inwiefern Handys beim Verkehrsunfall eine Rolle gespielt haben könnten. Oltmanns: „Wenn ein Hinweis vorliegt, dass ein Handy genutzt wurde oder aber die Unfallursache unerkannt beziehungsweise nicht schlüssig ist, kann das Handy des Unfallbeteiligten sichergestellt und ausgewertet werden, wenn die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind. Die allgemeine Meinung, dass das Entdeckungsrisiko beim Telefonieren gering sei, dürfte somit zukünftig nicht mehr aufgehen!“

Polizei verstärkt Prävention

Präventiv versucht die Polizei mit Maßnahmen und Kampagnen seit geraumer Zeit auf das Thema „Handynutzung am Steuer“ aufmerksam zu machen. Zum einen werden Banner an Brücken der Autobahn mit dem Aktionstitel „Tippen tötet - eine Initiative für sicheres Autofahren“ angebracht und zum anderen beispielsweise Postkarten, Flyer, Poster und Aufkleber verteilt. Häufiger kann man auch entsprechende Hinweise und Plakate in Gaststätten oder Tankstellen an der Autobahn entdecken. Im Rahmen von Fahrschulprojekten weist die Polizei präventiv auf die Gefahren hin, die auch nur das kurze „Handy checken“ mit sich bringen kann. Teilweise werden zu bestimmten Gelegenheiten Echtbilder gezeigt, um vor allem junge Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren.


Wird ein Radfahrer mit einem Telefon in der Hand angetroffen, kostet ihn dieses 25 Euro. Die Strafe für Autofahrer liegt bei 60 Euro. Wichtig ist, dass es ausreicht, wenn Verkehrsteilnehmer das Handy aufnehmen oder lediglich in der Hand halten. Entgegen einiger Annahmen muss nicht zwangsläufig telefoniert werden, um mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige rechnen zu können.

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